Junge Musiker, die sich zusammen tun, eine Band gründen und ein paar Konzerte spielen, ist nun wirklich nichts Neues oder gar Besonderes. Das kommt vor.
Wenn aber aus einer Band gleich ein ganzes Kollektiv entsteht, dann hört man doch genauer hin. backlab ist so ein Fall.
K O L L E K T I V
Am Anfang war die Musik. Die Band Syndrom 4272, rund um den Musiker Philipp Diesenreiter aka tenderboy macht 1995 den Anfang mit einem Konzeptalbum, in dem sie den Alltag von Voestarbeitern oder Verkehrsunfälle vertonen. Kurz: das vertonte Leben rund um Weitersfeld in Oberösterreich. Es folgt "neun Volt" und der Entschluß, dass man für die Projekte einen gemeinsamen Namen braucht. 1998 entscheidet man sich für den Namen backlab.
Tenderboy
Beim Wort genommen
Mittlerweile sind es rund 45 KünstlerInnen, die über ganz Österreich verstreut sich über das backlab vernetzen. Linz fungiert nach wie als Hauptquartier. Der künstlerischen Ausdrucksart und- weise setzt das backlab keine Grenzen. Vorallem aber finden sich Musiker und Visualisten unter ihnen.
Doris Mitterbacher aka Mieze Medusa ist noch nicht lange beim backlab, da sie anfangs lieber Einzelkämpferin sein wollte und extrem kollektivfeindlich war.
"Eines der prägendsten Dinge, die mich am backlab faszinieren ist, dass es sehr nach innen gerichtet agiert. Nach außen kann jeder auftreten wie er will. Das Kollektiv lässt maximale Freiheit und unterstützt dabei aber, wo es nur kann."
Mieze Medusa
Im Forum im Netz wird getratscht und diskutiert, vor allem aber wird rumgefragt, wenn Unterstützung gebraucht wird. Ob DJs, Grafiker oder jemand der Flyer verteilt - irgendwer weiss immer wen oder erklärt sich selbst bereit mitzumachen.
Die verhältnismäßige große Anzahl an Festivals, Konzerten und CDs, die so entstehen, bestätigen den Versuch, verschiedenartige KünstlerInnen unter einen Hut zu bekommen und ein echtes Kollektiv zu etablieren. Mit wachsendem Erfolg.
Ostwärts
Die Mitglieder bleiben in gewisser Weise Einzelkämpfer mit der Sicherheit der Unterstützung einer fast familiären Gruppe. Josef Gaffl ist einer von ihnen. Er ist im Vereinsvorstand, schon fast seit Anfang an dabei und besonders aktiv in punkto Organisation von Events und Festivals. Neben dem Echtzeit Festival und einigen Konzert-Reihen in Linz gehört seine Liebe dem Balkan. Mit seinem aktuellen Projekt hat es ihn allerdings bis nach Weißrussland verschlagen. Gemeinsam mit backlab Musikern und der weißrussischen Band Indiga hat er eine CD produziert. Die erste Kooperation von europäischen und weißrussischen KünstlerInnen. Da die Band kritische, weißrussische Texte verwendet, haben sie in ihrer Heimat Radioverbot. Auch die Auftrittschancen für regimekritische KünstlerInnen sind nicht besonders rosig, was auch der ausschlaggebende Grund für Josef Gaffl war, die Band zu unterstützen. Nächsten Winter sind Auftritte in Österreich geplant.
Elektronische Bandbreite
Elektronische Musik ist quasi die Haus- und Hofspielart des backlab Kollektivs. Da reiht sich auch Patricia Enigl aka irradiation nahtlos ein. 2002, als frischgebackenes backlab Mitglied, hat sie aus ihrem Geburtstagsfest ein mittlerweile renommiertes Elektronik-Festival gemacht. Das temp~ Festival findet heuer schon zum vierten Mal statt.
Mehr und vor allem Hörproben aus den letzten Releases des backlab-MusikerInnen gibt's heute Abend in der FM4-Homebase ab 19 Uhr zu hören.