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  Österreich | 25.11.2008 | 13:16   

 
 
Im Fuzzroom mit 1981
  Von Alexandra Augustin
 
 
 
  Mitten im Herzen von Klagenfurt befindet sich eine unscheinbare Lagerhalle. Von Außen grau und kahl, im Inneren reihen sich aber die Kreativzellen aneinander. Einige Maler haben hier ihre Ateliers und auch der Fuzzroom, das Tonstudio von 'Fuzzman' Herwig Zamernik befindet sich hier. Einige Naked Lunch Alben sind hier bereits entstanden.

Aber nicht nur die eigenen Musikprojekte werden hier in Form gegossen. Herwig Zamernik greift auch gerne einmal anderen Musikern unter die Arme. Im Moment entsteht hier beispielsweise das zweite Album von Kreisky. Und das Debüt des Wiener Musikers Pieter Gabriel alias 1981.
 
 
 
Von Außen eine stinknormale Halle, im Inneren Ateliers und der Fuzzroom
 
 
Der Fuzzroom
  Pieter Gabriel ist der Sieger des diesjährigen MyCokeMusic Wettbewerbs, als Preis gab es ein Start Up-Packet für die Produktion des Debütalbums. Mit allem Drum und Dran wie Fotoshooting und Videodreh und freier Hand bei der Wahl des Produzenten und des Studios. Pieter Gabriel hat sich für Herwig Zamernik entschieden, der schon die Gewinner des letzten Jahres -
'The Artistry'- produziert hat. Ihn lockte die Abgeschiedenheit und Entfernung zwischen Wien und Klagenfurt, um sich mit etwas Distanz an die Arbeit für das Soloalbum zu machen. Und auch die ungewöhnliche Stimmung im Fuzzroom war für ihn ein guter Grund. Ein Studio, das sich deutlich von den meisten anderen Studios unterscheidet.

Denn hier herrscht das charmante Chaos und regiert der Nippes.
 
 
 
Hütesammlungen und gesammelte Zeichnungen und Fotografien an den Wänden
 
 
Mischpulte, alte Orgeln und Zylinder
  Zwischen Mischpulten und moderner Aufnahmetechnik finden sich antiquarische Instrumente, wie etwa ein altes Pianino, bei dem einige Tasten schon vor langer Zeit ihre Funktion verloren haben. Außerdem allerhand Zupf- und Blasinstrumente und kleine exotische Spielerein. Dazwischen Staub, Wurstsemmeln und viele Erinnerungsstücke, die Herwig Zamernik zusammengetragen hat: Etwa eine Hutsammlung, viele bunte, vergilbte Plakate und Fotografien. Genau die richtige Arbeits-Atmosphäre, wie Pieter erzählt:

"Ich mag dieses abgefuckte, gemütliche. Im Raum steht diese große, grüne Samtcouch, in die man sich reinfallen lassen kann. Und man hat hier einfach alles was man braucht. Es muss nicht immer alles blitzblank und High Tech sein. Hier raschelt alles, zwischendurch tickt die alte Wanduhr, die somit auch auf den Aufnahmen zu hören ist, aber egal. Hier hat einfach alles eine Seele."
 
 
 
 
 
Hinter der Glasscheibe verbirgt sich die 'Batcave' des Fuzzrooms: Hier wird aufgenommen und zusammen gemischt, was draußen im anderen Raum den Tasten, Gitarrensaiten und Stimmbändern entlockt wird.
 
 
  Dass ab und an der Künstler, der im Atelier nebenan seine Aquarelle malt während der Aufnahmen durch den Raum flitzt, stört niemanden. Und immer wieder gibt es im Fuzzroom neues zu entdecken und auszuprobieren:

Über die Klangflächen des alten Harmoniums in der Ecke haben bestimmt auch schon einmal ein paar Chorknaben ihre Lieder gesungen. Auch wenn das hölzerne Teil nach all den Jahren die es am Buckel hat schon etwas verstimmt ist, hat es sich zu Pieters Lieblingsinstrument entwickelt und findet sich auf fast jedem der bisher aufgenommen Stücke.
 
 
 
 
 
Die Aufnahmen
  Der Umgebung entsprechend gehen auch die Aufnahmen locker von der Hand. Strenger Zeitplan? Gibt es keinen. Jeder Aufnahmetag beginnt erst einmal mit gemütlichen Kaffeetrinken. Zwischendurch werden die aufgenommenen Stücke bei einem Glas Wein besprochen. Was am Ende des Tages letztlich im Kasten ist, ist jedes Mal eine kleine Überraschung.

Ursprüngliche Ideen und Erwartungen wurden von Pieter gleich am ersten Aufnahmetag im Oktober wieder verworfen. Seine Stücke, die er teilweise schon seit über einem Jahr spielt und bisher zu Hause, oft in wochenlanger Arbeit im Schlafzimmer aufgenommen hat, lassen sich hier im Studio nicht in der gleichen Form reproduzieren - und das ist auch gut so. Innerhalb von drei Wochen wollen alle Stücke aufgenommen sein und das ist für den Perfektionisten Pieter, der sich gerne viel Zeit lässt, gar nicht so einfach. Im Fuzzroom muss er nun ganz seinem Gefühl folgen und seinem Produzenten Herwig Zamernik vertrauen:

"Der Pieter ist ein talentierter Kerl und es macht wahnsinnigen Spaß, mit ihm zu arbeiten. Und wie greift man einem jungen Musiker wie ihm am besten unter die Arme? Indem man ihm das Gefühl gibt, sich zurücklehnen zu können. Sein Selbstbewusstsein stärkt. Beim Pieter ist es so, dass er lernen muss darauf zu vertrauen, dass das was er macht gut ist. Das einzige, dass ich ihm geben kann ist Rückendeckung und den zu ihm passenden, besten Klang."
 
 
 
Zwischen den Aufnahmen auf der gemütlichen Samtcouch
 
 
It all could be over so fast
  Die meisten Stücke des Songwriters sind melancholischer und düsterer ausgefallen als erwartet. Genau passend zum kalten, winterlichen Grau.

Die letzten Arbeitstage neigen sich dem Ende zu, anschließend geht es an das Mastern. Und wenn alles gut geht, erscheint das Album Anfang 2009. Wie die Scheibe heißen wird? Wie Pieter scherzhalber in seinem Blog erwähnt, ist zwischen 'hellrotem Album' und der schlicht selbstbetitelten Variante '1981' alles möglich. Und welches Label den Zuschlag bekommen wird, ist auch noch offen.

'Es wird sich alles ergeben', meint Pieter gelassen, nippt an seinem Kaffeebecher und beginnt auf dem alten, verstimmten Pianino 'Easy' von Faith No More zu klimpern.
 
 
 
  Mehr über die Aufnahmen von 1981 im Fuzzroom und die brandneue Nummer 'Voices' (noch nicht veröffentlicht)gibt es heute auch in FM4 Connected zwischen 15-19 Uhr zu hören.
 
fm4 links
  myspace.com/19eightyone
1981 auf MySpace
   
 
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