Duncan Larkin ist am Sonntag in Wien gestorben. Esther Csapo, die mit ihm unzählige Morningshows bestritten hat, erinnert sich an ihn in einem Brief.
Am Anfang war die Eierspeis. Die, die ich dir partout nicht holen wollte. Schon der Gang zum Kaffeeautomaten war eine Zumutung für mich. Und Eierspeis, das war gar nicht drin. Es folgten viele laute Wortwechsel. Minutenlanges, eisiges Schweigen. Dann von dir ein: "Sind wir wieder gut?" Streit mochtest du gar nicht.
Du warst ein verletzlicher, kleiner Junge. Wolltest gemocht, ja geliebt werden. Nach ein paar Jahren hab ich diese Botschaft verstanden, trotz deiner Wortgewalt und deiner lauten, kräftigen Stimme, mit der du manchmal in der Früh einfach über mich hinweggefegt bist.
Den Streit und den Geschlechterkampf haben wir irgendwann beigelegt. Er ist gewichen, einem Miteinander, na ja, manchmal auch nur einem Um-den-anderen-rum vielleicht. Damit du mich nicht mit dieser Kaffee-Hol-Sache in die Verlegenheit bringst, "nein" sagen zu müssen, weil ich es unerträglich gefunden habe, von einem Mann dazu aufgefordert zu werden, hab ich beschlossen, dir ungefragt einen anzubieten. Und du hast irgendwann begonnen, dir dein Frühstück selbst mitzubringen. Ich war ganz gerührt. Vor allem, als du neben Sushi, Hendlhaxen, Apfelstrudel und was du sonst noch für dein Studio-Picknick mit dabei gehabt hast, zum ersten Mal mit deiner eigenen Thermoskanne voll Kaffee aufgekreuzt bist.
Von da an habe ich mein geheimes Kriegsbeil begraben. Wir haben eines der schönsten Konzerte gemeinsam erlebt. Einer dieser wunderbar emotionalen Momente, die man gerne teilen möchte. Ich habe ihn mit dir geteilt. In der Arena, unterm großen Baum vorm Beisl sitzend, haben wir zu Bright Eyes geträumt, gelacht und getrunken. Als mir während einer Sendung mal zum Heulen war, hast du mir "Lover don't have to love" gewidmet und mich an eben diesen außergewöhnlichen Sommerabend in der Arena erinnert. Wenn ich mich mit einem vorsichtigen, gedehnten "duuuu" angenähert hab, hast du gewusst, dass ich deine Hilfe brauch. Egal ob für mich, R. oder H. oder sonstwen. Ein solches "duuuu" hab ich wohl auch in dein Telefon geflötet, am Tag als ich mich zum allerersten Mal mit meinem Musikgeschmack outen und meine Lieblingsplatten im Schikaneder zum Besten geben wollte, supernervös war und mein designierter Platten-Auflege-Partner S. mir just an dem Tag eröffnet hat: "Ich kann leider nicht. Bin zu depressiv." Da bist du für ihn eingesprungen. Auch wenn du wusstest, dass es eine lange Nacht werden würde. Ich bin um 5 Uhr glücklich und zufrieden schlafen gegangen, du hast die Morningshow gemacht.
Du warst da. Für mich, für meine Freunde, für uns Kollegen. Dass das jetzt nicht mehr so sein soll, kann ich nicht fassen. Ich vermisse dich. E.
What you make of it
Duncan Larkin gemeinsam mit Mauracher: Ein Song, der 2005 auf Maurachers Album "Kissing My Grandma" erschienen ist.
title: What You Make Of It artist: Mauracher Ft. Duncan Larkin length: 1:38 WMA
There will be a memorial service for Duncan at 15:00 this Friday, at the Christ Church Vienna, Jauresgasse 17-19, 1030.