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  Österreich | 26.1.2008 | 08:17   

 
 
Protestsongcontest '08: Das Vorfinale
  von Johanna Jaufer

Zum insgesamt fünften Mal startet der Protestsongcontest dieser Tage in sein Finale. Von Hundstrümmerln bis zu Homophobie gibt es auch heuer wieder - im Großen wie im Kleinen - einiges zu beklagen. Genau 231 Formationen haben ihrem Unmut Wort und Ton verliehen, die vorerst besten zehn sind gestern Abend im Wiener "Haus der Begegnung" gekürt worden. In bekömmlichen Happen hat die Zuhörerschaft sich ein Bild von den heurigen Teilnehmern machen können. Die 25 Vorfinalisten sind abwechselnd live und per CD-Zuspielung in Erscheinung getreten - unter den gestrengen Augen der Jury.
 Der Master Of Ceremonies:
Mathias Zsutty
 
 
Ihnen entgeht nichts: Die "Old Boys And Girls" des Protestsongcontests Rainer Binder-Krieglstein, maronif, Manuel Normal, Mieze Medusa und Georg Freizeit bilden sich gewissenhaft ihr Urteil.
 
 
"Irgendwo in Frankreich lebt ein armer Mann (...), er schränkt das Recht der Gewerkschaft ein und fährt auf Urlaub in die Malediven!" - die Rede ist von ... Ja, genau, und auch Carla Bruni bekommt bei "WosIsig" ihr Fett ab.
 
 
  Es ließe sich gar kein durchgängiger Trend festmachen, so vielseitig zeigen sich die heurigen Vorfinalisten stilistisch. Mundart-Rap, Dub&Reggae-Sounds sowie die gute alte Gitarre waren fast gleichermaßen vertreten. Und auch der Grad an Bühnenerfahrung scheint für Erfolg im Protestsongcontest nicht ausschlaggebend: "Woolf And The Bad Sheep" etwa haben sich extra für den heurigen Bewerb formiert, wohingegen "Tanaka" bereits an ihrem zweiten Longplayer basteln. Thematisch wird es da zumindest ein bisschen einfacher: Rassismus, Fremdenhass und Machtmissbrauch werden durchwegs gerne in die Mangel genommen.

 Georg Freizeit bittet zum kollektiven Tanz..
 
 
Die "Anstaltskinda" (links) haben laut Eigenaussage u.a. die Ungleichbehandlung von Frauen im Visier - weniger konkret kommen da "ASDF" daher: Ihr Beitrag "Gegenbewegung" soll dazu ermuntern, die eigenen "Sinne an die Sonne" zu senden. Das groovt dann tatsächlich dermaßen, dass bald der ganze Saal die Hüften schwingt. Eine angenehme Ermunterung, den "eigenen Hintern hochzukriegen", wie Jurorin Mieze Medusa anschließend meint
 
 
Zugegebenerweise links schlecht auszumachen: Die opulente Faschingsdeko, die uns Zuhörende geisterbahnartig im Nacken zu kitzeln droht - dem Publikum hats gefallen.
 
 
"Los Antagonistas" haben es nicht ins Finale geschafft. Ihre kubanisch anmutende Performance "gegen österreichische Missstände, oder Leute, die gewisse Dinge als Missstände empfinden" hat dennoch mächtig Eindruck hinterlassen. Im Epizentrum ihrer Protesthymne "So a Skandal":
Das Hundstrümmerl(sackerl).
Für die Würdigung "dieses Wientourismusexportschlagers" kassiert die Band postwendend Lob.
 
 
"Rupert's Jazz Construction" fordert: "Lehn dich auf!" Das hat sich wohl auch ihr Namensgeber gedacht, und die Band frühzeitig verlassen. Er sei in die Politik gegangen, verraten die beiden Herren. Macht nichts, hat sich doch die Band "das Scheitern an sich" zum Ziel gesetzt. Derart Eingängiges wie "Rottet euch zusammen, Wohlstandsnehmer, bildet Banden, dann wern ses schon kapieren" hat die Jazz Construction dann aber beinhart ins Finale katapultiert.
 
 
  Zur Halbzeit dann noch ein außerordentlicher Punkt auf der Tagesordnung: Das mittlerweile immerhin halbe Jahrzehnt Protestsong-Zeitgeschichte gibt es jetzt zum Nachhören auf CD. Die Compilation erscheint dieser Tage. Damit auch bald im FM4 Shop erhältlich: 15 Gustostückerln der vergangenen Bewerbe, in friedlicher Koexistenz vereint auf CD. Vielleicht nächstes mal mit dabei: "Hinterland" mit ihrer Hommage an Georg Danzer. "Der Wessely" ins HipHop Format überführt hat Manuel Normal zur Instant-Euphorie beflügelt: "Eindeutig MEIN Protestsong!" verkündet er - dabei ist die Show noch gar nicht vorbei ...
 
 
 
"Pop:sch (con gas)" haben als Einzige an diesem Abend den Computer angeworfen: Die 80er lassen grüßen, die Thematik ist nach wie vor brandaktuell: Unmenschliche Schönheitsideale und Homophobie haben leider noch immer nicht ausgedient. "Look like a model everyday, lift your face and sing hurrah!" fordert die Band in "Body Workout" nicht ganz unironisch.
 
 
Diese Dame von der Formation "WO'xang" ist extra aus Innsbruck angereist, um ihren a capella-Track "Die Sündenkuh" zu supporten. Auf ihrer Protestshortlist ganz weit oben zu finden: der Klimawandel.
 
 
In ihrem Beitrag "Oaschloch" geht es um Politiker. Die Band "Wiener Blut" hat einen Haufen Wut in ihren Metal-Schlachtruf gepackt. "Alkbottle gibt's nicht mehr, da haben wir uns gedacht - probieren wir's mal!" klären die drei die Formierungsfrage.
 
 
Praktisch: Auf der großen Videoleinwand neben der Bühne kann man mitlesen. Gerade am Tapet: Die Finalisten "Vokale Küche". Mit ihrem Protest haben sie es schon ins Vorprogramm von Blumentopf geschafft.
 
 
Schließlich zieht sich die Jury zur Beratung zurück. Was die sechs ausgeheckt haben, stößt eine gute halbe Stunde später auch großteils auf Zustimmung. Die Finalisten mögen nun die Bühne für die letzten Pressefotos betreten, bevor sie dann "unglaubliche Verträge unterschreiben und ihre Seele verkaufen müssen", verkündet der Conferencier. Gesagt, getan. Ein friedlicher Tumult stolpert auf die Bühne und posiert eifrig.
 
 
Das sind sie,
  die Finalisten:

Bluesbrauser
ASDF
Anstaltskinda
Rupert's Jazz Construction
SELTSAMsupreme
Pop:sch (con gas)
Hinterland
WO'xang
Bounty Chiller & Skarlatan
Vokale Küche

Am 12. Februar wird dann im Rabenhof Theater der Protestsong 2008 gekürt - FM4 überträgt die Veranstaltung live.

FM4 Connected (13-17 Uhr) bietet heute eine Rückschau auf das Vorfinale zum Protestsongcontest. Und am Sonntag nimmt sich noch einmal der Soundpark (1-6 Uhr) der Finalisten an.
 
fm4 links
  www.protestsongcontest.at

Der Protestsongcontest auf fm4.ORF.at
   
 
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