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  Österreich | 27.2.2008 | 12:46   

 
 
Don't you know how music dies?
  Von Alexandra Augustin

Vor knapp zwei Jahren hat Dino Spiluttini das Label 'Beatismurder' Records gegründet. Das ist seitdem ganz schön gewachsen. Grund genug es sich einmal genauer anzusehen:
 
 
 
  2005 und 2006 waren gute Jahre für die Indie-Label Szene in Österreich. Mehr als eine Hand voll Labels wurden gegründet. Fettkakao, Siluh-, seayou- und ein weiteres namens Beatismurder Records waren dabei. Einige hatten das "Sudern über fehlende Möglichkeiten und die ewigen Behauptungen, andersowo wie in Hamburg oder Berlin wäre alles besser" - wie es Bernhard Kern und Robert Stadlober von 'Siluh Records' vor etwa zwei Jahren in einem FM4-Interview bei Kollegin O. einmal gesagt haben - satt. Sie gründeten eben eigene Labels. Und was wäre ohne die? Dann wären wir um ein paar großartige Veröffentlichungen von Paper Bird, Go Die Big City!, A Thousend Fuegos, A Life A Song A Cigarette, den Batts und vielen anderen MusikerInnen ärmer. Gab es davor überhaupt ein musikalisches Leben in Österreich? Ja, vielleicht. Aber ich mag mich trotzdem nicht mehr an die Zeit davor erinnern.

 
 
Die Idee.
  Das Label, das bisher wohl die geringste Aufmerksamkeit von allen erlangt hat, ist Beatismurder Records. Ein Label, das vom 26-Jährigen Wiener Dino Spiluttini gegründet worden ist. Der anfangs geringe Bekanntheitsgrad mag mitunter daran liegen, dass er das Label ursprünglich aus einem sehr eigennützigen Grund ins Leben gerufen hat: Nämlich um die Musik seines Musikprojekts Liger einem breitem Publikum zugänglich zu machen. Gestartet hat er deshalb mit der einfachen und kostengünstigen Idee eines Internetlabels - noch vor dem Myspaceboom hierzulande. Legaler gratis-MP3 Download, kein großer Schnick-Schnack, nur eigenes musikalisches Material. Trotzdem bekam er Demotapes von anderen Bands zugesandt und entwickelte dann doch einen regelrechten Hunger darauf, auch fremde Musik die er gut fand zum Download anzubieten.

"Der Faktor Geld ist natürlich immer was Blödes - und wenn man wie ich keines hat, ist die Idee ein Netlabels zu gründen natürlich wunderbar. Das Problem ist, dass ein Gratis-Produkt, das nicht einmal physisch da ist nie die Aufmerksamkeit und das Wertgefühl hervorrufen kann wie echte Tonträger."

Ein "normales Label" musste also her.

 Liger - links Gernot Scheithauer, rechts Labelbetreiber Dino Spiluttini
 
 
D.I.Y. versus Professionalität?
  "Es ist mir sehr wichtig den Mittelweg zu finden: Auf der einen Seite soll alles D.I.Y., Indie und selbstgemacht sein. Auf der anderen Seite soll man sich aber dann doch nicht unter Wert verkaufen und gut präsentieren um konkurrenzfähig zu sein - Ohne dass es um Konkurrenz gehen soll".

D.I.Y. und professionelles Arbeiten müssen sich also nicht widersprechen. Das heißt bei Beatismurder konkret, dass unabhängig vom Budget zum Beispiel der Vertrieb stimmt (Trost, Hausmusik, Cdbaby, iTunes, Tonevendor ... - das kann sich sehen und hören lassen), das Artwork individuell ist und Webpräsenz und Webvertrieb funktionieren (Ein Blick auf die Website lohnt sich). Neben MP3s und CDs gibt es auch immer wieder teures Vinyl und außerdem steht hinter Beatismurder ein stabiles Netzwerk an Freunden, befreundeten Musikern und Künstlern. Um das Label in dieser professionellen Form am Leben zu erhalten, wird dann eben das Ersparte und die gesamte Freizeit geopfert, Geld von der Mama ausgeborgt und sogar das Studium geschmissen. Beatismurder Records hat sich für Dino Spiluttini vom netten Hobby-Side Project zum Full-Time Job entwickelt.
 
 
 
Das Herz: Es sieht vielleicht nicht danach aus, aber hier wird gearbeitet! Das ist das Büro von Beatismurder Records.
 
