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  Österreich | 30.4.2008 | 17:33   

 
 
68/08
  von Andreas Schindler und Karl Schmoll

40 Jahre nach 1968 - wer der medialen Aufbereitung des Jubiläumsjahres ausgekommen ist, hat wohl in den vergangen Wochen vollständig auf Medienkonsum verzichtet. Magazine und Tageszeitungen präsentieren Spezialausgaben, im Fernsehen laufen Thementage und die Talkshow-Sessel sind bevölkert mit ZeitzeugInnen en masse. Unterschiedliche Biografien rechnen ab oder verklären, das Besondere von damals wird gesucht oder über das Gelingen beziehungsweise Scheitern der "68er" reflektiert. So unterschiedlich die Zugänge dabei auch sind, gemein ist ihnen, dass in dem Kampf um die Deutungshoheit immer auch Position zu aktuellen politischen Fragen bezogen wird.
 
 
 
1968 als Chiffre
  1968, als Höhe- und Wendepunkt, steht als Chiffre für eine weltweite Bewegung. In den 60er Jahren wird die Kluft zwischen den, als überkommen wahrgenommenen Strukturen in der Nachkriegsgesellschaft, und den Erwartungen einer jungen Generation immer größer. Jugendkultur wird mittles Beatles quer über den Globus exportiert, junge Männer verweigern den regelmäßigen Friseurbesuch und Sex wird auch außerhalb der elterlichen Schlafzimmer Thema.

In diesem gesellschaftlichen Umfeld etablieren sich Universitäten als Zentren einer Politisierung. In Frankreich ist es anfänglich die Forderung nach gemischten Schlafsälen, in Berkeley Kalifornien das "free speech movement", in Wien der Kampf gegen die Studiengebühren und Professoren, die Nazi-Propaganda lehren. Es waren linke Forderungen die von vorhanden linken politischen Kräften nicht repräsentiert wurden und es war der Versuch einer neuen Politik die bei etablierten Kräften rechts und links der Mitte auf erbitterten Widerstand stößt. Während es dabei zB. in Österreich bei kleineren Aktionen bleibt und der Versuch, den studentischen Protest auf weitere Gruppen auszudehnen, scheitert, befindet sich ganz Frankreich im Mai '68 im Ausnahmezustand. Bis zu 9 Millionen Franzosen und Französinnen beteiligen sich an einem wilden Generalstreik der schon einen Monat später wieder vollständig zusammenbricht.

 
 
Demonstration 1968 in Paris
Foto: EPA
 
 
Black Panther und Vietnam
  Wahrgenommen werden all diese Ereignisse weltweit über die Fernseher und Radiogeräte. In den USA konsumiert jeder Dritte täglich die Abendnachrichten. Diese Aufmerksamkeit wird auch genutzt, zB. von den beiden afroamerikanischen Leichtathleten Tommie Smith und John Carlos. Sie streckten während der Siegerehrung des 200m-Laufs die schwarzbehandschuhte Faust nach oben. Mit diesem Symbol der Black Power Bewegung protestieren sie gegen die Diskriminierung der afroamerikanischen Bevölkerung.Über die Bildschirme flimmern auch Bilder aus Vietnam, dem bisher letzten Kriegsschauplatz von dem Journalisten relativ frei berichten konnten.

Die Berichte über das Leiden der vietnamesischen Zivilbevölkerung und über die überforderten US-Truppen, tragen zum Wachsen der weltweiten Anti-Vietnamkriegs-Bewegung bei. So unterschiedlich die Hoffnungen und Forderungen der Proteste in der CSSR, Japan, BRD oder Frankreich auch waren, die Ablehnung des US Engagements im Vietnam schafft eine internationale Klammer.

 
 
68/08 - ab 1. Mai auf FM4!
  Vieles was die Menschen 1968 bewegt hat, ist auch heute Thema. Die Auswirkungen der "68er" sind nicht in umgestürzten Machtverhältnissen spürbar und sie hat auch keine neue Klasse von Politikern hervorgebracht. Es ist vorallem die seither ständig existierende Opposition, eine emanzipierte Zivilgesellschaft, in der die Auswirkungen der Bewegung bis heute fortdauern.

68/08 - Originalnachrichten und Reportagen aus dem Jahr 1968 gibt es ab 1. Mai täglich ab 15 Uhr in Connected zu hören.
 
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  68/08 auf fm4.orf.at

68/08
Eine Serie von Andreas Schindler und Karl Schmoll mit Fundstücken aus den ORF Archiven. So klang 1968 im Österreichischen Rundfunk.

Zum Nachhören: Folgen 01-07
Mai 1968 in Wien, Tet-Offensive in Vietnam, Mai-Unruhen in Paris, Hörsaalbesetzung in Wien, Dutschke-Attentat, Vietnam-Kriegsberichterstattung, US-Unis

Zum Nachhören: Folgen 08-12
Kirchenkrise, Ermordung Dr. Martin Luther King, Antiautoritäre Erziehung, Kulturrevolution, Uniprotest in Wien

Zum Nachhören: Folgen 13-17
Krieg in Biafra, Olympische Spiele in Mexico, Jugendkultur im Fokus, Ermordung Robert F. Kennedys, Prager Frühling

Zum Nachhören: Folgen 18-21
Ende des Prager Frühlings, Wettlauf zum Mond, Yippies, Nixon wird Präsident
   
 
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