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  Österreich | 7.7.2008 | 18:24   

 
 
24 Hours Comic
  Von Alexandra Augustin

Einen ganzen Tag am Stück zeichnen und am Ende einen mehrseitigen Bildroman beisammen haben - vorgezeichnet darf nichts werden, alle Bilder müssen innerhalb der 24 Stunden entstehen. So lautet die Aufgabenstellung bei '24 Hours Comic' für die knapp 20 anwesenden ZeichnerInnen, die sich bei strahlendem Sonnenschein im Wiener Brick-5 versammelt haben.
 
 
Das Brick-5, hier wird jetzt die nächsten 24 Stunden gezeichnet, gekritzelt und viel Kaffee getrunken.
 
 
  Kiloweise Papier, Stifte und Marker liegen bereit, Essen und Trinken geht auf's Haus. Hier trifft die Malereistundentin auf den Proficomiczeichner, daneben sitzt der Hobbyzeichner, der bis dato noch nichts mit Comics am Hut gehabt hat.

Ursprünglich stammt die Projektidee vom amerikanischen Comic-Künstler und -Theoretiker Scott McCloud. In Amerika hat das jährliche Treffen mittlerweile Tradition, 2003 wurde erstmals im Grazer Forum Stadtpark der Zeichenmarathon abgehalten. Einer der Teilnehmer war der freischaffende Künstler Bertram Könighofer der Idee nach Wien holte. Letztes Jahr war die Veranstaltung ein Erfolg; Grund genug das Ganze zu wiederholen.

 
 
Die ersten Skizzen und Striche
  Um die Mittagszeit konzentrierte Stille, leise Musik motiviert die TeilnehmerInnen dazu erste Striche und Ideen auf die Papiere bannen. Wieso die meisten gekommen sind? Vor allem wegen des außergewöhnlichen Arbeitsklimas, das man sonst nirgendwo findet. Alle TeilnehmerInnen werken hochkonzentriert vor sich hin. Nix da mit einsamen Kämmerchen, kein Fernseher der ablenkt. Jede/r hat heute das Ziel, am Ende tatsächlich ein fertiges Werk in Händen zu halten.
 
 
 
 
 
  So unterschiedlich die TeilnehmerInnen sind, so vielseitig sind auch die Zugänge zum Genre 'Comic'. Egal ob kleine, detailverliebte Bleistiftzeichnungen oder großflächige, fast malerische Arbeiten. Eine Zeichnerin widmet sich ihrer Liebe zu Reptilien und beginnt, einen klassischen linaren Handlungsstrang rund um ein paar Steinzeitdinos mit Drachengenen zu Papier zu bringen. Der Tischnachbar Paul - ein Kunststudent - wiederum findet die räumliche Situation und die Überreste einer früheren Stancil-Ausstellung interessant, die noch an den Wänden kleben. Mit kunstgeschichtlichem Background in der Tasche werden die Stancils auf Sexismen hin untersucht und spiegeln sich in den eigenen Zeichnungen wieder.

 Stifte, Stifte, Stifte. Insgesamt sind es wohl ein paar hundert.
 
 
 
 
Erste Ergebnisse zur Geisterstunde
  Je später es wird, desto mehr machen sich erste Ermüdungserscheinungen in der Runde bemerkbar. Aber erst ein Zeichner hat das Handtuch geworfen, um für ein kurzes Nickerchen nach Hause zu verschwinden, der Rest ist tapfer und geblieben. Erste Bilanzen werden gezogen, erste Bilder und Sequenzen gibt es auch schon zu sehen, nur nicht bei Lucas. Der Zeichner hat nach zwölf Stunden keine Lust mehr seine Geschichte weiterzuspinnen, seine Hauptfiguren nerven in auch schon. Was also tun um die zwei Charaktere loszuwerden, die die Handlung tragen? Die müssen sich dann wohl oder übel die Köpfe einschlagen um aus der Geschichte zu verschwinden:
 
 
 
 
 
So mancher kämpft gegen Mitternacht mit einem kleinen kreativen Blackout und weiß gar nicht mehr weiter. Dann wird eben der Sitznachbar portraitiert, der durch seine Haarpracht besticht.
 
 
  Tommi hat früher für 'Disney' Donald Duck-Seiten gestaltet und ist daran gewöhnt lange Arbeitsstrecken einzulegen. Er beginnt von Mantra-ähnlichen Zuständen beim Zeichnen zu schwärmen, in denen man nur mehr das Kratzen der Stifte und Marker wahrnimmt. Heute zeichnet er keine Entenhausenstories, soondern ein einzelnes Cover für eine fiktive Geschichte, die im Weltall spielt.

 
 
Böse Fische - pardon - Raubtiere, große Zähne und Robben die Kunstpelz tragen gibt es von Mirjam Schweiger.
 
 
Pausenloses weiterzeichnen tief in der Nacht.
 
 
Der nächste Morgen
  Acht ZeichnerInnen haben durchgehalten und haben weitergemacht. Aber auch die die gegangen sind, sind nach einer kurzen Pause schon wieder dabei. Alles halb so wild, hier passiert ja alles ohne Zwang. Zwei der tapferen sind Andi und Jeremias, die mittlerweile geschlagene 24 1/2 Stunden wach sind und sich sichtlich an der durch Schlafentzug verursachten Endorphinausschüttung erfreuen. Breites Grinsen, fast fertige Geschichten in der Tasche, dabei hatten die beiden mit Comics bisher kaum etwas am Hut gehabt.

Jeremias ist letztes Jahr rein zufällig in das Projekt geraten, war sofort hellauf begeistert und ist deshalb dieses Jahr samt Kompagnon wieder vorbei gekommen. Beide präsentieren Comics, die sich durch Mischtechniken auszeichnen. Andi bevorzugt eher die Collagenform, Jeremias Wasserfarben. Beide Geschichten erzählen von einem kleinen Rachefeldzug: Hier ein PC und ein Modem, die ihren surf- & downloadgeilen Besitzer kurzerhand auf Ebay versteigern. In der anderen Geschichte holen die im Wiener Prater zum Abschuss freigebenen Kuscheltiere zum Gegenschlag aus und wehren sich mit aller Gewalt gegen sinnlose Kuscheltierquälerei mit Luftdruckgewehren.

Eigentlich hätte der Marathon um Punkt Zwölf vorbei sein sollen, die meisten sind aber immernoch da und wollen ihre Geschichten fertig zeichnen. Erste Resultate werden neugierig beliebäugelt.

 Hooray für Andi! Er blieb munter und ist fast fertig mit seiner Story.
 
 
 
 
Düstere Liebesgeschichten von von Erik D., inspiriert von Texten von Roland Barthes und Theodor Reik.
 
 
Lucas D. gibt Wrestlingstars den Strick.
 
 
Hier der Katzencomic 'Meouman' von Markus D. Der Zeichner ist auch Musiker und macht sonst Indiesongs über Katzen für Katzen und Menschen. Jetzt gibt es den Comic für das Booklet.
 
 
  Kommenden Dienstag ab 18 Uhr werden alle entstandenen Comics im Brick-5, Fünfhausgasse 5, 1150 Wien zu bewundern sein.

24 Hours Comic findet nächstes Jahr höchstwahrscheinlich wieder statt, Infos dazu gibt es hier.
 
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  brick-5
Mehr zu '24 Hours Comic' und über den Verein zur Förderung der multimedialen Kunst und Technik.
   
 
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