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  Österreich | 7.10.2006 | 21:24   

 
 
Anna Politkowskaja 1958-2006
  von Arthur Einöder

Wenn irgendwann in den letzten Jahren eine gute Fee zu mir gekommen wäre und mich gefragt hätte, "Wer ist die Person, der du am liebsten einmal begegnen würdest?", wäre meine erste Antwort gewesen: Anna Politkowskaja.

Anna Politkowskaja gehörte einer Art von Journalistinnen an, die gerne in Filmen und Büchern bemüht werden: die couragierte, unbequeme Reporterin, der kein Thema zu heiß und keine Anstrengung zu groß ist, um die Wahrheit ans Licht zu bringen.
 
 
Berichterstatterin in Tschetschenien
  Bekannt wird Anna Politkowskaja durch ihre Enthüllungen zum Tschetschenien-Krieg der russischen Armee. Sie berichtet von ethnischen Säuberungen, Hinrichtungen, Vergewaltigung, Folter und Repressionen, die sie in den unwegsamen Bergen und Wäldern Tschetscheniens mit eigenen Augen sieht und teilweise am eigenen Leib erfährt:

Während ihrer Recherchen zu Misshandlungsvorwürfen gegen die russische Armee wird Politkowskaja in den Bergen verhaftet.
 
 
 
Rechtsstaat Russland?
  "Sie haben Ihren letzten Artikel geschrieben. Ich bringe Sie um." Diese E-Mail-Botschaft erhält Politkowskaja nach Veröffentlichung eines Artikels, der russische Militärs in Tschetschenien massiv belastete. Von "Personen mit hohem Rang" im russischen Verteidigungs- und Innenministerium, wie sie sagt.

"Das Enttäuschende ist, dass die verantwortlichen Behörden nicht bereit sind, gegen diese Menschen vorzugehen. Ich dachte, dass wir eine Verfassung und einen Präsidenten haben, die uns schützen sollten. Meine Erfahrung aber ist, dass ich Freiwild geworden bin."

 
 
Flucht nach Wien
  Sie flüchtet auf Anraten ihres Chefredakteurs nach Wien, einen Tag später wird Politkowskajas Nachbarin, die ihr sehr ähnlich sieht, ermordet. Bald kehrt die Journalistin aber nach Moskau zurück. "Wenn ich nicht mehr schreibe, haben meine Feinde ihr Ziel erreicht."

Im Jahr 2002 versucht die Journalistin bei der Geiselnahme im Moskauer Musical-Theater zu vermitteln. Erfolglos: Russische Spezialeinheiten stürmen das Theater mit Giftgas und töten 129 Geiseln. In der Folge erhebt Politkowskaja schwere Anschuldigungen gegen den Polizeieinsatz: die große Zahl an Opfern wäre zu verhindern gewesen.
 
 
 
Freie Medien?
  Die Frankfurter Buchmesse 2003 hat als Schwerpunkt "Russland". Geplant ist, dass Anna Politkowskaja dort an einer Diskussionsrunde teilnimmt und ihre Bücher zum Tschetschenienkrieg signiert. Als sich Russlands Präsident Wladimir Putin als Stargast ankündigt, ist von einem Auftritt Politkowskajas keine Rede mehr. Seitens der Frankfurter Buchmesse heißt es, dass Politkowskaja keinen Sponsor für den Flug gefunden hätte.

2004 kommt es zur Geiselnahme in der Schule von Beslan im Nordkaukasus. Auf dem Flug dorthin soll die bekannte Reporterin vergiftete Getränke serviert bekommen haben. Sie vermutet russische Behörden hinter dieser Aktion.

 
 
  Am Nachmittag des 7. Oktober 2006 wird Anna Politkowskaja in ihrem Moskauer Wohnhaus erschossen aufgefunden.

Wenn jetzt eine gute Fee käme, dann würde ich mir wünschen, dass es in Zukunft viele JournalistInnen geben sollte wie Anna Politkowskaja es war. Nicht nur in Russland.
 
 
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