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  Österreich | 8.8.2006 | 16:59   

 
 
Hip Hop, Regen & Schlamm
  von Phekt

Das Splash-Festival in Chemnitz gibt es jetzt schon seit neun Jahren. Neben dem Hip Hop Kemp in Tschechien gehört es zu Europas größten Hip Hop-Festivals. War ich 2001 und 2004 noch als Gast in Ex-Karl Marx-Stadt, war der Grund für den diesjährigen Besuch ein anderer: Als Ersatz-Dj von Dan von Texta bin ich kurzfristig eingesprungen und hab für die vier MCs aus Linz die Platten aufgelegt. Wir waren quasi die "Quoten-Ösis" und dafür verantwortlich, Rap aus Österreich zu repräsentieren.

Trotz viel Regen, Schlamm und kühlen Temperaturen ein interessanter, einenthalbtägiger Ausflug in eine mittlerweile doch ganz andere Welt:
 
 
 
Am Samstag Nachmittag war das Wetter zumindest noch trocken. Auf der Bühne die französische Saian Supa Crew, die mit einem extrem schnellen Uptempo-Set überrascht hat.
 
 
So sehen Hip Hops heute aus: T-Shirts und Hosen in XXXXXL, dazu das passende New-Era-Cap und ein Gold-Grill im Mund. Manchmal ist es besser, Trends aus den USA zu ignorieren.
 
 
Nachdem es zu regnen angefangen hat, wären Gummistiefel nicht schlecht gewesen. Vor allem für die Sprüher, die beim internationalen "Write 4 Gold"-Finale um den Weltmeister-Titel gebattelt haben.
 
 
Die TMD-Crew aus Neuseeland hat die Jury am Ende überzeugt und mit ihrer Wand gewonnen. Hier ein Teil von ihrem Bild. Das Motto für die Produktionen war "Splash Festival".
 
 
Der New Yorker Graffiti-Pionier T-KID war beim Splash 2006 eines der Jurymitglieder.
 
 
Wo noch vor zwei Jahren die hochgeschätzte Reggae-Stage war, stand heuer die MZEE Stage. Sie war hauptsächlich Plattform für den deutschen Rap-Nachwuchs. Das Line-Up dürfte (bis auf ein paar Ausnahmen) vor allem pubertierende Dorf-Gangster beeindruckt haben.
 
 
Der Headliner vom Samstag, FAT JOE aus New York, hat mit seiner 37-minütigen Semi-Playback-Show enttäuscht. Da hätte eine Gruppe wie JURASSIC 5 viel besser hingepasst.

Der Diplomats-MC Juelz Santana, der ebenfalls am Samstag eingeplant war, hat aufgrund von Bewährungsauflagen nicht nach Deutschland kommen können und seinen Auftritt kurzfristig absagen müssen. US-Rapper, die im letzten Moment nicht kommen, sind spätestens seit dem Debakel mit NAS letztes Jahr nichts ungewöhnliches mehr.
 
 
Dafür war DJ PREMIER von Gang Starr in Top-Form. Er war nach den Konzerten für den Sound in einem der drei trockenen Party-Zelte verantwortlich.
 
 
Am Sonntag, pünktlich um 14.00 Uhr, durften dann TEXTA die Main-Stage eröffnen. Blöd, dass die Tore zum Festival-Gelände erst um 14.10 Uhr geöffnet wurden. So ist das bei Veranstaltungen in dieser Größenordnung, da wird der Zeitplan strikt eingehalten. Komme was wolle. Zum Glück haben es die vier Jungs aus Niederösterreich in der ersten Reihe irgendwie geschafft, trotzdem schon am Gelände zu sein.
 
 
30 Minuten später, bei der letzten Nummer, war das Bild, das sich uns geboten hat, schon etwas anders. Man konnte erahnen, wie es bei richtiger Planung von Anfang an hätte sein können. Dann war die Zeit leider schon wieder abgelaufen und wir mussten schnell die Bühne räumen, für Zugaben war keine Zeit.
 
 
  Wie sinnvoll es ist, den langen Weg von Österreich nach Chemnitz zu fahren, um dann am dritten Tag, als erste Band vor einem offensichtlich noch geschlossenen Areal aufzutreten, sei dahingestellt. Organisatorische Fehlplanungen wie diese sind nicht nur peinlich, sie wirken auch der Band und den Fans gegenüber sehr respektlos.

Texta war übrigens die einzige Band aus Österreich, die zum Splash 2006 eingeladen wurde. Für ein europäisches Hip Hop-Festival doch eher eine lausige Quote.
 
 
 
FIVA MC & DJ RADRUM aus München haben mit ihrem Set im Anschluss gezeigt, dass es in Deutschland auch noch anspruchsvolle Rap-Musik gibt. Danach haben wir die Heimreise angetreten.
 
 
Das Splash-Festival hatte noch mehr zu bieten
  Da wir nur einen kleinen Teil vom umfangreichen Line-Up gesehen haben, kann ich kein repräsentatives Resümee ziehen. Immerhin habe ich vielversprechende Programmpunkte wie Keith Murray, Blumentopf, DJ Jazzy Jeff, Scratch, Seeed oder das "Splash meets Classic"-Konzert versäumt.

Insgesamt scheint es so, dass die Veranstaltung insgesamt etwas kleiner geworden ist. Ich hätte mir mehr Künstler aus Österreich und der Schweiz gewünscht, außerdem ist es ein Verlust, dass es seit 2005 keine Reggae-Stage mehr gibt. Man darf gespannt sein, was sich die Organisatoren für das 10-jährige Jubiläum nächstes Jahr einfallen lassen.

Mehr zum Splash-Festival gibt es heute, 7. August, in der Homebase (19-22 Uhr)
 
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