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  Österreich | 22.10.2008 | 21:32   

 
 
Aus Autos werden Fahrräder
  von Maria Motter

Umgekehrt wäre es natürlich noch lässiger: bau' mir ein Auto aus meinem Fahrrad! Doch als ich sah, was Folke Köbberling und Martin Kaltwasser aus einem alten Kleinwagen gefertigt haben, war ich begeistert. Zumal diese Reihenfolge die einzig programmatisch richtige ist: Das deutsche Künstlerduo verwendet für ihre Arbeiten übriggebliebenes Material von Baustellen und aus Abfallcontainern sowie Weggeworfenes. Aus dem vermeintlich Wertlosen bauen die studierte Malerin Folke Köbberling und der Architekt Martin Kaltwasser nutzbare Objekte.

Mit Installationen, Ausstellungen und konkreter Eingriffe zu Themen wie Öffentlichkeit, Kontrolle, Selbstorganisation und informelle Nutzungen hinterfragen Folke Köbberling/Martin Kaltwasser. Bedingungen städtischen Lebens im Zeichen von Privatisierung und Ökonomisierung.

Für den steirischen herbst nahmen sich Folke Köbberling und Martin Kaltwasser ein altes Auto. Auf vier Parkplätzen am Andreas-Hofer-Platz in Graz demontierten sie das Fahrzeug, um daraus neue Fortbewegungsmittel zu schaffen - Fahrräder. Eine Bauanleitung in Bildern.
 
 
Hannah Hasler, die Tochter von herbst-Intendantin Kaup-Hasler hat den Entwurf zum Prototyp gezeichnet.
 
 
Das wird das Damenrad, inklusive Rücktritt und Bremsen, die dem Prototyp fehlen.
 
 
Rausholen, was geht. Ein Auto zu zerlegen ist gar nicht so einfach. Schweißarbeiten dem Künstlerduo neu. Hauptmaterial für bisherige Werke war Holz.
 
 
Martin Kaltwasser lotet Möglichkeiten aus. Einzig die Pedale sind ein Kompromiss.
 
 
"Ideal für Graz!", findet Martin Kaltwasser. "Damit gerät man garantiert nicht in Straßenbahnschienen." Ein Besucher wagt eine Proberunde.
 
 
  Es fühlt sich an, als seien einem die Stützräder des ersten Fahrrades weggenommen worden. Gar nicht so einfach, damit in Schwung zu kommen. Doch hat man einmal in die Pedale getreten, rollt das Fahrrad. Selbst Licht ist vorhanden.

Der Umgang mit (Umsonst-)Ressourcen im städtischen öffentlichen Raum ist das übergreifende Thema der Werke von Köbberling und Kaltwasser. Im öffentlichen Raum stellten sie eine Bushaltestelle nach polnischem Vorbild auf, deren Seitenwände für private Inserate und Anschläge dienen. Diese Zettelwirtschaft mit Wartebank und Überdachung bietet Platz für informellen Handel. Einmal bauten sie eine Brücke, um den Zugang zu einem Schrebergarten zu erleichtern.

 
 
Rasender Stillstand
  In Cambridge, im Wysing Arts Centre, entstand diesen Sommer ein Amphitheater aus bereits entsorgten Baumateralien. Für das Art Forum Berlin 2007 baute das Künstlerduo aus weggeschmissenen Materialien von demontierten Messeständen der internationalen Funkausstellung einen Galeriestand inklusive Wendeltreppe.

Im Haus der Architektur (HDA) ist im Rahmen des steirischen herbst "Rasender Stillstand" zu sehen. Ein Schwerpunkt der in Berlin lebenden Künstler ist die Inbesitznahmedes öffentlichen Raumes durch egomanisches Verkehrsverhalten. Und das sieht so aus: zwei SUVs - SUV steht für Sport Utility Vehicle - sind auf- und ineinandergeprallt. Maßstabgetreu aus gefundenem Holz nachgebaut ist der "Crushed Cayenne".
 
 
 
"Crushed Cayenne".
 
 
"Unsere zynische Antwort auf den hedonistischen konumsorientieren Lebensstil des 21. Jahrhundert", so Köbberling und Kaltwasser.
 
 
 
 
F für FahrradfahrerInnen
  Der "Crushed Cayenne" ist im HDA, Mariahilferstr. 2, 8020 Graz zu besichtigen.

Probefahren und zusehen, wie das zweite
Fahrrad entsteht, kann man in Graz am Andreas-Hofer-Platz noch bis 26.10., täglich 10 - 18 Uhr.
 
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  steirischerherbst.at
Festival für neue Kunst - bis 26.10.2008, Graz.
   
 
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