Nachhaltiges Leben: die FM4 Schwerpunktwoche von 3. bis 8. November.
Papier vs. Plastik
von Martina Bauer
Kennt ihr sicher auch: In der Mitte einer CD/DVD sind ein paar der Plastikzähnchen gebrochen. Man kann das Ding nicht mehr auf den Kreis draufpappen, stattdessen rudert es ab sofort in der Gegend rum. Ärgerlich! Aber es geht auch anders. Letzthin nahm ich die DVD von "We Feed The World" zur Hand - und: reine Kartonagen-Verpackung! Versehen mit einer Ausbuchtung, wo man die Silberscheibe rein steckt. Ausbrechen kann da nichts - und ist das nicht zudem viel umweltfreundlicher? Könnte man nicht viel mehr CDs in, wohlgemerkt: recycelte, Papierhüllen stecken? Oder ist ohnehin längst alles aus so genanntem Bio-Plastik, wobei Experten wiederum behaupten, dass das so "Bio" gar nicht ist? Und was wurde eigentlich aus der Öko-DVD? Es folgt: Der große Themenblock des nachhaltigen Konsums. Heute kann man beinahe alles nachhaltig machen: Essen, Einkleiden, Reisen, Anlegen, Heizen... wird der Begriff schon zu inflationär verwendet, und ist das Konzept "LOHAS" (Lifestyle Of Health And Sustainability) nur mehr eine Art Etikette, damit Marketingagenturen wissen, wen sie bewerben sollen?
Respektvoll, Sanft
Unsere Eltern- bzw. Großelterngeneration kennt diese Begriffe im Grunde kaum. Nachhaltigkeit, oder auf Englisch "sustainability", taucht erst - vertraut man Wikipedia (der englische und der deutsche Artikel divergieren bei den Quellen übrigens ein bisschen) - Anfang der 70er Jahre auf. Ich habe die Probe aufs Exempel gemacht und im Bertelsmann Universallexikon, Band "Met-Nizo", 1989, nachgeschlagen. Selbst da ist unter Nachhaltigkeit nur der Hinweis "Holzeinschlag" zu finden - kommt der Begriff doch ursprünglich aus der Forstwirtschaft und besagt, dass nur soviel geschlagen werden darf, wie der Zuwachs beträgt. Diese Bedeutung ist grundsätzlich erhalten geblieben, wird heute aber eben erweitert verwendet. Nachhaltig wird als "dauerhaft, langfristig stabil, ohne Überlastung" verstanden, als "Schonung der Ressourcen in Einklang mit Umfeld und Umwelt". Dabei geht es um die gleichrangige Berücksichtigung von ökonomischen, ökologischen und sozialen Belangen in einer zukunftssicheren Entwicklung.
(Foto: Tilo Hauke)
Was ist meine Nachhaltigkeit?
Ich mag alte Dinge, auch wegen ihrer Geschichte, aber sind die dann mal kaputt, ist kaum eine Reparaturmöglichkeit zu finden, von Ersatzteilen gar nicht zu reden. Und auch wenn das jetzt ein bisschen großmutterlhaft anmutet - ich werde das Gefühl nicht los, dass vieles früher qualitativ einfach hochwertiger war. Ich habe zum Beispiel Pullis und Jacken von meinem Vater aus den 50er Jahren, die immer noch ok sind. Wenn ich heute was Textiles kaufe, hält das im Schnitt 3 Jahre.
Und: Was nicht gebraucht wird, wird entäußert. In vielen Fällen aber eben nicht Richtung Second Hand Shop, Caritas Lager oder Kost-Nix-Laden, sondern in Richtung Müllberg. Wenn ihr solche und andere "nachhaltige" Anlaufstellen kennt, postet doch im Forum, vielleicht kommt so eine Art "Sustainability-Adressbuch" raus.
title: Interview mit Birgit Kohlmaier-Schacht über Nachhaltigkeit length: 13:09 Birgit Kohlmaier-Schacht ist engagierte Umweltaktivistin, hat die Kommunikationsabteilung des WWF geleitet und arbeitet freiberuflich für Initiativen, Organisationen und Einrichtungen, die das Wort 'Nachhaltigkeit' mit Leben erfüllen. Kohlmaier-Schacht ist auch ORF-Konsulentin für Nachhaltigkeit. MP3 (12.603MB) | WMA
Besser jetzt
Getauschtes Mobiliar, Schuhe aus Recycling-Material, und ein Supermarktkonzept, bei dem der Kunde gleichzeitig Shopbesitzer ist: Die FM4 Morning Show macht sich eine Woche lang auf die Suche nach alternativen Lebensentwürfen, nachhaltigen Wirtschaftskonzepten und D.I.Y.-KünstlerInnen, die der Wegwerfgesellschaft ein Schnippchen schlagen. Bei der FM4 Tauschbörse wird verhandelt statt verschrottet, als Frühstücksgäste begrüßen wir u.a. den Regisseur Erwin Wagenhofer ("Let's Make Money") oder die Ökologin und Bio-Knigge Austria-Mitautorin Monika Langthaler. In FM4 Connected werden wir mit Personen sprechen, die für Umsicht und Nachhaltigkeit in Wirtschaft und Alltag kämpfen, etwa mit der Umweltaktivistin Birgit Kohlmaier-Schacht oder Dr. Hildegard Aichberger, WWF Österreich Geschäftsführerin, die uns den alarmierenden WWF-Umweltreport Living Planet näher bringen wird. Der 30. Jahrestag der Volksabstimmung über das Atomkraftwerk Zwentendorf ist außerdem ein guter Anlass, über alternative Energiekonzepte abseits fossiler Brennstoffe nachzudenken. Und nicht zuletzt besuchen uns Christian Lauk und Konstantin Kulterer, Co-Autoren des Buches Die Grenzen des Kapitalismus, und bezweifeln live die Sinnhaftigkeit von Wirtschaftswachstum.