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  Österreich | 21.4.2006 | 14:37   

 
 
Le Parkour
  von Claus Pirschner
 
 
 
Vom Wald...
  Ich bin ein leidenschaftlicher Jogger und entkomme in diesem Fall meinen Ursprüngen nicht: Am Land aufgewachsen, bin ich es gewohnt, gleich bei der Haustür raus in die Natur zu können, den Fluss entlang zu laufen, in den Wald hinein, über die Felder. In so einer Umgebung spür ich am intensivsten meinen eigenen Bewegungsfluss. Natur in Wien ist nicht weit, aber für mich nicht greifbar genug bei der Tür hinaus, sondern zumindest eine halbe Stunde mit den Öffis entfernt. Das Laufen durch die Häuserschluchten ist nicht meins, und Parks sind mir ein fauler Kompromiss, wo ich mir wie der Affe im Zoo vorkomme.

 
 
...in den Großstadtdschungel
  Zuviele Hindernisse. Zuviel Stop and Go. Laufen in der Großstadt? Nein Danke, zumindest für mich, zumindest bis vor kurzem. Denn letzte Woche hab ich im Netz nach Sportarten gesucht, die ich mal ausprobieren möchte. Und lande, wie's der Teufel so will, im eigenen Saft, nämlich bei einer FM4 Netzgeschichte über Le Parkour. Die "Traceure", wie sie im Fachjargon heißen, laufen durch die Großstadt und versuchen, Hindernissen wenn möglich nicht auszuweichen, sondern sie zu überwinden - egal ob Telefonzelle, Stiegengeländer oder Hausmauer. Konstant im Bewegungsfluss bleiben, lautet ihre Philosophie, und das entspricht ja auch meinem Naturell. Jiippie!
Ihren Anfang hat die Disziplin in den Pariser Banlieus genommen. Den Wiener Traceur Leech hab ich bald ausfindig gemacht. Und ab gings mit ihm in die Betonlandschaft der Hochhäuser der Wiener Donaucity zu meiner Einschulung.
 
 
 
Dehnen - Katzensprung - Passement
  Geduldig bringt mich der Meister nach dem Dehnen zu einer kleinen Mauer und lehrt mich erste Sprünge:
 
 
 
Leech's Katzensprung, Claus' Passement
 
 
  Leech wird gleich zur Katze, und springt ihrem Stil gemäß über die Mauer. Kleiner Anlauf, dann Absprung, dann mit den Händen auf der Mauer aufgreifen, den Schwung nutzen, um sich mit den Händen dort wieder abzudrücken und gleichzeitig die Beine zwischen Oberkörper und Mauer durchziehen. Jaja, Umlernen heißts da für mich, ich greif zuerst mit den Händen auf, bevor ich überhaupt abspringe. Aber nach vier, fünf Versuchen stellen sich erste Erfolge ein...
Einer Katze ähnle ich noch nicht besonders, aber "lieb" schauen meine Versuche aus, hält mich Leech bei Laune. Beim Passement springen wir über die Mauer, indem wir uns mit einer Hand abdrücken. Ich brings auf kleine Abschürfungen an den Händen, aber auch zu kleinen Fortschritten. Zwischendurch muntert mich Leech mit Beatboxen auf, ist er doch der österreichische Meister darin. Und zum Abschluss zeigt mir mein liebenswürdiger Lehrer, was er so drauf hat:
 
 
 
Parkour: Der Meister in Aktion
 
 
 
 
 
 
  Leech's längster Wien-Parkour war sein eineinhalbstündiger Run vom Karlsplatz im Zentrum bis nach Kaisermühlen, und da hat er so einiges überwunden: "Geländer, große und kleine Mauern, Zäune, Spielplätze, Autos zum Teil auch, was man aber nicht machen soll, weil sie eigentlich Privatgrund sind." Rücksichstlos sind die Traceure auf keinen Fall. Während eine Frau langsam am Weg zwischen zwei Mauern durchspaziert, wartet Leech, bis sie vorbeigegangen ist. Aber nicht, indem er pausiert, sondern er springt von Mauer zu Mauer, bis die Frau weg ist und er dort landen kann. Im Bewegungsfluss bleiben - das hat er trotzdem eingehalten. Beim Parkouren zählen Bewegungskontrolle, Balance, Techniken und Konzentration, um das Verletzungsrisiko zu minimieren.
 
 
 
 
 
  "Es geht im Parkour darum, dass man seinen eigenen Weg geht. Egal wie man jetzt drüber kommt. Solange es effizient ist, elegant ausschaut und Spaß macht. Dann ist es in Ordnung. Akrobatische Elemente wie Flicks oder Saltos gehören da gar nicht dazu, weil das nicht effizient ist und nichts bringt. Die Verletzungsgefahr ist da viel zu hoch. Wir wollen so schnell wie möglich von A nach B kommen, nicht am gleichen Ort bleiben und unsere Tricks oder Showeinlagen irgendwelchen Leuten zeigen", so erklärt mir Leech den Unterschied zwischen Le Parkour und dem Freerunning, aber das ist ja eigentlich schon Stoff der zweiten Trainingsstunde...
 
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