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  Österreich | 3.1.2007 | 16:23   

 
 
Prime Cuts: Union Of Knives
  von Andreas Gstettner

Jede Situation in unserem Leben ist viel komplexer, als wir es meist annehmen. Im Allgemeinen gibt uns die Reduktion dieser Komplexität einen Anhaltspunkt und erleichtert uns den Umgang miteinander im alltäglichen Leben. In einigen Situationen, meist Krisen, werden wir darauf zurückgeworfen, dass Dinge viele verschiedene Seiten haben und in gewissen Momenten nicht nur eine einzige Emotion zu Tage tritt.

Genau darüber reflektieren gerade Künstler und Musiker, wenn sie Texte niederschreiben und Songs entwickeln. Auch die Elektro-Pop-Stücke von Union Of Knives verbergen unter ihrer glanzvollen Oberfläche sowohl musikalische als auch textliche Vielschichtigkeit.
 
 
Brüder im Geiste
  Sie alle haben sich in einem Music Pub in Glasgow getroffen, dem Nice 'N' Sleazy, wenn auch zu unterschiedlichen Zeiten. Sowohl der Elektronikproduzent Dave McClean, also auch Sänger, Gitarrist und Produzent Chris Gordon haben neben ihrer Remix- und Produzentenarbeit in dieser Bar gearbeitet. Eines Abends ist Chris Gordon dann eine markante Stimme aufgefallen:

"Es war bei einer dieser Acoustic Night Sessions, als ich Craig Grant zum ersten Mal singen hörte. Ich habe mit ihm dann ein Demo mit seiner damaligen Band produziert. Und als ich Craig gebeten habe, auch für die Stücke von Dave und mir ein paar Zeilen zu singen, hat die Chemie sofort gestimmt. Mittlerweile ist er wie ein Bruder für mich geworden, auch wenn ich zehn Jahre älter bin."

Genau diese Beziehung erlaubt es Chris Gordon und Craig Grant, gemeinsam auf der Bühne verschiedene Songs als Frontman zu singen, ohne dass dabei große Ego-Probleme entstehen würden. Vielmehr verschmelzen ihre Stimmen zu einer harmonischen Einheit.
 
 
 
 
 
Eigenständigkeit statt Referenzkiste
  Drei Jahre lang haben Dave, Chris und Craig an ihrem Debüt 'Violence & Birdsong' gebastelt. Das Ergebnis sind elf sehr geschliffene und ausgeklügelt arrangierte Songs, die einen konsistenten Klangkosmos bilden. Der Sound besteht neben groovigen Basslinien und reduzierten Gitarrenriffs aus krachenden und funkelnden Dance Beats, wie Chris erklärt:

"Diese Seite unserer Sounds ist definitiv von der Musik der Nachclubs in Glasgow beeinflusst. Den 'harsh and tasty beats', wie wir sie nennen. Während wir am Album gearbeitet haben, sind Dave und ich oft unterwegs gewesen und haben in den Clubs die Energie der extrem lauten Bassdrum-Schläge genossen. Und wir dachten uns, lassen wir doch diese Energie auch in unseren Sound einfließen."

Gesagt, getan. Auf dem Album sind solche Einflüsse zu Hauf zu finden, wie in 'I Decline', das mit einem gewaltigen, rollenden Schlagzeugintro beginnt und sich zu einem hypnotischen Dancesong entwickelt. Auch der unmittelbar daherkommende, verzerrte Drumsound von 'Operatet On' in Kombination mit einem tief grabenden Bass evoziert sofort das Bild eines überfüllten Nachtclubs, wobei beim fragilen Break aus Synthie und Stimme die verschwitzten Körper kurz zur Ruhe kommen.

Bei genau diesen stilleren Momenten von 'Violence & Birdsong' wird vor allem von englischen Musikjournalisten gerne die Kategorisierungsschublade aufgezogen, um aus der darin enthaltenen Referenzkartei mit kühlen Fingern die Zettel mit der Aufschrift "Radiohead" und "Massive Attack" zu ziehen. Doch das ist eigentlich zu weit hergeholt, was auch den bissigen Kommentaren von Chris Gordon im Artikel des Daily Record zu entnehmen ist.
 

 
audio
 
title: Prime Cuts - Union Of Knives
length: 1:11
MP3 (1.149MB) | WMA
   
 
 
Dichotomie und große Gefühle
  Abseits des Sounds und der damit verbundenen, oft ganz umsonst bemühten Querverweise der Popgeschichte gewinnen Union Of Knives bei genauerem Inspizieren ihrer Songtexte an Tiefgang. Selbst wenn man als unbedarfter Mensch mancher Weltsicht von Chris und Craig nur schwer folgen kann. So erzählt uns Chis, dass die Single 'Taste For Harmony' nicht von Harmoniesucht oder ihrem guten musikalischen Geschmak handelt, sondern von einer eher ausgefallenen Lebenssicht:

"Der Song handelt davon, dass die Konzepte der Spiritualität und Physik sich immer mehr annähern. So wird im Zusammenhang mit dem Universum, Mikrokosmen und ähnlichen Dingen von einem alles umgebenden Energiefluss gesprochen. Auf spiritueller Ebene bedeutet diese 'energy soup' wie ich sie jetzt einfach mal nenne (lachen) in der wir alle leben, dass es eigentlich keine Seperation zwischen dir und mir gibt, auch wenn ich gerade tausende von Meilen entfernt am Telefon sitze. Denn wir sind alle Teil des gleichen Energiefeldes."

Soviel zur schottischen Energiesuppe.


 
 
  Nicht nur Einklang und Verbundenheit findet sich auf dem Union Of Knives Debüt. Songs wie die herausstechende Popperle 'Lick Black Gold' oder dem Opener 'Opposite Direction' zeigen viel mehr die bittere Seite des Lebens. So sind - wie der Titel selbst verdeutlicht - auf 'Violence & Birdsong' sowohl viele Dichotomien als auch große Gefühle vertreten. Am deutlichsten wird das wohl bei dem Kurzfilm 'The Cut Up Suite' des schottischen Regisseurs Joseph Briffa. Unterlegt von drei Union Of Knives Songs entwickelt sich aus einem heftigen Beziehungsstreit eine traumhafte Sequenz zwischen Wunschvorstellung und Verbrechen.
 
 
 
Vom Ende zum Anfang
  Auch bei all dieser Düsterkeit und der Melancholie, die in den Songs von Unioin Of Knives stecken, überwiegen doch die schönen, poppigen und hoffnungsvollen Momente. Das liegt nicht zuletzt an Chris, Craig und Dave, die nur ihre Musik und nicht sich selbst sehr wichtig nehmen. Sonst hätte wohl Chris Gordon nicht beim Interview in jeder Antwort mindestens einmal lauthals losgelacht.

Das bringt uns zurück zum Anfangspunkt, dass wir alle in einem einzigen Moment mehr als nur eine Emotion empfinden können. Welche Emotionen Union Of Knives bei euch hervorrufen, dass könnt ihr selbst ausprobieren. Einfach Zeit nehmen und reinhören.
 
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