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  Österreich | 9.8.2007 | 12:53   

 
 
Groove-Monster, zwölfbeinig
  von Christian Kisler

Die Freudentränen benässten so manches Gesicht, die Mundwinkel wurden beiderseits in ungeahnte Höhen gezogen, bei so manchen machte sich gar handfeste Euphorie breit: "In Case We Die" war das Werk von acht jungen Australiern, die mit einigen Dutzend Instrumenten kleine Glücksgefühl-Häppchen in der Länge von zwei bis drei Minuten servierten.
 
 
 
 
 
  Zerfahrene Mini-Opern wechselten sich mit in ihrer Kreativität schier unglaublichen Popsong-Kleinoden ab, ließen Chöre erklingen, fuhren im wahrsten Sinne des Wortes mit Pauken und Trompeten auf - das ohne jemals die Grenze des Zuviel zu überschreiten. "In Case We Die" wurde schnell zu einem Lieblingsalbum des Jahres. Dabei war es damals, Ende 2005, nur über Import zu bekommen.

 
 
 
Wurzel aus 36 statt Wurzel aus 64
  Jetzt ist einiges anders. Architecture in Helsinki haben einen Europa-Vertrieb, personell ist die Wurzel aus 64 zur Wurzel aus 36 geschrumpft, und eine neue Platte gibt's auch. "Places Like This" heißt sie, und dieser Tage ist es ja nicht weiter schwierig, sich das neueste Album von wem auch immer zu Gemüte zu führen, bevor es überhaupt erschienen ist (das wäre in diesem Fall der 10. August). Was natürlich dazu führt, dass man nicht gerade unvoreingenommen den neuen Songs lauscht, die da geboten werden.
 
 
 
 
 
Das Kollektiv und der Einzelne
  Das Optische zuerst: Auf der Bühne im Radiokulturhaus bei der FM4 Radiosession am 8. August stehen neben einem herkömmlichen Drumkit allerlei Schlaginstrumente, Verstärker, Gitarren, Bässe und Synthesizer. Der verspielten Natur von Architecture in Helsinki folgend, hat eines der Bandmitglieder einen der Synthies leicht modifiziert: Aus Roland werde Finland. Willkommen in der Referenz-Hölle.
 
 
 
 
 
  Spätestens ab dem Zeitpunkt, an dem Architecture in Helsinki sich vollzählig eingefunden haben, wird eines überdeutlich: Der Einzelne ist nichts ohne das Kollektiv, das Kollektiv ist nichts ohne den Einzelnen. Nett auch, dass Songschreiber Cameron Bird den ersten Titel quasi aus der zweiten Reihe singt. Was folgt, ist munterer Instrumente-Tausch aller sechs Beteiligten, ein dem Schnitzel gewidmeter Song sowie ein Cover ("Live It Up" von Mental as Anything - eine Band, die außerhalb Australiens und Neuseelands wohl eher niemand kennt).
 
 
 
 
 
Did I Fail to Impress You?
  Schön was fürs Auge also, die Kommunikationsbarriere ist auch durchbrochen, und wenn ein älteres Stück zum Besten gegeben wird: Glückseligkeit. Kommt aber nur vier Mal vor, "Neverevereverdid" ist dabei die erste und einzige Zugabe. Dazwischen und drumherum: Neues. Neues, das auf Tonträger schon überrascht, nicht immer im Positiven leider, was weniger dem Umstand geschuldet ist, dass über weite Strecken nahezu ausschließlich elektronisch generierte Klänge zu hören sind. Sondern vielmehr deshalb, weil die Songs fehlen.
 
 
 
 
 
Stillstand = Tod - aber nicht hier
  Und das ist live wieder eine ganz andere Sache: Da entwickeln die Tracks ein Eigenleben, werden Architecture in Helsinki zum zwölfbeinigen Groove-Monster. Plötzlich, ganz plötzlich versteht man, worum es dem Sextett um Cameron Bird heute geht: Nicht um das versponnene bis spinnerte Pop-Juwel. Sondern um die Rückkehr zum Groove - nicht minder versponnen bis spinnert.

Das ist alles begrüßenswert. Denn: Stillstand = Tod (na ja, zumindest künstlerischer - manchmal). Andererseits ist es natürlich schade, schließlich hat sich mir nichts dir nichts die Magie verabschiedet. Aber tanzen wird man ja auch mal dürfen.
 
 
 
 
 
  Alle Fotos: Pamela Rußmann
 
 
 
FM4 Radiosession zum Nachhören
  Die FM4 Radiosession mit Architecture in Helsinki wird am 13. August 2007 in der FM4 Homebase Parade (19-22 Uhr) ausgestrahlt, und wird dann für eine ganze Woche als Videostream auf fm4.ORF.at zu sehen sein.

Und wer bei der Radiosession nicht dabei sein konnte, der kann sich jetzt schon ein Ringerl im Kalender machen: Am 21. September 2007 werden Architecture in Helsinki im Wiener Flex zu sehen sein.
 
 
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