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  Österreich | 14.12.2008 | 16:40   

 
 
Die Politik und das Internet
  von Roland Gratzer

Wo Barack Obama einen erheblichen Teil seiner Spenden und auch seiner Wähler mit perfekten Online-Auftritten bekommen hat, fristet die Politik im Web 2.0 noch ein stilles Schattendasein. Ausnahmen natürlich vorhanden. Nachdem im Forum bereits ein über die Internet-Aktivitäten der österreichischen Innenpolitiker diskutiert wurde, haben wir die Web-Auftritte der demokratischen Akteure einem Check unterzogen. Mit eher ernüchterndem Ergebnis.
 
 
 
Stillstand nach der Wahl
  Gab es vor der Wahl am 28. September noch zaghafte Versuche, auch im Internet präsent zu sein, herrscht seitdem Flaute. Der Twitter-Account von Ex-ÖVP-Chef Wilhelm Molterer liegt auf Eis, sein Nachfolger Josef Pröll hat mit Micro-Blogging (noch) nichts am Hut. Auch auf youtube ist es still geworden. Die Videos von "Regisseur" Werner Faymann sind seit Anfang Oktober ohne Nachfolger geblieben, Pröll hat zumindest mit ein paar Filmchen vom Parteitag Ende November aufgeholt. Auf Twitter sind vor allem die Grünen aktiv. Allerdings haben sie auf die dort wichtige Holschuld vergessen und lesen anscheinend nichts von anderen Leuten. Ziel somit verfehlt.

 Barack Obama (Foto: change.gov)
 
 
Wenigstens ein iPhone
  Auch die persönlichen Websites der Spitzenkandidaten sind vor allem eines, nämlich statisch. Josef Pröll hatte bis vor kurzem noch eine klassische "Politik-Privat-Kontakt"-Seite, seit kurzem ist sein Auftritt in oevp.at integriert. Bei Kanzler Faymann kann man zumindest auf 'mail von mir' klicken, seine Fotos auf flickr stehen unter einer Creative Commons Lizenz.

Modern gestaltet ist die Website der Grünen. Die Inhalte können individuell angepasst werden und erlauben den Usern somit, selbst aktiv zu werden. Bei HC Strache sieht man immerhin recht schnell, dass der FPÖ-Chef ein iPhone benützt. Ansonsten gibt es außer dem "Viva HC"-Song zum Downloaden wenig Interaktives. Die Website des BZÖ steht nach wie vor im Zeichen des verstorbenen Parteigründers (inklusive "Jörg Haider - Der Film").
 
 
 
Foto: dkl
 
 
Keine große Lust am Bloggen
  Wer von Web 2.0 spricht, meint oft und gerne Weblogs. Blogs bieten gute Möglichkeiten für Politiker. Abseits des gängigen Aussendungs-Wordings können sie ihren Gedanken freien Lauf lassen und garniert mit persönlichen Häppchen die viel beschworene Bindung zur Wählerschaft aufbauen. Grundsätzlich ist aber zu sehen: Je bekannter die Politikerinnen und Politiker, desto weniger bloggen sie. Von den fünf Spitzenkandidaten der im Parlament vertretenen Parteien könnte man nur Eva Glawischnig von den Grünen als Bloggerin bezeichnen. Aber auch nur deshalb, weil sich auf ihrer Website das Wort Blog findet. Einen Eintrag gibt es noch nicht. Beispielhafter arbeitet hier Parteikollege Peter Pilz. Die Texte sind auch anders als klassische Presseaussendungen in der Ich-Form und somit persönlicher und damit blogtauglicher verfasst. Es gibt allerdings ein recht großes Gesamtverzeichnis aller grünen Politblogger.
 
 
 
  Bloggen tun auch SPÖ und ÖVP. Gerade die Volkspartei war in den letzten Jahren fleißig und hat sich aktiv um den Kontakt zur Blogosphäre bemüht. Bereits im Vorjahr wurden zum ersten Mal in der österreichischen Mediengeschichte Blogger zu einem Parteitag eingeladen. Was genau sie dort tun sollten, wussten die fünf Online-Publizisten zwar selber nicht genau, aber zumindest die Tatsache zählt. Fleißigster ÖVP-Blogger ist übrigens der Chef der Partei-Webredaktion Gerhard Loub. Und zwar so fleißig, dass er sich selbst den Zusatz "einfach so was von 2.0 ;-)" gibt. Auf der parteieigenen Website sind unter der Rubrik ÖVP im Web allerdings nur fünf Blogs von Parteimitgliedern verlinkt. Hier hat die SPÖ einen quantitativen Vorsprung. Immerhin 14 Sozialdemokraten werden offiziell angeführt. Manche Einträge datieren aber immer noch mit Ende September. BZÖ und FPÖ sind bisher kaum als große Web-Publizisten aufgefallen.
 
 
 
Foto: Smial
 
 
Fakebook
  Vertreten sind die österreichischen Politiker auch auf der Social Networking Plattform Facebook. Auf Platz eins liegt Wilhelm Molterer, der auf 628 "Freunde" kommt. Werner Faymann hat nur 147, darunter sind Hans Dichand und Der Inder. Spätestens bei Jörg Haider merkt man aber, dass es hier nicht mit rechten Dingen zugehen kann. Fast täglich berichtet er mit ganz ganz schlechten Witzen aus dem Himmel. Ein Rundruf bei den Parteien hat ergeben: Kein einziges der Profile stammt von den PolitikerInnen oder zumindest aus der Parteizentrale. Die Grünen wollen schon seit langem, dass die gefälschten Profile vom Netz genommen werden. Bisher aber ohne Erfolg.

Morgen, Montag ist Roland Gratzers Streifzug durch die Netzpräsenzen österreichischer PolitikerInnen in der FM4 Homebase (19-21 Uhr) zu hören.
 
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