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  Österreich | 8.9.2006 | 19:21   

 
 
Heiße Zeiten
  Es ist Wahlkampf. In drei Wochen werden die Stimmzettel abgegeben - bis dahin wird wohl noch viel "gewahlkämpft" werden. Und in Wahlkampfzeiten werden so manche Versprechen gemacht, die dann später nicht eingehalten werden. Fair Campaining zwischen den Parteien ist oft nicht mehr als ein Schlagwort.

Gestern ist in der ORF-TV Konfrontation zwischen BZÖ-Chef Peter Westenthaler und SPÖ-Chef Alfred Gusenbauer eine Wahlkampfblüte der besonderen Art aufgetaucht: Peter Westenthaler zitiert aus einem angeblichen Briefwechsel zwischen dem Wiener SPÖ Gemeinderat Omar al Rawi und Andreas Ermacora vom Österreichischen Alpenverein.
 
 
 
Wie weit wird gegangen?
  Omar Al-Rawi und Andreas Ermacora dementieren diesen Briefwechsel. Das BZÖ beharrt darauf, dass der Brief echt sei. Mittlerweile ist bei der Zeitschrift Datum ein Bekennerschreiben der Künstlergruppe "Haben wir denn keine andere Sorgen" eingetroffen. Der besagt, dass der Brief von ihnen verfasst worden ist: Im Rahmen der eigens für die Nationalratswahl gesetzten sogenannten "Aktion zur Auslotung populistischer Gemein- und Blödheiten - How low can you go" wurden gefakte Schreiben an mehrere populistische Politiker und Prominente geschrieben.

"Haben wir denn keine andere Sorgen" schreiben in ihrem Bekennerbrief:

[...] Wir wollten sehen, wie weit populistische Politiker gehen. Westenthaler war von Beginn an ein heißer Tipp. [...] Jeder sehfähige Mensch erkennt das Schreiben als Fake. Weder stimmt das Datum noch der Briefkopf.
Jeder verantwortungsvolle Mensch hätte die Richtigkeit des Schreibens überprüft, bevor er damit ins TV geht.


Zusätzlich zu dieser Aussage hat uns diesen Nachmittag die Gruppe ein Email-Interview gegeben.

 
 
Die Briefverfasser im Gespräch
  Erste Frage, wieso legen Sie so großen Wert darauf, absolut anonym zu bleiben?

Wir wollen anonym bleiben, weil Populisten vom Schlage eines Peter Westenthaler bekanntlich schnell beim Klagen sind. Und diesem Risiko wollen wir uns auf keinen Fall aussetzen.

Wie war ihre Reaktion auf die Thematisierung ihres gefakten Briefes gestern in in der ORF TV-Konfrontation durch Peter Westenthaler?

Wir hatten zwar nicht unbedingt damit gerechnet, aber als es dann kam, hat es uns auch nicht großartig überrascht. Dass ein Politiker wie Peter Westenthaler keine Scham und keinen Anstand kennt, beweist schon allein seine Frisur. Die Reaktionen haben uns schon ein bisschen überwältigt, aber das war ja auch der Sinn der Sache.

Sie haben als 'Künstlergruppe "Haben wir denn kein andere Sorgen" im Rahmen ihrer sogenannten "Aktion zur Auslotung populistischer Gemein- und Blödheiten - How low can you go" an mehrere "populistische" Politiker ähnliche gefakte Briefe geschrieben. Sie erregen mit ihrer Aktion jetzt große Aufmerksamkeit. Was bezwecken sie damit?

Wir wollten und wollen bewusst machen, dass für den populistischen Limbotänzer keine Latte zu niedrig liegt. Den Beweis für diese These hat Herr Westenthaler ja gestern eindrucksvoll erbracht. Das sind alles keine neuen Mechanismen, das kennt man ja auch schon aus der Vergangenheit. Wir haben diese Mechanismen gestern nur einmal mehr aufgezeigt.

 
 
  Wollen sie mit dem gefakten Brief auch eine Diskussion über Religion bzw. die Rolle der christlichen Religion in Österreich entfachen? Finden sich in anderen gefakten Briefen andere Inhalte, die sie im Wahlkampf zum Thema machen wollen?

Auf keinen Fall, eine Religionsdiskussion zu entfachen, liegt uns fern. Zu Ihrer zweiten Frage: Ja, es sind noch andere gefakte Briefe im Umlauf, welcher Art, das wollen wir aber zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht verraten, um die Spannung aufrecht zu erhalten. Wir wollten und wollen einfach sehen, wie absurd eine politische Behauptung sein kann, die dann trotz ihrer offensichtlichen Absurdität aufgegriffen wird, deshalb haben wir die Aktion auch unter den Titel "How low can you go?" gestellt.

In ihrem 'Bekennerschreiben' kündigen sie für den Wahltag die Auszeichnung 'Kellerassel des Wahlkampfes' an und das Westenthaler darauf nun gute Chancen hätte. Sind für den 1. Oktober und während des Wahlkampfes noch weitere Aktionen von ihnen zu erwarten?

Natürlich. Aber, wie gesagt, darüber wollen wir jetzt noch nichts verraten. Sie werden es aber auf jeden Fall merken.
 
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