Handtücher werden regelmäßig zu intimstem Kontakt mit ihren Besitzern genötigt. Ohne Mitspracherecht. Und wenn ein Freund des Hauses nach durchzechter Nacht des Morgens mit Fahne aber ohne Zahnbürste ins Bad stolpert, so haben sie diesen auch zu ertragen. Das ist nicht schön, schließlich bedürfen Handtücher nicht nur wie alle Dinge des täglichen Gebrauchs unserer Liebe, sondern zeigen auch Ansätze von Intelligenz, wenn sie sich ihrer Flauschigkeit alsbald entledigen und nach einigen Monaten rebellisch kratzen, als wären sie Nagelbretter.
Die Wirkung, welche Douglas Adams im späten 20. Jahrhundert auf die weltweite Gemeinschaft der Handtücher hatte, als er in seinem famosen Werk "Per Anhalter durch die Galaxis" postulierte, dass "ein Handtuch so ungefähr das Nützlichste wäre, was der interstellare Anhalter besitzen kann" war also eine nicht zu beschreibende. Was leider auch an der etwas stoischen Reaktion der Handtücher selbst lag, die allerdings nach Jahrhunderten der Repression und Folter im Schleudergang so auch zu befürchten war. Etwas greifbarer hingegen die Begeisterung der menschlichen Population, die sich - entschieden kaufkräftiger als ihre baumwollenen Freunde - bereitwillig über Jahrzehnte die immer gleiche Story in jedem erdenklichen Format andrehen ließ, was sich jedoch auch trefflich dazu eignete, sich jedes Mal wieder über die mangelnde Werktreue zu beschweren.
Entsprechend groß die Trauer, als am 11. Mai 2001, sieben Jahre nach seinem 42. Geburtstag, Douglas Adams Herz versagte und damit eine Nation ins Chaos stürzte. Niemand hatte damit gerechnet, dass gerade die an eigenen Spaßmachern so reiche Nation der Baseballkappen den Tod dieser Ikone britischen Humors so schwer verwinden würde. Und doch sind uns allen noch die Worte des amerikanischen Präsidenten in bewegter Erinnerung, der mit leerem Blick schmallippig in eine Gruppe noch unschuldiger Kinder murmelte: "Don't panic!"
Wie dem auch sei. Auch wenn der 42. Geburtstag Douglas Adams nun schon doppelt so alt ist, wie dessen Todestag, gedenken seiner auch heute noch zahllose Verehrer aus aller Welt, indem sie ganz im Sinn des Meisters der verspielten Anarchie frönen und den 25. Mai eines jeden Jahres mit einem Handtuch bestreiten.
Dieses schöne Ritual nennt sich Towel Day, und wenn auch Sie der Meinung sind, dass die Kunst des Fliegens darin besteht, sich auf den Boden zu werfen und diesen zu verfehlen, so möchte ich Sie höflichst dazu auffordern, Ihrem untrüglichen Sinn für Stil und Humor diesen Sonntag mit einem lässig über die Schulter geschwungen Handtuch Ausdruck zu verleihen. Um gegen - durchaus mögliche - blöde Fragen gewappnet zu sein, ist es übrigens ratsam, immer eine Kopie des "Anhalters" mit sich zu führen und letztlich kann ein Handtuch (siehe Bilder) auch dem irdischen Science-Fiction Fan ganz nützlich sein.
Interstellares Hitchhiking mit Handtuch und Bademantel
And now for something completely different:
Es mag Ihnen nicht entgangen sein, dass ich Sie im letzten Absatz dieses Artikels siezte. Das ist insofern interessant, als dass ich im täglichen Umgang ein unverbesserlicher Verfechter des verbrüdernden Dus bin, mir dieses hier aber unter keinen Umständen über die Tastatur gehen will. Warum das so ist, weiß ich nicht, aber vielleicht könnten es mir die von Berufswegen äußerst belesenen Herren erklären, die zu diesem Thema klarere Standpunkte bezogen haben.
Vielen Dank an Anna Haslehner für das gekonnte Handling meines störrischen Fotoapparates!