Ein Haus ohne Zärtlichkeit, tauchende Frauen und ein iranischer Maskenball - darum geht es in den besten drei Texten von Wortlaut 07. Gratulation.
1. Platz: Annina Schmid
Die Schweizerin Annina Schmid hat die Jury mit ihrer titellosen Kurzgeschichte durchwegs überzeugt. "Dieses Haus ist ohne Zärtlichkeit" schreibt sie in dieser Familiensituation.
"Aber vielleicht stimmt es nur halb,", meint ein Jurymitglied, "denn es sind auch lichte Momente zu spüren. Zärtliche: 'die Nacht, die sich dem Haus um den Hals legt, ist lau.' Annina Schmid hält diese Ambivalenz gekonnt in der Schwebe." Und weiter in den Jurybegründungen:
"Der einzige Text, dem es gelingt, seine Figuren ganz beiläufig aus der Situation heraus komplex zu charaktersieren. Die Autorin hat ein ausgesprochen gutes Auge für Details, und versteht es, diese Details sprachlich und künstlerisch in eine überzeugende Form zu bringen.
Thematisch ist der Text eigenständig, abseits aller Klischees und voller verstandenem Leben. Ein wirklich hervorragender Text."
2. Platz: Margot Fink
"Der Klang des Wassers" beschreibt tauchende Frauen auf der südkoreanischen Insel Jeju-do und sie handelt von Verlust und dem Verarbeiten des Verlusts.
"So etwas will ich lesen," heißt es aus der Jury knapp. Und ausführlicher:
"Der Text ist aus einem Guss, sprachlich sehr ökonomisch gemacht, mit großer Gelassenheit, wodurch man als Leser nie das Gefühl hat, hier schreibt jemand über etwas, von dem er in Wahrheit nichts versteht. Der Autorin gelingt es, eine sehr dichte Atmosphäre aufzubauen, man ist als Leser ganz in der Welt des Textes. Sehr positiv auch, dass diese Erzählung im Gegensatz zu vielen anderen nicht vorgibt, mehr zu wollen, als sie zu leisten vermag."
3. Platz: Murat Aschabadi
In "Die Nacht der Nasen" geht es um einen iranischen Maskenball mit vielen Verwirrungen.
Eine "traumhaft-schwirrende Geschichte, in die man sich an der Seite des Ich-Erzählers, eines Theaterautors, gerne verstrickt. Die Atmosphäre ist farbenfroh, dicht und geheimnisvoll gezeichnet - die politische Dimension wird nicht ausgespart. Einige Seiten des Theaterstückes, an dem der Erzähler gearbeitet hat, fehlen am Schluss, Geheimnisse bleiben zurück - wie Traumfragmente, die in den Tag hineinreichen und sich nicht selbst erklären."
Der Jury bleiben aber auch Fragen offen:
"Ein literarisch hervorragend gemachter Text, bei dem sich mir allerdings der Zusammenhang mit dem Ausschreibungsthema nicht erschlossen hat. Aber fraglos ein kräftiges Stück Literatur, dynamisch, mit sehr viel Druck in den Sätzen und mit eigenständigen Bildern. Beim Lesen dieses Textes hat man nie das Gefühl, hier ist jemandem durch Zufall etwas geglückt. Hier weiß jemand sehr genau, wie er seine sprachlichen und künstlerischen Mittel einsetzt."
Die Preise
1. Platz: 1000 Euro
2. Platz: 750 Euro
3. Platz: 500 Euro
Die ersten drei Gewinner erhalten außerdem je eine KasinoClub-Karte für ein Jahr lang Theater, Musik und Literatur im Kasino am Schwarzenbergplatz in Wien.
4. bis 10. Platz: Büchergutscheine im Wert von je 100 Euro, zur Verfügung gestellt von Thalia
Die Gewinnerinnen und Gewinner von Wortlaut 07 werden am Samstag, 29. September ab 20 Uhr gefeiert - im Kasino am Schwarzenbergplatz (Am Schwarzenbergplatz 1, 1030 Wien).
Dort gibt es auch erstmals das Wortlautbuch und das Wortlaut-Hörbuch, die Siegertexte gelesen von beliebten FM4-Stimmen.