Spätestens wenn man sich als Band mit Live-Auftritten Gehör verschafft und ein Publikum erspielt hat, muss ein Tonträger her. Plattenverträge sind beinahe Old School, die Ansprüche nicht heruntergeschraubt, eingesteckt werden die Verstärker simpel lokaler. Gleich Schallwellen kann man sich in alle Richtungen ausbreiten, wenn ein Charteinstieg nicht auf oberster Stelle der Band-internen To Do-Liste rangiert. Mit den Füßen stehen Grazer Bands fest auf dem Boden, direkt neben den Pedalen.
Das beflügelte Wort Szene trifft selten Übereinstimmung mit den Protagonisten, die Stillstand verhindern. In Graz hat sich das Lendviertel vom mit Verlaub schummrigen Rotlichtviertel zum lebendigen Ausgeh-, Wohn- und Arbeitsplatz gemausert. Bekanntschaften entstehen, eine Band begegnet der anderen und dann teilt man sich das Label. Christian Sundl und Mario Rampitsch sind um gute Ideen nie verlegen, neuester Coup ist das "Wilhelm show me the Major Label"-Label.
Die erste Veröffentlichung wird ein Sampler sein - ein Mixtape. Denn das kleine "Wilhelm show me the Major Label"-Label vertreibt die Musik seiner Bands über Kassetten. Veröffentlichungstermin ist der 16. Mai: Rechtzeitig für die erste Block Party im Bezirk Lend ging die erste Ausgabe in Produktion. Beim Lendwirbel-Straßenfest werden fünfzig Stück Kassetten mit dem hübsch gezeichneten Cover erhältlich sein.
Press Record
"Kassetten sind ein klassisches und zugleich ein totes Medium", sagt Mario Rampitsch, der zusammen mit Christian Sundl dieses neue Sub-Label von KIM betreibt. Beide sind selbst in Bands, Rampitsch ist mit Alfred Schwarzbauer das Elektro-Trash-Clash-Duo Le Tam Tam und Sundl Schlagzeuger bei Lady Lynch.
Die Idee des Kassettenlabels entstand aus pragmatischen Gründen: Eine Präsentationsmöglichkeit für Bands aus
dem Grätzel aus Graz und aus dem Weizer Umland war nach mehr als einem Dutzend von Liveauftritten eine logische Konsequenz. Lady Lynch verkauften ihre zwei mit Liebe zum Detail gestalteten EPs als Cds in Hüllen, die auf Plattensingles schließen ließen. Mit dem Kassettenformat greift das
Wilhelm show me the Major Label-Label auf das führende Medium der Kindheitstage zurück und ist zugleich in der digitalen Gegenwart verankert.
Die Block Party im Lend
Ein Bilderrätsel: Welche Band illustriert dieses T-Shirt?*
Christian Sundl aka Turbo, Schlagzeuger von Lady Lynch, Mixtape-Spezialist und Alter Ego von Wilhelm und Kassettenlabel-Betreiber. Und zeichnen kann er auch, wie man sieht.
William it was really nothing
Für das Haptische und Optische gibt es die Kassette (das Stück 6 Euro), für den Gebrauch die MP3s, die man sich mit dem Code, der auf jeder Kassette angebracht ist, aus dem Internet herunterladen kann. Die Kassette selbst ist kein Fake, sondern kann im Auto, im tragbaren Kassettenspieler oder in der alten Stereoanlage rotieren. Und da bekommt der Albumcharakter, den digitale Formate mit links überholt haben, wieder Sinn und wirkt.
Jede Seite spielt 26 Minuten lang Musik - mit dabei sind auf dem ersten Tape:
A
Upperclass Shoplifters
LE TAMTAM
Danny de Vino
Fäidaboll
Goldsoundz
Black Aid
...you gave it a Waste
Japanther (live)
Lady Lynch
Und umdrehen kann man natürlich auch.
Upperclass Shoplifters
Eine feine B-Seite
Die Titel werden noch nicht verraten, doch der Großteil der Songs ist exklusiv auf der Kassette.
B
Sexy Underground Band
Black Fox Dance
Keyboardrapauke
Pboyul
You are safe now
Killed by 9V Batteries.
Letztere sind live nächste Woche beim Lendwirbel zu sehen wie ihre Kassettelabel-Musikerkollegen von Danny de Vino und Black Fox Dance. Auf der Bühne nahe Lendplatz werden sich darüber hinaus Sir Tralala, Go Die Big City, die Bumm Bumm Boys und der Keyboardrapauke - nomen est omen - ein Stelldichein geben. Am 18. Mai gibt es noch ein abschließendes Frühschoppen mit Goldsoundz, Max Min und HC Roth. Und mehr zur ersten Block Party im Lend - wenn nicht der überhaupt ersten in Graz - demnächst hier.