Anlässlich der Feierlichkeiten heute Abend im Wiener Rhiz mit Live-Konzertsause von Birne Helene, dem Nino aus Wien, Mob und der Poly Kommune gibt es hier ein Labelportrait.
Knapp ein Jahr ist es her, da waren Stefan Redelsteiner und Andrei Jafarau im FM4 Soundpark Studio zu Gast, um enthusiastisch über ihr 'Baby' zu erzählen. Ein neues Label hatte in Wien das Licht der Welt erblickt. Die musikalische Ausrichtung? Schwer zu fassen. Die Intention: Neben Labels wie Siluh-, seayou-, Wohnzimmer- und Fettkakao Records noch ein Stückchen mehr Musik aus heimischen Gefilden ins Rampenlicht zu rücken. Da fragte man sich insgeheim: Ist denn überhaupt noch Platz für ein derartiges Label? Gibt es noch Bands, die uns bisher entgangen sind, die jetzt bei Problembär Records eine Plattform finden werden?
Die klare Antwort der beiden Neo-Labelgründer auf diese Frage war 'JA'. Und in einem Jahr des Bestehens darf das neuerste aller österreichischen Labels auf einen kleinen aber feinen Katalog zurückblicken.
Wunderbären und Problembären
'Die Idee zu Problembär Records kam mir im Sommer 2007, nachdem ich den Film '24 Hour Party People', den Film über Tony Wilson und Factory Records, gesehen hatte. Da dachte ich mir, das dürfte doch eigentlich viel Spaß machen und schwer sieht das auch nicht aus, ein Indie Label zu führen. Das mit der harten Arbeit hat sich dann zwar nicht ganz richtig herausgestellt, Spaß macht es aber trotzdem', erzählte Stefan Redelsteiner damals im Interview.
Aus der Idee wurde Ernst und nach einer kurzen Selbstschulung in Sachen Labelführung war 'Wunderbär Records' geboren. Knappe Zeit später flatterte aber sogleich ein Klagebrief durch den Briefschlitz der Kellertüre, der den jungen Labelbetreibern eine Menge Probleme verursachte. Denn der Name 'Wunderbär' war bereits markenrechtlich geschützt. Aus der Not wurde eine Tugend, aus Wunderbären wurden 'Problembären'.
Und auf Problembär Records finden sich eine Hand voll junger Songwriter und D.I.Y.-Musikanten verschiedenster, nicht immer einfach beschreibbarer musikalischer Genres.
Birne Helene, Der Nino aus Wien, Neuschnee und Living Lâche zum Beispiel:
Der Nino aus Wien
Da wären zum Beispiel einmal der Nino aus Wien. Irgendwo zwischen Weird-Folk-Popsong-Songwritertum angesiedelt, nur dass diese Musik eben nicht Omaha oder Portland stammt, sondern aus Hirschstetten im 22. Wiener Gemeindebezirk. Soeben ist sein Debüt 'The Ocelot Show' erschienen. Mit der Gitarre bewaffnet, singt Nino auf dem Album 11 anständige Folksongs, in denen er auf unterhaltsame Weise vom Leben in einer tristen Heimat und allerlei Lebensschwierigkeiten erzählt. Und das, obwohl 'der Nino' selbst meint, dass er eigentlich nur über Gemüse und Tiere Lieder schreiben kann. Kann er ürbigens sehr gut, davon zeugen Lieder wie der 'Spinat Song'. Gesungen wird übrigens in äußerst sympathischer Manier auf deutsch.
Der Nino aus Wien
Vanilleeis, Dosenbirnen und Schokosauce
Birne Helene ist ein mittelmäßig schmeckender Eisbecher, bestehend aus Dosenbirnen, billigem Vanilleeis und klebriger Schokosauce. Das schmeckt sicher nicht jedem/r aber Birne Helene als Bandname gibt allemal viel her. Lärmender Indie-Garage-Gitarrenrock ist das, der sich da auf dem Debüt 'Dakvifo' tummelt. Für Freunde von Dinosaur Jr. und Sonic Youth - aber ebenfalls in deutscher Sprache vorgetragen.
Ein Streichquartett und ein Singer/Songwriter?
Angeführt vom Singer/Songwriter Hans Wagner (u.a. auch das Trojanische Pferd und KES) präsentieren sich Neuschnee als eine Formation, in der sich klassisches Songwritertum und allerhand Streicher ein Stelldichein liefern.
'Neuschnee ist der Versuch eines zwischen Pop-Schlampe und Klassikliebhaber hin- und hergerissenen jungen Mannes Frieden mit diesen beiden Welten zu schliessen.'
So klingt das also, wenn man Radiohead, Nick Drake und Franz Schubert gleichsam verehrt.
Neuschnee
Foto: (c) 2007 Ludwig Kannicht
Living Lâche
Living Lâche vermengen bereits seit einigen Jahren ihre Vorliebe für Bands wie die Pogues, The Clash und die Dubliners mit einem charmanten Wiener Schmäh in ihrer eigenen Musik.
Ihr aktuelles Album: "Living Lâche and other typical Pub Situations" ist auf 21st Recordings, dem folkigen Sub-Label von Problembär Records erschienen. Produziert hat es Sir Tralala höchstpersönlich. Am neuen Longplayer wird bereits eifrigst gebastelt.
Heute Abend (28.12) wird der Jahrestag ausgiebig im Wiener Rhiz gefeiert! Live mit Birne Helene, dem Nino aus Wien, der Poly Kommune und Mob. Am Plattenteller werkt Sir Tralala.