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  Österreich | 1.9.2006 | 12:02   

 
 
Inspiriert von den Schauspielerinnen
  "Fallen" ist bereits Barbara Alberts dritter Spielfilm und nach "Nordrand" der zweite, mit dem sie bei den Filmfestspielen in Venedig ins Rennen um eine Auszeichnung geht. Für Nordrand gab es damals einen Preis für Nina Proll als beste Darstellerin und zahlreiche weitere Auszeichnungen auf anderen Festivals. Für Österreich war das so etwas wie ein kleines Wunder, da es überhaupt nach 50 Jahren wieder mit einem Film vertreten war.
In "Fallen" treffen einander fünf Frauen nach längerer Zeit auf einer Beerdigung wieder und ziehen Bilanz: Was von dem, was man sich erträumt hat, ist wahr geworden, welche Träume sind verpufft und will ich so weitermachen. Erika Koriska hat die Autorin, Produzentin und Regisseurin Barbara Albert zum Interview getroffen.
 
 
 
  Die Begeisterung war groß, als "Nordrand" bei den Filmfestspielen in Venedig gezeigt worden ist, seitdem sind deine Arbeiten und die Produkionen von coop99 quasi Stammgäste bei so internationalen Festivals wie Cannes, Toronto, Venedig. Was bedeuten dir diese Einladungen zu den Festivals?

Die Festivals sind eigentlich immer der Anfang eines hoffentlich langen Weges eines Films. Das heisst, du hast einfach einen sehr viel besseren Start mit einem Festival, vor allem mit einem Wettbewerb. Da gehts jetzt nicht darum, einen Preis mit nach Hause zu nehmen, sondern darum, dass du eine Öffentlichkeit hast und, dass du dann von diesem Festival aus, Verkäufe starten kannst, dass dein Film in möglichst vielen Ländern gesehen wird.

Und was ist im Vergleich zu anderen Festivals das besondere an Venedig?

Venedig ist sicher als Bühne für die Schauspielerinnen gut, ich muss sagen, dass ist auch schon wieder sieben Jahre her, dass ich mit "Nordrand" dort war und ich glaub, da hat sich einiges geändert. Es ist auch wichtig zu sagen, dass Venedig heuer eine mutige Auswahl getroffen hat, es gibt elf Erstlingsfilme, d.h. das sind auch Filme von derzeit nicht so bekannten Regisseuren dabei - ich verwende jetzt die männliche Form, weil ich bin wirklich die einzige Frau dort, die einzige Regisseurin. Da war ich am Anfang ein bisschen entsetzt, dass da nicht genügend internationale Regisseurinnen vorhanden sind - aber unabhängig davon sind sie auch sehr mutig, dass sie wirklich eine ungewöhnliche Auswahl machen, die aber auch sehr breit ist, von Stephen Frears über Straub bis zu asiatischen Regisseuren, die man noch gar nicht so kennt.

 Edita Malovcic und Nina Proll in "Nordrand"
 
 
  "Fallen" handelt von fünf Frauen Mitte Dreißig, die sich nach langer Zeit wieder treffen und feststellen, dass sich viele ihrer Ziele nicht verwirklicht haben. Wie ist denn die Idee zu "Fallen" entstanden?

Also eigentlich war ich inspiriert von den Schauspielerinnen (Nina Proll, Kathrin Resetaris, Birgit Minichmayr, Ursula Strauss, Gabriela Hegedüs, Anm. der Redaktion), d.h. ich wollte für diese Frauen einen Film schreiben, ich wollte möglichst einfach erzählen. Natürlich hab ich dazu auch etwas verwendet, was mich beschäftigt, d.h. das Thema "Wo steh ich mit Anfang Dreißig", möcht ich mein Leben ganz radikal ändern oder was will ich überhaupt noch im Leben, das sind wichtige Fragen in dem Alter.

 
 
  In "Fallen" werden auch die politischen Überzeugungen der Frauen gestreift, wie wichtig ist es für dich, einen politischen Film zu machen?

