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  Österreich | 7.11.2008 | 16:18   

 
 
"Commons sind kein Niemandsland"
  Das heurige Elevate Festival in Graz steht unter dem Motto "Commons", also Gemeingüter. Darunter sind Dinge wie natürliche Ressourcen ebenso zu verstehen, wie Forschung oder Wissen im Allgemeinen. Roland Gratzer sprach mit der Commons-Expertin und Festival-Moderatorin Silke Helfrich über die Unterschiede zwischen den verschiedenen Ressourcen, den Kampf um Zugangsrechte zu eben diesen und auch darüber, was eigentlich Robin Hood mit der ganzen Causa zu zun hat.
 Silke Helfrich
 
 
  Was bedeutet der Begriff Commons?

"Commons heißt, dass wir eine große Verantwortung haben, die Ressourcen die uns umgeben zu erhalten, egal ob das natürliche anfassbare oder informelle, kulturelle, soziale Ressourcen wie öffentliche Räume oder Bibliotheken sind. Und diese müssen wir in besserer oder zumindest gleicher Qualität an zukünftige Generationen weitergeben."

Viele dieser Ressourcen gehören nicht der Allgemeinheit, sondern sind im Besitz von Firmen. Wie können wir diese Commons zurückerobern?

"Da gibt es ganz unterschiedliche Strategien. Das Charmante an der Commons-Bewegung ist ja auch zu sehen, dass es eben nicht nur Abwehrkämpfe und Defensivstrategien sind, sondern sehr offensive Ansätze. Unter dem Motto: Wir bauen einfach etwas anderes, etwas neues. Bei natürlichen Ressourcen geht das nur sehr begrenzt. Hier geht es darum, zum Beispiel das Wasser in der gesellschaftlichen Verfügbarkeit zu erhalten und dass profitmaximierender Umgang mit solchen Ressourcen verhindert wird. Aber bei kulturellen Ressourcen muss man nicht unbedingt gegen Microsoft kämpfen sondern verhilft einer eigenen Idee zum Wachsen. In einer global vernetzten Bewegung trägt dann jeder ein kleines Stück dazu bei, dass ein Ergebnis entsteht, das von der Qualität her auch in der klassischen Marktwirtschaft mithalten kann."
 
 
 
  Das heißt, Commons im Bereich Wissen und Commons im Bereich natürliche Ressourcen sind zwei unterschiedliche Dinge.

"Natürliche Ressourcen werden weniger durch unsere Nutzung, kulturelle Ressourcen vermehren sich dadurch. Wir brauchen unterschiedliche Instrumente, um diese unterschiedlichen Ressourcen angemessen zu verwalten. Für beide gilt: Gerechtigkeit bei Zugang und Nutzen und dafür sorgen, dass am Ende möglichst viel Gemeinwohl und nicht Profit herauskommt. Zugangsgerechtigkeit bei Dingen wie Wasser zum Beispiel heißt ganz oft Zugangsbeschränkung. So, dass jeder noch einen lebenswichtigen Anteil bekommt. Beim Wissen ist das anders. Dort heißt Zugangsgerechtigkeit offener Zugang, damit dieses Wissen auch jedem zur Verfügung steht.

Ich glaube, dass die zentrale Ressource der Produktion neues Wissens das Prinzip der Freiwilligkeit und die freiwillige Übernahme von Verantwortung ist. Solche Eigenschaften verspüren Menschen auch, wenn sie sich um ihren Garten kümmern oder für ein bedrohtes Naturgebiet engagieren. Bei Commons geht es ganz stark darum, dass unsere Sozialbeziehungen intakt sind und dass wir uns gemeinsam mit anderen verantwortlich fühlen. Wenn dieses Gefühl hergestellt ist, kann man auch mit materiellen Ressourcen so umgehen, dass sich diese Verantwortung im Umgang mit diesen Ressourcen spiegelt."

 Wikipedia: Wo Wissen noch gemeinschaftlich produziert wird.
 
 
  Bedeutet Commons, dass die Ressourcen allen und uneingeschränkt zur Verfügung stehen?

