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  Österreich | 6.9.2002 | 11:18   

 
 
Sabotage - 10 Jahre Interventionen zwischen Kunst und Club
  von Martin Pieper

Anfang der 90er Jahre war eine gute Zeit. Damals, als Techno noch eine wirklich treibende Kraft der Kulturproduktion war, sind die Grundsteine für Netzwerke gelegt worden, die noch heute die Energieströme der hiesigen Label/Musik/Clublandschaft durchfließen. Dabei hat sich die bevorzugte Arbeitsstruktur "befreundetes Netzwerk" als erstaunlich tragfähig erwiesen. Von Cheap Records bis G-Stone, von Mego bis zu den ungezogenen Kindern von Monochrom, die diversen, sich gegenseitig beeinflussenden Tribes haben was bewegt und bewegen immer noch. In diesem kreativen Biotop - nicht zu verwechseln übrigens mit den vielbeschworenen "creative industries" - ist auch Robert Jelinek und sein Projekt Sabotage entstanden. Sabotage bewegt sich wie selbstverständlich seit 10 Jahren zwischen Kunst und Club, ganz ohne zweifelhafter Crossover-Attitüde. Die nicht tot zu kriegende Strategie, die Robert Jelinek für seine waghalsigen Unternehmungen gewählt hat, die heißt Subversion. Wer hat schließlich nicht Spaß an ein klein wenig Sabotage?
 Sabotage-Mastermind Robert Jelinek
 
 
Enter the state of Sabotage
  Der ironische Größenwahn von Sabotage (natürlich mit "tm" - wie Trademark - hintendran) hat dazu geführt, dass sich die Selbstbeschreibung von Sabotage Honcho Robert Jelinek mittlerweile so liest: "Multifunction as artist, label runner, publisher, editor, landlord, agent provocateur, shamen, visionaire, concept engineer and founder of the following enterprises: Sabotage Communications, Cash - The Scent of Money, de Toilette, Sabotage Recordings, Subetage Records, Craft Records, Alibi Service and Turbulent Editions. Artistic activities in the fields of conflict research, shamanism, scents, electronic music, actionism and gravity. Member of 22nd Eliminate, Klondike Enterprises and SCUD.!" Sabotage ist gleichzeitig subversive Intervention, (pseudo)wissenschaftliches Institut, Modelabel, Partyveranstalter, Leute Zusammenbringer und Plattenfirma.
 
 
 
Die Aktionen
  Vor 10 Jahren hat Robert Jelinek damit begonnen Telefonzellen zu manipulieren. Er hat Telefonbücher vertauscht oder Mikrofone angebracht, die die privaten Gespräche ungeniert in den Außenraum übertrugen. Billige Alarmanlagen aus dem Elektro-Ramsch-Laden hat er in großen Museen selbst installiert und ahnungslose Besucher zu potentiellen Kunstdieben gemacht. In Fotoautomaten hat er mit einer simplen Intervention dafür gesorgt, dass statt des gewünschten Passbildes ein Porträt mit dem berüchtigten schwarzen Balken über den Augen herauskam.

Seit einiger Zeit widmet sich Sabotage dem Sinn, der laut Robert Jelinek in der Kunstgeschichte immer unterbewertet war: dem Geruchsinn. Bekanntestes Produkt aus dem Hause Sabotage war das Eau de Toilette "Cash", das in einem elegant geknickten Flakon den Geruch frisch gedruckter Banknoten verströmte. Die Parfumserie von Sabotage wurde forgesetzt mit den Duftsorten 'Austria' (für die Expo 2000) und 'Asyl' ("The scent that remains, even if they don't."). Hinter all diesen Geruchsexperimenten steckt die Idee, das Herstellen von Geruch nicht nur der Kosmetik- und Pharmaindustrie zu überlassen.

 Do not disturb.

 
audio
 
title: Die Parfum-Duftrichtungen 'Schweiß' und 'Burger King' werden im Sumpf präsentiert. (10-09-2000)
artist: Ostermayer/Edlinger/Jelinek
length: 0:39
MP3 (477KB) | WMA
   
 
 
 
 
Das Ende von Sabotage
  Unvergessen ist das Ende von Sabotage Records, dem ursprünglichen Musik-Department von Robert Jelinek, das hochoffiziell 1999 im Wiener Flex sein spektakuläres Ende nahm. Alle Vinylrestbestände von Sabotage Records wurden für diesen Anlass eingeschmolzen und als Bodenbelag für den Dancefloor im Flex verwendet. Sinnfälliger kann Recycling nicht sein, immerhin tanzen die Flex-BesucherInnen seitdem nicht nur zum guten alten Vinyl, sondern auch auf dem kostbaren Erdöldatenträger.

 
 
 
 
Musiksabotage
  Das Musiklabel von Robert Jelinek heißt mittlerweile "Subetage Records" und hat sich vor allem durch interessante Hip-Hop und Electrocompilations einen Namen gemacht. Die bekanntesten davon: Fried Cutz, der Russland Sampler PutIn Out oder zuletzt der Sampler Verdachtsmomente, der sich mit Polizeigewalt und Überwachung auseinandersetzt. Daneben hat sich auch Craft Records behauptet, schon wieder so eine Subdivision von Sabotage, das den einzelnen Acts, wie Alois Huber, EPY, Men At Arms oder Alex Is My Bro Gelegenheit bietet, sich musikalisch auszubreiten.

 
 
Sabotage feiert!
  10 Jahre Arbeit im Graubereich müssen gefeiert werden. Am Samstag, 7. September gibt's im Wiener Flex die große Geburtstagssause mit den DJs Urbs & Cutex und den Men At Arms. Live spielen Norscq aus Paris und Philipp Quehenberger. Eine musikalische Vorschau auf den Flex-Abend bietet übrigens auch FM4-La Boum de Luxe am Freitag.

Das Werk von Sabotage wird auch in Buchform gewürdigt. Im Berliner Verlag Die Gestalten ist das Buch 'Torments & Vices' erschienen, ein schöner Bildband über die Musik und die Aktionen von Sabotage. Gleichzeitig veröffentlicht die Edition Selene den Band "Das Medien/Mysterien Theater", ein Archiv der medialen Berichterstattung über die Arbeit von Robert Jelinek.

 
 
Sabotage - Die Ahnen:
  Situationistische Internationale, Fluxus, Sex Pistols und Malcolm McLaren, The KLF, Abuse Industries.
 
 
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