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  Österreich | 4.10.2007 | 19:15   

 
 
Arigonas FreundInnen
  von Claus Pirschner

Arigona Zogaj lebt mit ihren Eltern und vier Geschwistern seit fünf Jahren in Österreich. Die Familie stammt aus dem Kosovo. Fünf Jahre hat es gedauert, bis die Familie über drei Instanzen die Ablehnung für ihren Asylantrag bekommen hat. Sie ist nach Österreich gekommen als der Kosovokrieg schon zu Ende war - daher wurde der Asylantrag abgelehnt.
 
 
 
Umstrittene Abschiebepraxis
  Hätten die Zogajs etwa in der Schweiz einen Asylantrag erstellt, wäre der möglicherweise auch abgelehnt worden, doch dort klassifizieren die Behörden den Kosovo als zu unsicher für Abschiebungen. Vater Dzevat Zogaj und die Kinder Albona (8), Albin (9), Alfred (16) und Alban (18) wurden letzte Woche von der Polizei in der Wohnung abgeholt, abgeführt und sind mittlerweile in den Kosovo deportiert worden. Die zwei jüngsten Geschwister können kaum albanisch, Albona kann daher dort nicht in die Schule gehen. Die 15-jährige Arigona ist in Österreich untergetaucht, damit sie nicht abgeschoben wird. Sie hat mit Selbstmord gedroht.

Die Nachbarn und viele andere BewohnerInnen aus Frankenburg wollen die Familie Zogaj zurück. Die Situation von Arigona und ihrer Familie hat zu einer breiten öffentlichen Debatte über das Fremdenrecht und seinen Vollzug in Österreich geführt und Arigona wurde in den letzten Tagen zur Identifikationsfigur für die Forderung nach einem Bleiberecht. Wenn der Staat viele Jahre braucht, um eine endgültige Entscheidung zu treffen, ob jemandem Asyl gewährt werden soll oder nicht, würde bei einem vorhandenen Bleiberecht die Person nach einer bestimmten Zeit ein Aufenthaltsrecht bekommen, wenn sie gut integriert ist. Etwa bestimmte Deutschkenntnisse, soziale und familiäre Bindungen oder ein Job. In den letzten Tagen gab es diesbzüglich einen zunehmenden öffentlichen Druck auf die österreichische Regierung, sie lehnt ein Bleiberecht aber nach wie vor ab. Ein Bleiberecht würde übrigens ohnehin nichts am heftig kritisierten Fremdenrecht an sich ändern.

 Transparent in Frankenburg
 
 
Symbolfigur
  Arigona ist Symbol für viele AsylwerberInnen in Österreich, die in ähnlich bedrohlichen Situationen stecken. Im Sommer hätte die 17-jährige Wienerin Ana - obwohl sie seit 14 Jahren hier lebt - nach Kroatien abgeschoben werden sollen. Vater und Tochter Shariffi aus Leoben - ursprünglich aus dem Iran - dürfen nun doch bleiben. Die aus Moldawien stammende Schülerin Relly hätte mit ihrer Mutter im April 2006 außer Landes gebracht werden sollen. Ihre SchulkollegInnen sind ins Innenministerium gepilgert und haben mit Erfolg gefordert, dass die Moldawierinnen bleiben dürfen.

Binationale Paare demonstrieren nach wie vor wöchentlich vor dem Innenministerium, weil sie seit der Fremdenrechtsreform von Abschiebung bedroht sind bzw. ausländische Partner schon vom Staat außer Landes geschafft wurden. Immer öfter solidarisieren sich Teile der österreichischen Bevölkerung mit abschiebungsgefährdeten Nachbarn.
 
 
 
FM4 Jugendzimmer live aus Frankenburg
  NGOs schätzen, dass sich rund 1.500 Menschen in Österreich in einer ähnlichen Situation befinden wie Arigona. Im FM4 Jugendzimmer haben in der Vergangenheit etwa eine Mitschülerin von Relly, Angela Magenheimer von der Initiative Ehe-ohne-Grenzen, oder Ara, ein 16-jähriger Asylwerber, über ihre Erfahrungen mit der geltenden Fremdenrechtspraxis erzählt.

Am Freitag sendet das Jugendzimmer live aus Frankenburg, der Ort, wo Arigona und ihre Familie bis vor wenigen Tagen gewohnt haben. Zu Gast sind FreundInnen der untergetauchten Arigona.

Wie erfahren die Teenager die letzten Tage, seitdem ihre Freundin verschwunden ist und ein Teil ihrer Familie abgeschoben wurde? Wie reagieren sie darauf? Wie erleben sie ihre Ortschaft, in der es seit einer Woche ständig Krisentreffen der BewohnerInnen gibt, die gegen die Abschiebung ihrer Nachbarn kämpfen? Und was sagen FM4 HörerInnen zur aktuellen Kontroverse?
 
fm4 links
  FM4 Jugendzimmer
Freitag von 19:00 bis 20:15
   
 
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