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  Österreich | 7.11.2007 | 16:48   

 
 
Last Plak - Street Art aus Rotterdam
  von Phekt

Last Plak ist ein holländischer Begriff, der übersetzt für "lästiger Sticker", "der letzte Aufkleber" oder "lästiges Pack" stehen kann.

Eine treffende Formulierung für eine Crew, die seit Jahren Poster, Sticker, Schablonen und Graffitis in Rotterdam anbringt. Die holländische Hafenstadt war in den 90er Jahren Hochburg für Street Artists und Sprayer. Tausende handbemalte Sticker, Poster und Schriftzüge machten die Stadt zu einer riesengroßen, öffentlichen Galerie.

Zu den fleißigsten und kreativsten Künstlern zählte die "Last Plak"-Crew: Bekannte Werbesujets und Logos wurden durch kleine Manipulationen umdesignt und in ihrem Zweck entfremdet. Aus dem Logo einer bekannten Rucksackfirma wurde zum Beispiel ein "Lastplak - Resist to build"-Sticker.
 
 
 
Mitten im Stadtzentrum von Rotterdam malen die Künstler von "Last Plak" ihre Bilder. Der Stromkasten vor dem Gebäude wurde ins Bild integriert und zu einem Ghetto-Blaster umdesignt.
 
 
Die Zeiten haben sich geändert
  Nachdem in Rotterdam seit ein paar Jahren eine eher rechtslastige, konservative Stadtregierung an der Macht ist, haben sich die Bedingungen für Sprayer gravierend verändert. Die Strafen wurden verschärft und die Stadt in einer umfangreichen Aktion "gereinigt". Alle Graffitis, Schablonen, Poster und Sticker der letzten zehn Jahre wurden entfernt. Ein Schock für die lokale Szene.

Das Stadtzentrum, stark frequentierte Straßen und Fußgängerzonen werden mittlerweile, ähnlich wie in London, flächendeckend mit Videokameras überwacht. Eigens angestellte Putzkolonnen durchqueren regelmäßig die Stadt, um "Verschmutzungen" zu beseitigen.
 
 
 
Ein legal bemalter Truck, der seit einigen Monaten durch Holland fährt.
 
 
Ein neuer Wind weht durch die Stadt
  In der ersten Zeit nach Einführung der neuen Anti-Graffiti-Gesetze waren viele Street-Art-Künstler demotiviert: Handbemalte Sticker und Poster, die mit viel Liebe zum Detail hergestellt wurden, hielten den Hochdruckreinigern der Stadt nicht stand und waren oft nach wenigen Stunden wieder weg.

Neue Konzepte und Ideen mussten her: Das "Last Plak"-Kollektiv begann, Rollläden und Seitenwände von kleinen Läden im Stadtzentrum zu bemalen, immer mit der Genehmigung der Besitzer. Offiziell wurden die Fassaden neu gestaltet, die Crew trat selbstbewusst wie eine Firma auf. Vorbeikommende Polizei-Patrouillen wurden informiert und aufgeklärt, dass das alles legal sei.

Wenn die Jungs dann am nächsten Tag in der selben Straße eine andere (nicht legale) Wand bemalten, dachte sich niemand etwas dabei.
Wer dieser Tage durch die Stadt am Maasfluß schlendert, begegnet unzähligen "Last Plak"-Produktionen.
 
 
 
Trotz Überwachungskameras (die schwarze Halbkugel im linken Drittel des Bildes), malt die Last Plak-Crew ihre Bilder an prominenten Stellen. In diesem Fall eine alte Kirche, die vor wenigen Tagen abgerissen wurde.
 
 
Bullshit Propaganda
  Eine ihrer größten Aktionen war die so genannte "Bullshit Propaganda": 400 Werbetafeln wurden "entführt", im Kollektiv umgestaltet, in ihrer Aussage verändert und kurz vor dem weihnachtlichen Einkaufsrummel, wieder aufgehängt.

Es dauerte Wochen, bis die Verantwortlichen draufgekommen sind, dass die Werbungen verändert wurden. In der Zwischenzeit hatten begeisterte Passanten einen Großteil der Plakate mit nach Hause genommen und in ihren Wohnungen aufgehängt.
 
 
 
Sticker, Marker, Sprühkleber: Ein paar der Werkzeuge, mit denen "Last Plak" gerne arbeitet.
 
 
Ausstellung in Wien
  Diesen Freitag stellt die Wiener Street-Art-Galerie Inoperable (Lindengasse 4, 1070 Wien) Werke der Rotterdammer Künstler aus. Die neunköpfige Crew ist bereits seit einer Woche in der Stadt und bereitet sich auf die Vernissage vor.
 
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  Last Plak

Galerie Inoperable
   
 
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