Ich würde gern einen viel politischeren Film machen als "Fallen", weil der das nur streift, um zu zeigen, wo diese Frauen herkommen, was wollten die mit 16, die wollten die Welt verändern, die haben damals mit einer anderen Kraft gesagt "Wir kämpfen auch für was". Ich bin auch grad dabei, an einem Film zu arbeiten, ich glaub nur, das muss Hand und Fuss haben, das darf nicht mit dem Zeigefinger daherkommen. Ich würd sehr gern mal einen Film machen, der wirklich wütend macht und der aufrüttelt, wo ich als Zuseherin nachher rausgehe und sag "Ich bin erschüttert, also so sicher nicht", aber trotzdem mit einer Emotion, die durch die Figuren transportiert wird. Ich weiss, dass "Fallen" auch eher ein atmosphärischer Film ist und der jetzt auch nicht das eine politische Statement hat. Aber ich glaube, es ist ein Schritt in Richtung Selbstverantwortlichkeit, also am Schluss gibt es auch Figuren, die sagen "So nicht", "Ich mach einen Schritt in eine neue Richtung" und andere bleiben in ihrem Leben drinnen, aber es gibt auch diese Möglichkeit und Hoffnung, dass ein Handlungsspielraum da ist.
 
 
 
Szene aus "Fallen"
 
 
  Frauen haben in deinen Filmen eigentlich immer die Hauptrollen, warum?

In erster Linie ist es wahrscheinlich schon einfach die Nähe zu weiblichen Figuren im Film, da kann ich von mir ausgehen, das liegt mir näher. Wenn transportiert wird, dass Frauen auch anders gesehen werden können, als einfach nur so Beiwerk, dann ist das ein guter Nebeneffekt, aber es ist jetzt kein Statement "Ich mach nur Filme über Frauen und für Frauen", das stimmt überhaupt nicht. Ich mach erstens natürlich Filme für alle oder für möglichst viele und ich werd auch nicht mein ganzes Leben lang über Frauen erzählen.

Du hast jetzt "Fallen" konkret für die fünf Schauspielerinnen geschrieben, hast du da mit Kathrin Resetarits oder mit Nina Proll an den jeweiligen Figuren gemeinsam gearbeitet oder ihnen das fertige Drehbuch präsentiert?

Also ich hab ihnen das fertige Drehbuch gezeigt, aber schon mit dem Vorsatz, dass wir gemeinsam in einer Probenarbeit auch noch was erarbeiten können und uns vor den Dreharbeiten noch Zeit nehmen können, um auch am Dialog zu arbeiten.

 Ursula Strauss und Georg Friedrich in "Fallen"
 
 
  In "Fallen" ist die Gegenwart so eine Kombination aus Erinnerung und Sehnsucht, welche Sehnsüchte und Pläne hast du für die nächste Zeit?

Also ich möcht mich in erster Linie wieder aufs Schreiben konzentrieren, d.h. ich hab zwei Drehbücher und ein sehr großes Herzensprojekt, das ist so eine europäische Geschichte, die in Österreich beginnt und in anderen Ländern weitergeht und ich glaub alles weitere weiss ich noch nicht.

Das klingt ein bisschen nach einem Roadmovie.

Es ist eher ein Film, der in unterschiedlichen Ländern spielt, aber gar nicht so sehr die Bewegung dahin ist wichtig, sondern einfach diese unterschiedlichen Orte, also es wird Polen vorkommen, Rumänien und dann wahrscheinlich Italien und Deutschland. Also so schauts jetzt aus, schauen wir mal, wo ich am Ende dieses Herbstes gelandet bin.

Gut, dann wünsch ich einen spannenden Herbst, alles Gute für Venedig und Danke fürs Kommen.

Danke auch.

"Fallen" startet am 8. September 2006 in Österreich
 
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  Offizielle Seite zu

Filmfestival Venedig

www.coop99.at
   
 
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