Da quiekt Homer Simpson im "The Simpsons"-Film vor Begeisterung über sein Hausschweinderl, wie das Viecherl die Zimmerdecke entlang läuft. Doch was das Simpson'sche Spiderschwein auf der Kino-Leinwand kann, kann Spiderhorse schon lange: Spuren hinterlassen an Orten, die Haushunden oder einzig Geckos vorbehalten sind.
Weiße Hufabdrücke verlaufen quer über die Hauptbrücke in Graz. Folgt man den gesprayten Spuren in Berlin, landet man schnell im Grünen: Hier läuft das Geisterpferd oft zu Parks hin. Wie zum Mauerpark. Vielleicht sind ja CocoRosie über diese Hufspuren gestolpert und haben deshalb ihr aktuelles Album "The Adventures of Ghosthorse and Stillborn" benannt.
Gespensterviecherl und "Hufonauten"
Denn das Berliner Provinz-Pony ist ausgerissen. In Graz nahm es kräftigen Anlauf und sprang von Brücke zu Brücke, landete mit allen vier Hufen am Schloßberg, hatte Durst und lief zum Trinkbrunnen. Überall weiße Hufspuren. In Kassel erklimmt das Geisterpferd die Stufen zur Kunsthalle Fridericianum, gerne trabt es an Reiterstatuen und Denkmälern vorbei.
Doch wer steckt hinter dem Gespensterpferd, das die Fortbewegungsmöglichkeiten von Spiderman zu beherrschen scheint?
Während Spiderschwein fett an der Decke und im Netz in Endlosschleife hängt, werden im Spiderhorse-Rennstall die Pferde gesattelt. "No hoof - no groove" wiehert ein loses Hufe-Sprüher-Kollektiv als Retourkutsche auf das cineastisch ausgeschlachtete Spiderschwein.
Eine Stadtutopie
"Horsing around", Quatsch machen" mit Schablonen bedeutet Spiderhorse für seine Anhänger einerseits. Doch ihre unsichtbaren Pferde bewegen sich stets in richtigen Gangarten. Kein Huf zuviel wird auf den Asphalt gesetzt. Da sind Pferdeliebhaber am Werken.
Die anonymen pferdevernarrten Mädchen und Cowboys im Geiste führen ihre Lieblinge am losen Zügel zurück in die Städte. Hufspuren schräg über Kreuzungen und in Fußgängerzonen zu hinterlassen ist eine Intervention im Stadtraum. Autowerbungen mit Pferdeköpfen zu versehen eine andere. Spring-Hindernisse an Straßengeländer zu bauen und so jene Stellen zu markieren, wo die Geländer immer nerven, weil man über die Straße will, noch eine weitere.
Eine Steckenpferd-Bewegung
"HorseArt" wird zum ersten Mal in Berlin im vergangenen Jahr gesichtet. In Mitte trabt das Geisterpferd über die Fassade eines besetzten Hauses, am Prenzlauer Berg läuft es hungrig geradewegs auf einen Würstelstand in der Schönhauser Allee zu (Pferdeleberkäse hatten die dort nie).
Entstanden ist die Stadtutopie der imaginären wilden Pferde im Vorfeld der Fußball-WM in Deutschland. Die Stadt im Ausnahmezustand - und der Auslöser dafür ein klassischer Jungensport: "Als Erwachsener kann man noch so fußballbegeistert sein, während die Leidenschaft, die viele Mädchen als Kleine gepflegt haben, verschwindet oder verschwinden muss", stellt Rosinante fest. "Dazu wollten wir eine Gegenbewegung starten."
Trab-trab von der Murinsel..
Am Sprung
Wer sich zur Herde der Geisterpferde gesellt, gibt sich wie Rosinante einen Pferdenamen. Hufspuren an öffentlichen Plätzen zu sprühen ist schließlich eine Form von Graffiti. Auch wenn Spiderhorse den helllichten Tag nicht scheut.
.. auf die Hauptbrücke. Spiderhorse does whatever a spiderhorse does in Graz,..
..über Berliner Boden an besetzten Häusern wie in der Tucholskystraße in Mitte..
..und schneller, als britische Überwachungskameras es einfangen können, am Trafalgar Square. Der Heritage Ward sah nur noch die Spuren, protokollierte, telefonierte und fotografierte.
Die Idee des Umherschweifens im Stadtraum hat das Geisterpferd von der Künstlergruppe "Internationale Situationisten" der 1950er und 60er Jahre aufgeschnappt. Die Franzosen plädierten für ein "dérive", ein Umherschweifen, bei dem Orte nicht aufgrund deren Funktion und Bedeutung aufgesucht werden, sondern aufgrund ihres Vermögens, bestimmte Stimmungen bei den Anwesenden hervorzurufen. Glück durch Hufe. Oder: Nanu, Beeeeaaauty! zum Beispiel. Oder es fällt einem wieder ein: "Ghosthorse was simply an animal friend they made on the farm."