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  Österreich | 1.1.2009 | 16:14   

 
 
"Ich schäme mich für mein Land"
  "Ich schäme mich für die Politiker, die hier das Sagen haben und für die Leute, die ihnen diese Macht verleihen. Die Rede ist von Kärnten, meiner Heimat.", schrieb uns Judith in einem E-Mail. Die 18jährige Germanistik-Studentin ist das öffentliche Kärnten-Bild leid, sie wehrt sich gegen die automatische Gleichsetzung von KärtnerInnen mit BZÖ-WählerInnen und Haider-AnhängerInnen. Am 2. Jänner ist Judith zu Gast im Jugendzimmer bei Claus Pirschner um mit ihm und allen, die mitdiskutieren wollen, über Vorurteile, das Kärntenbild der Öffentlichkeit und den Kult um Jörg Haider zu sprechen.
 
 
 
Ich schäme mich für mein Land
  von Judith Painsi

Ich schäme mich für die Politiker, die hier das Sagen haben und für die Leute, die ihnen diese Macht verleihen.
Die Rede ist von Kärnten, meiner Heimat. Das BZÖ ging bei den Nationalratswahlen 2008 in diesem Bundesland als eindeutiger Sieger hervor. Viele meiner Freunde haben es gewählt. Ich nicht. Meine Stimme bekamen die Grünen. Ich musste oft spitzen Seitenhieben, ob meiner politischen Orientierung, ausweichen. Ich selbst war jedoch darauf bedacht, zu versuchen zu verstehen, was diese Leute dazu bewegt hat, Orange zu wählen. Ich bekam viele Antworten auf meine Fragen. Nur wenige hatten mit dem tatsächlichen Parteiprogramm des BZÖ zu tun. Viele sagten, sie teilten Haiders Sichtweise über Ausländer. Ich bezweifle allerdings, dass der Großteil wusste, was denn genau sein Standpunkt zu diesem Thema war, denn vielen Bündnis-Wählern aus meinem Freundeskreis, kann ich ein fehlendes Interesse an Politik nicht absprechen.

 
 
 
  Der Hauptgrund diese Partei zu wählen, war in erster Linie ein Mann. Sein Name fiel immer und immer wieder, wenn es um Politik ging. Und jetzt ist er tot. Ein viel zu lauter Aufschrei erschütterte Kärnten. Ich glaube, die Kärntner sind ein großes Mitläufer-Volk. Ich denke auch, dass sich dies auf das Wahlergebnis dahingehend ausgewirkt hat, dass viele Menschen das BZÖ wählten, weil viele andere Menschen das BZÖ wählten. Und genauso verhielt es sich mit der unglaublichen Trauer, die die Bevölkerung zeigte. Man weinte, weil viele weinten.
Die Umstände des Todes von Jörg Haider sind allen bekannt. Und seien wir uns ehrlich, welch anderer Tod hätte zu einem Jörg Haider gepasst? Er war ein schnelllebiger Mensch, der von einer Veranstaltung zur nächsten rauschte, der die Aufmerksamkeit liebte und sie um jeden Preis auf sich zog. Dies hat er mit seinem Abgang ganz vortrefflich geschafft.
Sogar noch heute, zwei Monate sind seit dem Unfall vergangen, geistert er noch immer durch die Medien, wie ein ewiger Fluch.

 
 
 
  Auch ich erlebte seinen Todestag. Auch ich war ergriffen. Nur auf eine gänzlich andere Art, als viele Kärntner. Ich war keineswegs froh, oder erleichtert. Ich glaube, dass ist auch schwer möglich. Ich war schockiert, konnte es nicht fassen, musste immer wieder den einen Satz laut formulieren: "Und jetzt ist er tot!". Ich fragte mich, was dieses Ereignis wohl für Folgen haben würde und diese Frage beschäftigt mich heute noch.
Direkt aus diesem resultierte die mittlerweile wohl jedem bekannte und umstrittene Folge von Willkommen Österreich und die grenzenlos überzogene Reaktion der beiden Rechtsparteien und deren Anhänger darauf. Dies wiederum führte zu einer Diskussionsrunde im Zentrum zu diesem Thema, welche für mich der Auslöser war, Restösterreich zeigen zu wollen, dass es auch ein anderes Kärnten gibt.

 
 
 
  Es war eine Fünf-gegen-Einen-Diskussion, was Uwe Scheuch vielleicht nicht einmal einen Nachteil verschaffte. Er konnte in die Rolle des Gejagten schlüpfen, lief jedoch nicht davon, sondern biss zurück, was vor allem meinen BZÖ-Freunden imponierte, die ihn als eine Art einzigen Verteidiger der Kärntner Ehre ansahen. Mir hingegen rief er Brechreiz hervor.
Das schlimmste für mich war, dass Uwe Scheuch immer wieder von den Kärntnern im Allgemeinen sprach. Ich bin Kärntnerin und ich teile die landläufige Meinung NICHT! Auch stimmt es nicht, dass der Großteil der Kärntner so denkt. Der Großteil hat seine Stimme nicht dem BZÖ gegeben. Der Großteil hat andere Parteien gewählt.
Und so werde ich von Uwe Scheuchs Besen, mit allen anderen Menschen, die seine Meinung nicht teilen, von denen ich wirklich genügend kenne, unter eine orange Zipfelmütze gekehrt, die ihren Führer verloren hat.
 
 
 
Jugendzimmer am 2. Jänner 2009, 19 Uhr
  Am 2. Jänner ist Judith im Jugendzimmer bei Claus Pirschner zu Gast. Themen sind das Kärntenbild und der Haiderkult vor und nach seinem Ableben.
 
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