Die Aktienkurse sinken, viel Geld ist futsch. Beteiligungen an Fonds-Gesellschaften sind derzeit alles andere als nachhaltig. Auch Währungen können jederzeit an Wert verlieren. Gut, dass es Alternativen zu hinlänglich bekannten Währungssystemen gibt, die mehr zur Nachhaltigkeit beitragen als die, die wir für gewöhnlich aus dem Bankomaten ziehen.
Der Waldviertler
Nachhaltige Währungssysteme haben oft ein Ziel: Das Stärken der Wirtschaft in einer Region. Aktuelles Beispiel in Österreich ist dafür der Waldviertler. Die Regionalwährung wurde im Mai 2005 im - surprise! - niederösterreichischen Waldviertel eingeführt. Die Idee dahinter ist einfach: Man tauscht seine Euro gegen den Waldviertler. Mit diesem kann man dann in mittlerweile rund 200 Betrieben der Region einkaufen. Die Währung ist an den Euro gebunden (1 W entspricht 1 EURO) und verliert nach einem Monat ihre Gültigkeit. Für eine Gebühr von zwei Prozent des ursprünglichen Wertes können die Scheine aber erneuert werden. Damit wird der Umlauf der Alternativ-Währung gesichert. Wer seinen Waldviertler gegen Euro zurücktauschen will, entrichtet automatisch einen Regionalbeitrag von fünf Prozent des Wertes. Dieses Geld kommt verschiedenen gemeinnützigen Vereinen in der Region zugute.
Das Logo des Waldviertlers erinnert an eine Mischung aus dem EURO-Symbol und Werder Bremen
Wo die Musi spielt
Bezahlt werden kann mit dem Waldviertler in rund 200 Betrieben. Wer also das Waldviertel nachhaltig unterstützen will, bezahlt mit Waldviertler. So sehen es zumindest die Projektbetreiber in recht pathetischem Duktus:
"Der W ist ein neues Instrument in unseren Händen. Wir müssen noch lernen auf diesem Instrument zu spielen, damit wir auch neue Musik haben. Das braucht Zeit, wir brauchen Geduld. Aber reizt Sie nicht auch die Vorstellung, dass es im Waldviertel bald eine lustigere Musik gibt als den ewigen Katzenjammer, dass das Geld fehlt, dass die Arbeit fehlt, dass die Menschen deswegen weggehen müssen? Eine Musik, die schön klingt, weil wir sie gemeinsam spielen und nicht jeder gegen jeden."
Das Wunder von Wörgl
Alternative Währungssysteme sind keine Erfindung der Neuzeit. (Abgesehen davon, dass es ähnliche auf Tausch basierende Systeme natürlich schon gab, als Geld noch nicht einmal aus Bernstein gemacht worden war.)
So geschehen am Beginn der 1930er Jahre in der Tiroler Gemeinde Wörgl. Als Eisenbahn- und Industriestandort war Wörgl schwer von der Weltwirtschaftskrise gezeichnet. Durch den wirtschaftlichen Niedergang war immer weniger Geld im Umlauf. Der damalige Bürgermeister Michael Unterguggenberger stand vor einem Problem: Arbeit wäre zwar vorhanden, aber kein Geld, um diese auch zu bezahlen. Die Lösung: Wir drucken unser Geld einfach selbst.
Dieses Geld dient als "Arbeitswertbestätigung" im Wert von einem, fünf und zehn Euro. Pro Monat verlor der "Wörgler Schilling" ein Prozent seines Wertes. Wie im Waldviertel ging auch hier der Überschuss an soziale Projekte.
Große Bauprojekte gingen an den Start und die Arbeiter wurden mit Wörgler Geld bezahlt. Mit diesem kauften sie dann in den örtlichen Geschäften. Diese wiederum konnten damit endlich die fälligen Steuern an die Gemeinde bezahlen. Mit diesem Geld wurden dann wieder neue Bauprojekte gestartet. Der Wirtschaftsmotor begann wieder zu schnurren, im Gegensatz zu überall sonst sank sogar die Arbeitslosigkeit erheblich.
Bürgermeister Michael Unterguggenberger erfand eine eigene Währung für seine Heimatgemeinde Wörgl.
Der Wörgler Schilling verlor pro Monat ein Prozent an Wert. Mit Stempelmarken konnte man den Wert wieder erhöhen. Das daraus gewonnene Geld ging an soziale Projekte.
Good bye, Schilling
Das Projekt war so erfolgreich, dass Wirtschaftsvertreter aus aller Welt in die Tiroler Gemeinde reisten. Der US-amerikanische Ökonom Irving Fisher schlug sogar vor, mit dem Wörgler Modell die Wirtschaftskrise in den USA abzufangen. Zahlreiche österreichische Gemeinden folgten dem Tiroler Beispiel und kehrten dem Schilling langsam den Rücken.
Das rief die österreichische Nationalbank auf den Plan. Ihr Monopol auf Geldproduktion wollten sich die Staatsbankiers nicht von lokalen Bürgermeistern wegnehmen lassen. Vor Gericht erreichten sie, dass das alternative Geld-Projekt verboten wurde.
Mehr über das Wörgler Projekt gibt es in der aktuellen Ausgabe des Datum zu lesen.
Ich kann was, was du nicht kannst
Man braucht aber nicht einmal neu erfundenes Geld, um der aktuellen Abwärtsspirale namens Geldzyklus zu entgehen. Bestes Beispiel dafür sind Talent-Tauschkreise, die es im ganzen Land gibt.
Das Prinzip funktioniert zum Beispiel so: Ich passe auf deine Kinder auf oder gehe für dich einkaufen, du mähst mir dafür den Rasen. Für eine bestimmte Dienstleistung bekomme ich eine Gutschrift auf mein Talente-Konto. Mit dieser garantiert vor Wertverlust geschützten Einlage kann ich andere Dienstleistungen "einkaufen".
Aktuelle Angebote gibt es in eigenen Zeitschriften, auf eigens abgehaltenen Veranstaltungen und natürlich im Internet. Hat man gerade keine Zeit, sein Talent-Konto aufzuladen, darf man sogar überziehen. Zinsen müssen dafür nicht bezahlt werden. Goodies am Weltspartag gibt es dafür aber leider auch nicht.
Du hängst mir ein Bild auf, ich bügle dafür deine Wäsche. Oder darf's was Süßes sein?