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  Österreich | 13.9.2007 | 10:12   

 
 
Paraflows=?
  von Alexandra Augustin

Die Ars Electronica ist vorbei, aber das heißt nicht, dass wir wieder ein langes Jahr darauf warten müssen, bis wir uns erneut an Netz- und digitaler Kunst in verdichteter Form ergötzen dürfen. Als Ars-Aftershow und Warm-Up für den steirischen herbst gibt es jetzt das 'Paraflows' Festival. Im letzten Jahr hat man davon kaum etwas mitbekommen, aber dieses 'Festival für Digitale Kunst und Kulturen' findet heuer schon zum zweiten Mal statt.

'Paraflows' möchte aber nicht bloß als Lückenbüßer fungieren, sondern sich zum jährlichen Fixpunkt im Kunstfestivalgeschehen etablieren.
 
 
 
Ein Rückblick auf das letzte Jahr: 'Netze hinter dem Netz'
  Zu den Strukturen und Machtverhältnissen, die sich hinter digitalen als auch sozialen Netzen verbergen, konnte Rena Tangens, die Mitorganisatorin der deutschen 'Big Brother Awards' und weibliches Gründungsmitglied des 'Chaos Computer Club' viel erzählen.

Vielversprechend war auch der Auftakt des Festivals in der Kunsthalle Wien im Rahmen des 'Equaleyes' VJ-Festivals. Dort haben 5VOLTCORE gezeigt, was passiert, wenn man einen laufenden Computer mit Stromschlägen traktiert, langsam mit dem Schraubenzieher seine Eingeweide herausmontiert und dann letzten Endes das arme Ding mit der Kettensäge bearbeitet. 'Digitale masochistische Praktiken' sozusagen und ungewöhnliche, verwirrende Visuals auf einer Großleinwand als Ergebnis. Allerdings musste man beim Zusehen aufpassen, um nicht über die im Raum gespannten Wollnetze des Electro-Techno Liveacts 'Fuxblut' zu stolpern.

 Wolle! Vernetzung mal anders.
 
 
Visuals der anderen Art von 5VOLTCORE - die gab's im letzten Jahr.
 
 
UN_SPACEs
  Das Thema des diesjährigen Festivals lautet 'UN_SPACE'. Bei einem 'UN_SPACE' handelt es sich aber nicht um einen unaufgeräumten Schreibtisch oder ein verwüstetes Zimmer, sondern um Räume, die physisch nicht erfahrbar sind. Genauer gesagt um unsichtbare, immaterielle oder theoretische Räume.

Räume, zu denen Menschen aus Gründen der Sicherheit keinen Zutritt haben, stellt uns der dänische Künstler Jacob Kirkegaard vor. Mittels der audiovisuellen Installation 'AION' bekommen wir einen Einblick in Räumlichkeiten innerhalb der verbotenen Zone in Tschernobyl. Seit dem Super-GAU vor über 20 Jahren ist das Gebiet 30 Kilometer rund um das ehemalige Kernkraftwerk wegen der Reststrahlung gesperrt und menschenleer. Jacob Kirkegaard macht in seiner Arbeit die verwahrlosten Räume akustisch und visuell erfahrbar.

Diese Arbeit und weitere 24 Positionen erwarten einen passenderweise im düsterem 'Un-Space' im Flakturm Arenbergpark in Wien.
 
 
 
Ein Swimming Pool in Tschernobyl - seit 20 Jahren ist hier keiner mehr baden gegangen. Jacob Kirkegaard lässt in einem 10-minütigen Standbild die unsichtbaren Gefahren erahnen.
 
 
  Auch der Raum, in den uns der Wiener Künstler und digitale Aktionist Hans Bernhard - eine Hälfte der Online-Bücherklau-Google-will-eat itself-Künstlergruppe 'übermorgen.com' - entführt, ist ein besonderer:

Der Künstler erkrankte 2002 an einer psychischen Krankheit, wurde daraufhin im Wiener AKH behandelt und hat seinen Aufenthalt dort mitgefilmt. Das dabei entstandene Material gibt's ungeschnitten in der Arbeit 'PsychOS, Digital Cocain-Children of the 1980s' zu sehen.
 
 
 
Eine ungeschnittene, unbearbeitete Stunde Psychose von 'übermorgen.com'
 
 
Gäste und Meer
  Zum Thema 'Paranoide Maschinen' gibt es einen Vortrag von Jason Brown. Der "hat eine Radiosendung, die manchmal für einen spätabendlichen Staubsauger
gehalten wird. Er spielt live Ambientmusik als Soundtrack für Haarschnitte bei einer Veranstaltung namens 'Ambient Haircut'. Er hostet einen Karaoke/Raubkopierer-
Event namens 'Swap Meet'. Manchmal legt er bei Bingoveranstaltungen auf. (...) Er hat Religion und Kunst an der University of California studiert und abgeschlossen, seinen MFA in Critical Studies and Integrated Media hat er an der CalArts gemacht. Er hat jetzt alle seine Studien zusammengefasst und bringt sie allesamt mit dem Film 'Tron' in Verbindung. Er ist der Meinung, dass er damit das Beste aus seiner Ausbildung macht."

(Metalab)

Das Puzzle an künstlerischen Arbeiten wird auch durch das Symposion 'Grenzflächen des Meeres' ergänzt. Eine Auseinandersetzung mit dem Meer als Medium zur Datenübertragung - zum Beispiel bei der Sonartechnik - oder auch dessen wirtschaftliche Nutzung sind die Themen der Vorträge und Abstracts.

Am Ende des Festivals gibt es noch eine Abschlussveranstaltung im 'UN_SPACE' Steinbruch Lindabrunn, der mit einer sportlichen Kletterperformance erforscht und mit audio-visuellen Performances der 'Sound:Frame' Veranstalterinnen von [ei(s)kon:fekt] bespielt werden wird.

Das Interview mit den Veranstaltern von 'Paraflows', Günther Friesinger und Judith Fegerl gibt es am 13. September in der FM4 Homebase (19-22 Uhr) zu hören.
 
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  Von 13. bis 23. September 2007

paraflows.at
Festival für Digitale Kunst und Kulturen
   
 
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