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  Österreich | 28.10.2008 | 18:05   

 
 
Musikfernsehen
  von Martina Bauer

Ich komme ja noch aus der MTV Generation der Pip Danns, Ray Cokes, Paul Kings und Marijne van der Vlugts - also aus einer Zeit, in der die VJs in der Regel doch um einiges älter waren als man selbst. Daher finde ich auch Markus Kavka, vor allem Presenter der MTV News und seines Zeichens Jahrgang 1967, ok. Den Mann kann ich ernst nehmen, der gibt mir nicht das Gefühl, dass er nur irgendwas von irgendeinem Zettel abliest.

Kavka jedenfalls beendet seine Sendungen stets mit "Vielen Dank für die Aufmerksamkeit" und "Hamma wieder was gelernt". Genau so heißt auch die Sammlung seiner - ursprünglich für das Zeitzuender-Portal geschriebenen - Kolumnen, die jetzt in Buchform bei Rowohlt erschienen ist.
 
 
 
Lateinleuchte
  Den Satz "Hamma wieder was gelernt" hat sich Markus Kavka übrigens bei seinem Lateinlehrer entlehnt. Und auf die Frage, wie das denn mit ihm und Latein in der Schule so war, sagt Markus im Interview: "Ich war die totale Lateinleuchte, ich hatte sogar Leistungskurs und hab im Abitur ne eins, also 14 Punkte in Latein ergattert ... na Latein ist so ne Sache, das kenn ich ja von meinen Mitschülern: lieben oder hassen. (...) Und wenn man recht früh das Prinzip dieser Sprache versteht - was bei mir aber auch reiner Zufall war, weil ich jetzt nicht so der totale Streber war - also klar hab ich mir die Vokabeln drauf geschafft ... aber ansonsten hat ja diese Sprache so in ihrer Grammatik und in ihrer Konstruktion fast was Mathematisches, und wenn man da durchsteigt, dann hat man eigentlich ein vergleichsweise leichtes Leben in Latein - Und das hat mir tatsächlich nen bisschen mein Abi gerettet, weil die andren Sachen, die ich da noch so am Start hatte, die waren weniger erfolgreich."
Also auch Lateinleuchten können durchwegs sympathisch sein.

 
 
Sympathisch
  Ich finde, das gilt für die gesamte Kavka-Schreibe. In den Kolumnen kommt der Mann bodenständig rüber. Gesteht, dass ihm sein Spiegelbild entgegen schleudert: "Du hast 'ne Form wie ein Fass. Geh mal turnen!" - worauf er sich auf die Suche nach einem geeigneten Fitnesscenter macht, also keines, wo MTV läuft.
Oder er schreibt ganz unaufgeregt über den ersten Sex: "Mein vermeintlich erstes Mal war so ein Reinfall, dass man es eigentlich nicht erzählen darf, mache ich aber trotzdem."
Die Geschichten drehen sich thematisch - wie der zweite Teil des Titels ja nahelegt - ums aus den Kinderschuhen raus- und in die Erwachsenenschuhe reinwachsen. Die Aufhänger reichen dabei von Festivals und Klamotten über Musik, Mixtapes, Videos oder Clubs bis zu Liebe, Freundschaft, Ansparpläne sowie Eltern.
Es geht ums Leben, könnte man auch großkotzig sagen. Vornehmlich natürlich Kavkas Leben, aber die Kolumnen sind amüsant zu lesen. Unprätentiös für alle 20jährigen, die wissen wollen, was da vielleicht noch auf sie zukommt, und mit Wiedererkennungseffekt für die älteren unter uns.
 
 
 
Begleiter
  Markus Kavka hat im Interview selbst gesagt, die Kolumnen könnten vielleicht auch als eine Art Tagebuch durchgehen. Denn, weil er letztes Jahr eben 40 geworden ist, hat er sich viel mit Themen auseinander gesetzt wie etwa: Lebensplan, Erwachsensein - was heißt das oder wann fühl ich mich so alt, wie mein Geburtsjahr es nahelegt.

Herausgekommen sind dabei feine Textgebilde, die einen immer wieder schmunzeln lassen. Besonders gut geeignet auch für den "Ich bin zwar schon urmüde, aber zwei Seiten les ich noch"-Gebrauch, und praktisch für unterwegs oder kurze Wartezeiten. Denn man ist schnell drin - und auch wieder draußen aus den Kolumnen.
Quick and dirty reading sozusagen.


 
audio
 
title: Markus Kavka Interview, Teil 1
length: 3:47
MP3 (3.632MB) | WMA
   

 
audio
 
title: Markus Kavka Interview, Teil 2
length: 4:27
MP3 (4.272MB) | WMA
   
 
 
  "Hamma wieder was gelernt: über das Erwachsenwerden" ist im Rowohlt Verlag erschienen. Eine Leseprobe gibt es hier: www.rowohlt.de
 
 
 
Markus Kavka auf Lesetour in Deutschland
  15.10.08 Frankfurt/Oder - Karl Liebknecht Gymnasium
04.12.08 Leipzig - UT Connewitz
08.12.08 Bremen - Stauerei
09.12.08 Münster - WordClub
17.12.08 Stuttgart - Theaterhaus
18.12.08 Mannheim - Popakademie
19.12.08 München - Vereinsheim
 
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