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  Österreich | 29.8.2008 | 16:53   

 
 
Sozialmarkt: Eine Idee macht Schule
  von Irmgard Wutscher

In Österreich gibt es mehrere Supermärkte, die nach nach dem Prinzip des "sozialen Unternehmertums" wirtschaften: Die Somas in Linz, Salzburg. Steyr, St. Pölten und Wels, die beiden VinziMärkte in Graz. Und seit einigen Monaten auch der Sozialmarkt in der Braunspregengasse in Wien 10.

Alle Sozialmärkte arbeiten nach demselben Prinzip: Die Märkte bekommen von großen Lebensmittelfirmen Waren geschenkt, die knapp vor dem Verfallsdatum sind oder deren Verpackung leicht beschädigt ist. Die Waren werden von den Märkten abgeholt - so ersparen sich die Firmen teure Entsorgungskosten - und dann zu etwa einem Drittel der handelsüblichen Diskontpreisen abgegeben. "Wir sehen uns einfach den normalen Verkaufspreis an", erklärt Alexander Schiel, Initiator des ersten Sozialmarkts in Wien, die Preisgestaltung. "Den rechnen wir durch drei und so kommt der Preis heraus."
 
 
  (C) leisuregroup.at
Alexander Schiel im Sozialmarkt
 
 
  Einkaufen dürfen in den Sozialmärkten dann ausschließlich sozial Bedürftige. Dies muss beim ersten Einkauf auch nachgewiesen werden, mittels Lichtbildausweis, Meldezettel und Einkommensnachweis. Personen, die unter 800 Euro im Monat zur Verfügung haben, bekommen dann einen Mitgliedsausweis und dürfen einkaufen - um maximal 35 Euro pro Woche. Diese Obergrenze wurde eingeführt um Hamsterkäufe zu vermeiden. Die Kundschaft des Shops ist durchaus gemischt, weiß Alexander Schiel: "Zu uns kommen alleinerziehende Mütter genauso wie MindestpensionistInnen, Langzeitarbeitslose oder Studierende. Menschen quer durch alle Altersschichten und alle Sozialschichten, die wenig Einkommen haben."
 
 
 
Ehrenamtlich
  Verdienen kann man allerdings nichts mit dem Sozialmarkt. Ganz im Gegenteil: Das Geld, das mit dem Verkauf der Waren eingenommen wird, fließt zuallererst in die Infrastruktur: Miete; Auto, Strom und die Versicherungen müssen bezahlt werden. Mit den ersten Überschüssen hat Alexander Schiel zwei Kühlvitrinen angeschafft: nun können auch Molkereiprodukte angeboten werden. Was am Ende des Jahres an Gewinn übrig bleibt, wird an andere soziale Initiativen gespendet.

Auch Initiator Alexander Schiel selbst bezieht kein Geld aus dem Projekt: "Ich kann es mir momentan leisten, mir eine kleinere Auszeit zu nehmen. Danach wird man weitersehen. Es gibt Unternehmen, die haben angeboten, ein Gehalt zur Verfügung zu stellen. Aber die nächsten Monate ist das hier meine Auszeit." - Auch sämtliche anderen MitarbeiterInnen des Shops arbeiten ehrenamtlich.
 
 
 
Mitdiskutieren im Jugendzimmer
  Was denkt ihr über das Prinzip des Sozialmarkts? Oder habt ihr Ideen, wie man Lebensmittel leistbar machen könnte? Seid ihr vielleicht Teil einer sozialen Initiative und wollt darüber erzählen?

Alexander Schiel, der Initiator des ersten Sozialmarkts in Wien, ist heute bei Elisabeth Scharang im FM4 Jugendzimmer ab 19 Uhr zu Gast. Er wird dort ein Resümee über die ersten drei Monate ziehen und mit den HörerInnen über das Recht auf leistbare Lebensmittel diskutieren.
 
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  Sozialinfo Wien - Sozialmärkte
   
 
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