 
  Die Musik, die auf Beatismurder Records erscheint, lässt sich nicht so leicht in einem Topf werfen. Experimentelle Elektronik findet sich dort genauso wie Lo-Fi Punk. Die neueste Veröffentlichung stammt vom 'Action-Folk Kollektiv' Dust Dovered Carpet, "die so klingen als würden Bright Eyes mit Go Die Big City! zusammenspielen". Dust Covered Carpet sind eine der wenigen heimischen Bands auf Beatismurder-Records. Während Labels wie Fettkakao und seayou eher um die Vernetzung heimischer Musikanten bemüht sind, legt Beatismurder das Hauptgewicht darauf, interessante internationale Acts in Österreich bekannt zu machen.

 Passen 5000 CDs in ein WG Zimmer/ Büro? Kein Problem...
 
 
Die Bands:
  Zum Beispiel das australische (!) Musikprojekt von Chris Hearn aka Alps Of New South Wales: Kennengelernt haben sich der Labelbetreiber/ Musiker und der andere Musiker bei einem gemeinsamen Auftritt im Wiener EKH. Ein netter, unterhaltsamer Abend folgte. Kurzerhand nahm Chris Hearn - wieder Zuhause - ein Album mit Hilfe eines Karaoke-Kasettenrecorders auf. Voll mit Songs über Dinosaurier, die Evolution und das Universum. Einmal über den Globus geschickt und abgemischt; Fertig ist das Album.

 Alps Of New South Wales - 'Alps Of New South Wales'
 
 
Das ist ein Teil von Br'er. Die machen zwar keine Lieder über Dinosaurier wie Chris Hearn, reiten aber gerne auf ihnen.
 
 
noch mehr Bands:
  Br'er aus Philadelphia hat Dino Spiluttini über das Internet - Stichwort 'Myspace' - entdeckt. Das Duo, das mittlerweile zum Bandkollektiv mutiert ist, erzeugt schrägen Pop der laut Eigendefinition so klingt, als ob
Throbbing Gristle gemeinsam mit den Einstürzenden Neubauten den Soundtrack zu 'Edward mit den Scherenhänden' nachspielen würden. Auch nicht schlecht.

Auch A Thousend Fuegos hat auf Beatismurder veröffentlicht. Und zwar bevor er dem Label abtrünnig geworden und zu Fettkakao weitergezogen ist.

Das Highlight der Beatismurder-Veröffentlichungen ist aber wohl Jamie Stewart von Xiu Xiu zuzuschreiben. Er hat vor einiger Zeit ein 12 Jahre altes Musiktape ausgegraben, das er noch vor der Zeit mit Xiu Xiu aufgenommen hat. Das wurde ungemastert einfach gleich auf Vinyl gepappt, die Auflage war begrenzt auf nur 500 Stück. Für Dino Spiluttini war die Produktion von 500 Schallplatten, die er aus seiner eigenen Tasche zahlte zwar ein finanzielles Disaster, die EP ist aber auf jeden Fall ein wahrer Schatz für Xiu Xiu Fans.

 Br'er - 'Of Shemales and Kissaboos''
 
 
  Der rote Faden, der sich durch alle Veröffenlichungen zieht - mögen sie stilistisch auch noch so unterschiedlich sein: Die Sounds müssen Dino Spiluttini musikalisch und auch von der Grundidee her überzeugt haben. Das heißt: Bitte keine Star-Allüren und kein Mainstream-Pop.

Du/ Ihr macht Musik mit vielen Instrumenten jenseits vom 08/15 Bandgefüge, Gitarre, Bass und dem üblichen Klim Bim? Her damit!
Ihm ein Demo zu schicken kann sich lohnen.
 
 
 
What's Next?
  Frisches Material von Beatismurder gibt es am 28. Februar in der 'Kreuzberg Theaterbar' in Wien. Dust Covered Carpet feiern ihr Debut "Rerededust The Doubts I Trust". Die Band, die eigentlich selber nicht so recht weiß aus wievielen Mitgliedern sie wirklich besteht (12? 14? 20?), wartet bei der Releaseparty mit einem richtigen Chor und ähm - Sylvesterknalleffekten auf, die "man gerade noch so in einem geschlossenen Raum machen darf".

Das Debut von Liger erscheint voraussichtlich im April. Zu dessen Fertigstellung ist Dino Spiluttini - obwohl er doch das Label extra gegründet hat um seine eigene Musik besser zu promoten - noch immer nicht gekommen.

 Dust Covered Carpet - 'Rerededust The Doubts I Trust'
 
 
  Ein Portrait über Beatismurder gibt es heute in der Homebase zwischen 19-22 Uhr zu hören.
 
fm4 links
  www.beatismurder.com
   
 
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