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  Österreich | 24.4.2008 | 18:53   

 
 
Kunst auf Rädern
  von Maria Motter

Aliengrün leuchtet das kleine Häuschen auf Rädern abends mitten in Graz. Lustig sieht das golden-lila Wohnmobil auf dem Karmeliterplatz aus. Zwei Klappstühle und ein Tischchen sind daneben platziert, die Türe steht offen und eine junge Frau lädt zur "Vernissage".
Dreizehn Wochen lang zieht die mobile Galerie Abbey durch die Stadt und verwandelt öffentliche Plätze in einen Campingplatz für junge Kunst. Die Ausstellungen im Inneren des Wohnmobils wechseln wöchentlich, die Plätze ebenso.

Das Konzept ist so simpel wie nachahmenswert: Arian Andiel und Konrad Zirm wollen jungen Künstlern die Möglichkeit geben, sich zu präsentieren. Und zwar nicht in Hinterhöfen, sondern auf Plätzen, an denen viele in ihrem Alltag nicht vorbeikommen. Weil es nicht leicht ist, Galerien zu überzeugen und eine Ausstellung auf die Beine zu stellen, wie Arian Andiel sagt, kam Abbey ins Rollen.
 
 
 
Sieht nach Urlaub am See aus, ist junge Kunst in der mobilen Galerie Abbey. Diese Woche am Karmeliterplatz in Graz.
 
 
Stadt. Land. Stadt.
  In jeder Ecke hängt ein Lautsprecher, es gibt Licht und Strom, um den Raum möglichst vielseitig einsetzen zu können. Ob Klanginstallation oder Fotoarbeiten - Abbey ist gerüstet. Klar, viel Platz ist nicht in so einem Wohnmobil, doch zwei Besucher zugleich haben einen freien Blick auf die Wände: Rundum bis knapp unter das Dach kleben Fotos.

Diese Woche sind Fotoarbeiten von Marianne Eberl zu sehen: Den Blick auf den Lebensraum Plattenbau gerichtet, stellt Eberl Wiens Simmering und Bratislavas Stadtteil Petrzalka nebeneinander. Hochhäuser, Grünflächen und als einziger Farbklecks das Werbeschild eines Supermarkts - die menschenleeren Bilder wirken fremdartig und verlassen. Nicht Stadt, nicht Land und auch nicht im Fluss.

Vergangene Woche gingen Carolina Frank und Lisa Bolyos aka Sabine&Lore an die Wäsche und luden zum "Gender-Shopping" ein. Rollenbilder hingen an einer Wäscheleine, "wie mach ich's mir heute?" fragten die Ausstellerinnen und hatten auch einen kleinen Shop mit selbst gefertigten Ansteckern und Taschen mit im Gepäck.


 Gender-Shopping mit Sabine&Lore.
 
 
Zur Förderung ungeahnter Potentiale
  Die Idee, das Wohnmobil als Ausstellungsraum zu adaptieren, kam Arian Andiel und Konrad Zirm letztes Jahr. Der Wohnwagenanhänger war den beiden FH-Studierenden von einem anderen Projekt geblieben. Gemeinsam mit Freunden bauten sie die integrierte Küche und Couch ab, beim Ausschlachten des 35 Jahre alten englischen Wohnmobils fanden sie ein kleines Schild: "Abbey Caravan".

Die "Abbey", wie Arian Andiel und Konrad Zirm ihre rollende Präsentationsplattform nennen, ist nun offiziell ein Wohnwagenanhänger mit Pickerl und Kennzeichen. Bespielt und betreut wird die kleine Galerie jeweils von den Ausstellenden und Freunden. Die Koordination liegt beim "Verein zur Förderung ungeahnter Potentiale in der Kunst". Was für ein Programm.

 Stadt-Land-Plattenbau von Marianne Eberl.
 
 
Stadt. Land. Staudamm.
  Ungeahnt und überraschend groß war die Nachfrage nach der Präsentationsmöglichkeit für die Abbey-Macher: Alle dreizehn Ausstellungswochen sind längst ausgebucht.

Bevor die mobile Galerie einen Ausflug auf den Schloßberg macht und Straßenkunst von marinaonearth + the anticool company aus der Wohnmobiltür purzelt, lenken Renate Woditschka, Nora Mayr und Nare Jalil den Blick auf Diyarbakir. Anschauen kann man Vorher-Bilder - denn die Zukunft der Region in der Osttürkei ist ungewiss. Die Gegend mit der gleichnamigen Stadt, die als die inoffizielle Hauptstadt der Kurden gilt, droht durch den geplanten Ilisu-Staudamm für immer durchzogen zu werden.

Die historische Stadt Hasankeyf in Felsen am Tigris gebaut ist die größte und bekannteste von über 200 archäologischen Fundstätten, die durch den Staudamm vernichtet werden würden. Doch abgesehen von der Jahrtausende alten Kulturstätte zwingt das Bauprojekt die Bevölkerung zum Umzug und droht die Landschaft zu verändern. Vorangetrieben wird das Staudammprojekt von österreichischen, deutschen und Schweizer Firmen.
Renate Woditschka und ihre Kollegen haben bei einer Reise nach Diyarbakir den Status Quo festgehalten. Zeitgleich zur sozialdokumentarischen Fotoreportage, zu sehen vom 6. bis 10. Mai, erscheint die Publikation "Diyarbakir. Stadt Land Fluss".

 
 
 
 
Auf die Plätze
  Wer Interesse hat und eigene Projekte, Objekte und Arbeiten in der mobilen Galerie ausstellen möchte, kann sich über die Website für den Newsletter anmelden.

Vernissage: Jeden Dienstag um 19.00 Uhr. Ausstellung geöffnet jeden Mittwoch bis Samstag, von 10.00 bis 13.00 Uhr und von 15.00 bis 18.00 Uhr. Wer außerhalb der Öffnungszeiten kommt, hat durch die große Heckscheibe einen guten Blick.
Genaues Programm: www.die-mobile-galerie.at.
 
 
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