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  Österreich | 30.10.2008 | 15:51   

 
 
Mit offenen Karten
  von Roland Gratzer

"Lass uns eine Millionenstadt kartografieren." Unter diesem Motto startete vor nicht einmal einem Monat eine Initiative des Wiener Internet-Unternehmers und Bloggers Helge Fahrnberger. Ziel der Mission: Eine Straßenkarte für Ouagadougou, die Hauptstadt von Burkina Faso zu zeichnen. Etwas mehr als drei Wochen später ist die Roadmap so gut wie fertig.
 Wien
 
 
Do it yourself
  Möglich gemacht hat das ein Projekt namens Open Street Map. 2004 startete die Do it yourself-Kartografier-Software in England. Mittlerweile sind 70.000 User damit beschäftigt, Karten zu zeichnen. Gemappt kann so gut wie alles werden. Welche Straße führt wohin, wo gibt es Pubs, Cafes oder Supermärkte, wie verläuft die Piste in irgendeinem Skigebiet oder wo fährt die U-Bahn in Berlin. Natürlich gibt es neben Ouagadougou noch andere Städte, die von Freiwilligen gemappt werden. Mit Hamburg wurde in den letzten Tagen die erste deutsche Großstadt zu hundert Prozent fertig kartografiert. Was den Vollständigkeitsgrad betrifft, ist England Spitzenreiter. Gleich danach kommt unser gleichsprachiges Nachbarland.
 
 
 
Feel free...
  Google Maps muss sich langsam warm anziehen. Die nötigen Satelitenbilder für die Open Street Mapper stellt Suchmaschinen-Konkurrent Yahoo bereit. Wo es keine guten Bilder aus dem All gibt, ziehen die Mapper mit GPS-Gerät los und machen sich diese Bilder einfach selbst. Die so gewonnenen Daten stehen unter einer Creative Commons Lizenz. Das heißt: Jeder kann mit den Daten machen, was er oder sie will. Solange die Herkunft der Daten angegeben ist. In wenigen Jahren, so die Vision der freien Mapper, soll man diese Daten auch für herkömmliche GPS Geräte verwenden können. Gratis natürlich.

 Ouagadougou
 
 
...to make money
  So auch beim aktuellen Ouagadougou-Projekt. Zwar sind mittlerweile alle Straßen eingezeichnet, was jetzt noch fehlt, sind die Namen. Dafür arbeitet Fahrnberger mit seiner Hilfsorganisation Laafi daran, Leute vor Ort mit dem Projekt vertraut zu machen. Wenn dann einmal alles fertig ist, geben die Projektleiter die Straßenkarte an lokale Unternehmer weiter. Die sollen damit dann Geschäfte machen.
 
 
 
Stop the bulldozers
  Bisher gab es keine sinnvollen Karten der Millionenstadt in Westafrika. Helge Fahrnberger geriet damit erstmals in Konflikt, als er vor acht Jahren mit dem Auto einer Hilfsorganisation von Wien nach Ouagoudou gefahren ist. Aber die Karte des Open Street Map Projekts hat noch einen Vorteil: Viele Viertel rund um das Zentrum existieren in den Augen der Stadtregierung gar nicht. Slums, die großteils aus Lehmhütten bestehen, werden immer wieder von Bulldozern dem Erdboden gleich gemacht, weil irgendeine westliche Firma dort eine Fabrik bauen will. Jetzt sind diese Viertel erstmals auch auf einer Straßenkarte eingezeichnet. Das Argument, "da gibt es eh keine Leute", gilt also nicht mehr.

 Steyr
 
 
Von Scheibbs bis Nebraska
  Was die heimische Kartenlandschaft betrifft, sind die Bundeshauptstädte so gut wie durchgemappt. Nächstes Jahr dürften auch die weniger großen Ortschaften und Regionen auf der Open Street Map eingezeichnet sein. Wer seinen Heimatort nun endlich von oben völlig überblicken will, sollte am besten gleich loslegen.
 
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  openstreetmap.org
   
 
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