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  Österreich | 8.3.2007 | 21:14   

 
 
Strategie Einmischen
  von Veronika Weidinger

"Ich bezeichne mich seit vielen Jahren als Feministin", meint Doris Bures heute im FM4 Interview. Die vormalige SPÖ Bundesgeschäftsführerin gilt als Quereinsteigerin, nicht in der Politik, aber in der Frauenpolitik.

Politisch engagiert sich die gelernte zahnärztliche Assistentin in den frühen 80er Jahren bei der Sozialistischen Jugend. Der damalige SJ-Vorsitzende Alfred Gusenbauer gilt als Bures' Mentor und nach zehn Jahren im Nationalrat ist er es, der sie 2000 in die SP-Bundesparteizentrale holt.

In der Nähe von Alfred Gusenbauer bleibt Doris Bures auch mit dem Frauenministerium, das im Kanzleramt angesiedelt ist. Nicht nur der Draht zum Chef ist gut, auch sonst erzählt Bures heute von konstruktiven Gesprächen mit Regierungsmitgliedern. Doris Bures will sich einmischen und frauenpolitische Maßnahmen durchsetzen - "beim guten Willen Aller". Beim guten Willen Aller? - ihr Standardsatz meint Bures, weil sie Frauenpolitik als Querschnittsmaterie sieht und mit den anderen Ressorts kooperieren will. Ein eigenes Budget hat das neue Frauenministerium übrigens nicht zur Verfügung.
 
 
 
Mädchen und Frauen fördern
  Die Einkommensschere, also der Unterschied zwischen Frauen- und Männer-Gehältern, die macht in Österreich heute 18% aus. Das will Doris Bures ändern und setzt bei den Ursachen an. Immer noch wählen Mädchen, weibliche Lehrlinge "typische" Frauenberufe und bewegen sich damit meist ein Leben lang in einem Metier mit geringem Einkommen. Mit einem Mehr an Förderprogrammen, mit mehr Anreizen will Bures junge Mädchen motivieren, andere Berufe als Friseuse oder Einzelhandelskauffrau zu lernen. Damit auch Betriebe verstärkt Mädchen in technischen Sparten ausbilden, sollen die wiederum dafür mehr Geld bekommen. Wann dürfen wir mit dieser Lehrplatzförderung für Mädchen, dieser Form des "Blum-Bonus" rechnen? Ab Herbst - "bei gutem Willen aller", wenn VP-Wirtschafts- und Arbeitsminister Martin Bartenstein sich an das von ihm unterschriebene Arbeitsübereinkommen hält, da steht diese Maßnahme nämlich drin.

Auch den geplanten, kollektivvertraglich garantierten Mindestlohn, nennt Bures als wichtige arbeitsmarktpolitische Maßnahme für Frauen - und die Sache mit dem Kindergeld gehört da auch dazu, schließlich haben viele Frauen nach einer Babypause es nicht so leicht, wieder in den Beruf einzusteigen.

Mit der Flexibilisierung des Kindergeldes ist da schon viel erreicht, meint Doris Boris, wenn es ab 2008 möglich ist, alternativ zur geltenden Regelung - 436 Euro für 30 bzw. 36 Monate - nur die halbe Zeit in Anspruch zu nehmen, dafür 800/Monat zu bekommen. Ein guter Ansatz, damit auch mehr Väter einen Teil der Kinderbetreuung übernehmen, ist sich Bures sicher. Diese Neuregelung konnte, wie die Anhebung der Zuverdienstgrenze in den zähen frauenpolitischen Verhandlungen mit der ÖVP durchgesetzt werden - und sind mal ein Schritt in die richtige Richtung.

 
 
Eine neue Ära der Frauenpolitik
  Diese neue Ära hat Doris Bures in einem Interview vor einigen Wochen angekündigt, was konkret meint sie damit? ".. Dass ich das Privileg habe, als Frauenpolitikerin an Etwas anzuknüpfen was in den Jahre davor geleistet wurde, von Pionierinnen, wie Johanna Dohnal [...] wir haben legistisch viel erreicht. Wir müssen heute, und das versteh ich unter neuer Ära - das auch mit Leben erfüllen, das muss auch zur Realität werden. Dass Frauen gleichberechtigt sind, dass Frauen auch unabhängig und selbstbestimmt leben können - und meine Aufgabe als Frauenpolitikerin sehe ich darin, die Rahmenbedingungen zu schaffen, dass Frauen so leben können, wie sie sich das erträumen."

Es gibt noch viel zu tun.

 Bild: APA
 
 
Das ganze Interview zum Nachhören
  Das Interview mit Doris Bures gibt es als Interview-Podcast. Um diesen FM4-Podcast-Feed kostenlos zu abonnieren, kopiere diesen Link in Deinen Podcatcher:



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