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  Österreich | 29.9.2008 | 16:45   

 
 
Wie wählten die Jungen?
  Erstmals konnten bei der gestrigen Wahl auch Jugendliche ihre Stimme abgeben. Aber wen haben sie gewählt? Und warum?

Der Meinungsforscher Peter Hajek von Institut Public Opinion Strategies war zu dieser Frage heute, einem Tag nach der Wahl zu Gast bei Robert Zikmund in FM4 Connected.
 
 
  Robert Zikmund: Zum ersten Mal konnten gestern auch 16- und 17-jährige wählen. Eine Stärkung des Wähler-Segmentes der Jungen. Das Wahlverhalten der Unter-30-jährigen zeigt: stimmenstärkste Partei wurde die FPÖ, gefolgt von ÖVP und SPÖ. Also eigentlich gespiegelt zum Gesamtergebnis. Herr Hajek, wie erklären Sie den Erfolg der Freiheitlichen bei den jungen WählerInnen?

Peter Hajek: Ich möchte einmal dieses Wahlergebnis im statistischen Dorf lassen. Ganz klar liegt die freiheitliche Partei nicht vorne. Man kann sagen, dass diese drei Parteien, die Sie genannt haben, im Großen und Ganzen jeweils zwischen einem Viertel und einem Fünftel der Wählerschaft abholen. Der Erfolg der Freiheitlichen ist glaub ich ein relativ einfacher. Erstens gibt es auch bei jungen Menschen natürlich ein Frustpotential, warum soll es das nicht geben, und Heinz-Christian Strache trifft bei seinen Wählerschichten - soll heißen, in den 90ern hat man gesagt die "jungen, zornigen Arbeiter" - also Menschen, die eher einen ein bisschen niedrigeren Bildungsstandard und eine schlechtere Berufsausbildung haben, die Tonalität der Jugendlichen. Und gibt auch ein bisschen das Revoluzzer-Image. Das zieht dann schon. Und dann wird es noch die eine oder andere Thematik geben, die auch bei den Jungen ankommt. Warum soll ein gewisser Ausländer-Skeptizismus nicht auch bei Jugendlichen im 10. oder 11. Wiener Bezirk ziehen?
 
 
 
Bild: APA/ROLAND SCHLAGER
 
 
  Es war ja traditionell schon auch so, dass vor allem die Grünen sich gut schlagen bei jungen WählerInnen. Warum hat das diesmal nicht funktioniert? Was haben die Grünen falsch gemacht?

Die Grünen liegen auch, was die Jungwähler betrifft, über ihrem Parteidurchschnitt. Das muss man schon auch sagen. Die Grünen sind halt ein bisschen ermattet. Sie haben vor zwei Jahren verpasst, sich personell und thematisch zu erweitern. Man hat einfach den Status Quo weiterlaufen lassen. Und das war sicher nicht klug in Hinblick auf diese Wahl. In einer Wahlauseinandersetzung, die noch dazu so kurz ist wie diese war,... das erhebt man nicht mehr. Diesen Drive bringt man nicht mehr mit. Und vielleicht ist auch Alexander Van der Bellen für die jüngsten Wähler nicht gerade die große Ansage.
 
 
 
  Die SPÖ hat ja scheinbar auch ein Generationsproblem und tut sich sehr schwer bei den jungen Wählern. Das scheint sich auch diesmal nicht verändert zu haben?

Das haben Sie jetzt sehr euphemistisch ausgedrückt. Also "hat scheinbar ein Problem",... die haben ein massives Problem. Sie sind zum Beispiel stärkste Partei bei den Pensionisten und Pensionistinnen. Die Sozialdemokraten, aber auch die ÖVP, die haben alle miteinander ein Generationsproblem. Bei der jungen Generation gibt es im Prinzip drei, vier große Lager mit Abstufungen. Und das wird die Parteienlandschaft in diesem Land nachhaltig verändern.

 Peter Hajek
 
 
  Viele Enttäuschte, die mit dem Ergebnis dieser Wahl jetzt nicht zufrieden sind, haben jetzt auch - und ich hab das auch bei uns im Forum schon gelesen - als Folge des Ergebnisses auch gleich wieder die Anhebung des Wahlalters gefordert. Wär das eine sinnvolle, nachvollziehbare Reaktion?

Nein, also das wäre weder sinnvoll noch nachvollziehbar. Ich habe es immer in Frage gestellt, ob das Absenken des Wahlalters von 18 auf 16 so toll ist. Wir wissen auch aus Umfragen, dass es Teile der jungen Bevölkerung gibt, die gesagt haben, wir wollen das eigentlich gar nicht. Aber jetzt hat man es. Es betrifft so und so nur zwei bis drei Prozent des Elektorats, also der Wahlberechtigten. Das hat wahltechnisch gesehen zum wirklichen Beeinflussen des Wahlausganges also null Chancen. Denn eines muss man sagen: In diesem Land werden die Wahlen noch immer von den Pensionisten entschieden.
 
 
 
Interview als Download
  Das gesamte Interview mit Peter Hajek, mit seinen Einschätzungen zum Wahlverhalten der WählerInnen mit Migrationshintergrund, den Jugendwahlkampf der Parteien und den heute vielzitierten "Rechtsruck" nach der Wahl gibt es hier als Download:
 

 
audio
 
title: Analyse zur Nationalratswahl 2008
artist: Peter Hajek zu Gast bei Robert Zikund
length: 19:58
MP3 (19.127MB) | WMA
   
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