Vielschichtig zu sein, war dem Autor Klaus Werner-Lobo immer schon ein Anliegen. Nach einer Karriere als Journalist landete er mit dem "Schwarzbuch Markenfirmen" einen Bestseller. Gemeinsam mit Hans Weiss deckte er darin das globale Sündenregister der Großkonzerne auf. Danach ging er für drei Jahre nach Rio de Janeiro, wo er sich zum Clown ausbilden ließ.
Im FM4 Privatstrand spricht er mit Gerald Votava über sein politisches Interesse in der Kindheit, seine Arbeit als Aufdecker, seine Liebe zu Rio de Janeiro, sein neues Buch und darüber, dass ein Clown mehr ist als ein Alleinunterhalter auf Kinderparties.
Klaus Werner-Lobo zu Gast bei Gerald Votava
Familie und Ethik
Klaus Werner-Lobo studierte Umweltbiologie, Romanistik und Germanistik in Wien. Als Pressesprecher arbeitete er für das Österreichische Ökologie-Institut und werkte als Journalist für Tages- und Wochenzeitungen wie taz, Welt am Sonntag, Falter, Profil, trend, Der Standard oder Die Presse. Laut Spiegel online zählt er neben Noam Chomsky, Naomi Klein, Michael Moore und Jean Ziegler zu den Stars der alternativen Globalisierung. 2001 schrieb er mit dem Schwarzbuch Markenfirmen einen viel diskutierten Bestseller.
Die erste Autorität gegen die er aufbegehrte waren seine Eltern. Trotzdem hat er in seiner Familie den Begriff Ethik kennen und schätzen gelernt.
Das frühe Interesse an den Themen Unterdrückung und Wirtschaftsinteressen wurde stärker. Wenn ein Sportschuh in Kinderarbeit produziert wird, reicht es dann, das Produkt einer anderen Firma zu kaufen?
Für Klaus Werner-Lobo war schnell klar, dass die großen Firmen dieser Welt ordentlich Dreck am Stecken haben. 2001 veröffentlichte er gemeinsam mit Hans Weiss das Schwarzbuch Markenfirmen. Darin wird das Sündenregister der Großkonzerne aufgedeckt. Zuerst recherchierten die beiden quer durch den digitalen Gemüsegarten und nahmen Kontakt mit Bürgerrechtsbewegungen und Gewerkschaften auf der ganzen Welt auf.
Die Unmengen an Informationen mussten natürlich penibel überprüft werden, auch um etwaige Klagen der Konzerne zu verhindern. Dabei nutzte Werner-Lobo sein schauspielerisches Talent und gab sich u.a. als korrupter Rohstoffhändler aus und bot seine "Ware" verschiedenen Firmen an. Als erster westlicher Journalist drang er zum Führer der Rebellen in der Demokratischen Republik Kongo vor.
Keiner der angegriffenen Konzerne reichte nach Erscheinen des Buches Klage ein. Schließlich ist Image das wichtigste Kapital eines Unternehmens und gerichtliches Vorgehen gegen Kritiker stärkt eben dieses Image nicht unbedingt. Seitdem hat sich einiges geändert. Viele Konzerne betonen ihre soziale Verantwortung und täuschen laut Klaus Werner-Lobo damit die KonsumentInnen. Grund genug, um 2006 eine neu bearbeitete Fassung des Schwarzbuch Markenfirmen zu veröffentlichen.
2001 wurde Schwarzbuch Markenfirmen zum Bestseller und Klaus Werner-Lobo zog nach Rio de Janeiro. Der dreijährige Aufenthalt veränderte sein Leben nachhaltig. Erstens fand er dort die Frau seiner Träume - seitdem hat er auch einen Doppelnamen - und zweitens ließ er sich zum Clown ausbilden. Eine Profession, die seiner Meinung nach einen wichtigen und vor allem subversiven Platz in der Gesellschaft hat.
Im September erscheint das neue Buch von Klaus Werner-Lobo. In "Uns gehört die Welt" zeigt der Autor die Zusammenhänge zwischen Politik und Wirtschaft auf. Werner-Lobo will Wissen vermitteln, um sich gegen diese Seilschaften zur Wehr setzen zu können. Das Ziel könnte erreichbarer nicht sein: Eine bessere Welt.