"Gemeingüter sind kein Niemandsland. Das heißt, nicht jeder kann sie nach Gutdünken beliebig nutzen. Erfolgreiches Gemeingütermanagement heißt, dass es Regeln, Strukturen, Sanktionsmaßnahmen und Verantwortungsübernahme von einer Community gibt, die sich um diese Gemeingüter kümmert. Commons dürfen also kein Niemandsland sein, in das jeder seinen Müll kippt und seine CO-Emissionen pumpt. Der zentrale Ansatz ist, dass wir erst verstehen müssen, was Gemeingüter überhaupt sind. Wir müssen sie sehen und benennen lernen, für uns reklamieren und uns dann unserer Verantwortung bewusst werden, dass wir uns im globalen Bereich um diese Gemeinressourcen kümmern müssen."

Viele Forschungsergebnisse entstehen nicht aus Interesse am Gemeinwohl sondern aus Profitgründen. Kann eine Forschung überhaupt funktionieren, die für die "Gemeinschaft" arbeitet?

"Der erste Schritt ist, Forschung, also die Aneignung von Wissen als unser ureigenstes Anliegen zu definieren. Wenn wir das getan haben heißt das, die Forschungsergebnisse gehören uns allen und sind zu unserem Nutzen einzusetzen. Darüber befindet dann die Gesellschaft und kein finanziell potenter Auftraggeber. Die gegenwärtige Forschungsfinanzierung im Privatinteresse nimmt uns die gesellschaftliche Kontrolle über ein Commons, das sich Wissenschaft nennt."
 
 
 
  Was hat Robin Hood mit der Diskussion zu tun?

"Es ist kein Zufall, dass sich Robin Hood in dem Moment in die Wälder zurückzog und zum Sozialrevolutionär wurde, als die wichtigsten Commons der damaligen Zeit (13. Jahrhundert) der Gemeinschaft entzogen wurden. Die wichtigste Ressource damals war der Wald. Dem Wald wurden Holz, Wasser und Nahrungsmittel entnommen und zwar unabhängig von den damaligen Besitzverhältnissen. Das Land und der Boden gehörten immer schon dem Lord, aber das Nutzungsrecht gehörte allen. Als dieses Recht den Bach runter ging, wurde die Geschichte von Robin Hood zu einer Legende. Er zog sich in die Wälder zurück und verteidigte die Rechte der Bürger gegen die Ansprüche der Lords."

Wann hat sich die nun moderne Commons-Bewegung entwickelt?

"Es hat immer Gegenbewegungen und Widerstände gegeben. Durch den gigantischen technologischen Sprung des Internets konnte diese Bewegung aufgebaut werden. Seitdem begreift man Wissen und Kultur überhaupt erst als Gemeingut."

Welche Commons benutzen Sie?

"Zum Beispiel das Wasser, die Märchen, die ich meiner Tochter vorlese, die öffentlichen Räume, die Sachen, die ich zum Kochen brauche, Commons sind einfach überall."

Zahlen muss man für diese Dinge aber trotzdem.

"Nochmal: Commons sind kein Niemandsland. Es muss Regeln geben, damit diese Commons erhalten bleiben. Wenn dafür ein Preis zu zahlen ist, müssen wir uns an deren Finanzierung beteiligen."

 Dem Volk wurden die Commons entzogen, der fesche Robin Hood wurde zur Legende.
 
 
Freitag Abend: FM4 Bühne am Elevate
  Heute im Dom im Berg

Mainfloor

The Bug feat. Warrior Queen & MC Flowdan live (Ninja Tune, Rephlex / UK, JM)
Tim Exile live (Warp, Planet-Mu / DE)
Mark Pritchard aka Harmonic313 (Warp / UK)
Rustie (LuckyMe, Warp / UK)
Dorian Concept live (Kindred Spirits, affine Records / AT)
Alfred Gassenhauer (KomaFM / AT)

Visuals: kon.txt (AT)

2nd Floor

Deadbeat live (~scape, Wagonrepair / CA)
DJ Pinch (Tectonic, Punch Drunk / UK)
IZC (Dubsquare Rec., subFM / AT)
El Rakkas (COTN, luv / AT)
 
 
 
Liveübertragung
  La Boum De Luxe sendet heute, Freitag, live aus dem Dom im Berg. Beginnzeit ist 22 Uhr 40. Am Samstag gibt es ein La Boum De Luxe Spezial ab 21 Uhr.
 
fm4 links
  Das Elevate '08 auf fm4.orf.at

www.elevate.at
   
 
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