Wien | 28.12.2002 | 14:59 Frag Fräulein Frieda! Nachhilfe in Liebes- und Körperkunde
Bretter, die das Bett bedeuten
Das Jahr 2002 - was ist alles passiert?
Nun, in puncto Sex bin als aller erstes mal ICH passiert. Fräulein Frieda, die seit März auf FM4 über Sex redet bzw. reden sollte. Aber nicht nur FM4 hat den Sex neu entdeckt - auch das ORF Fernsehen beglückt mit DirtyTalk: Sex and the City läuft Ende 2001 an und ist vom ersten Sendetermin an der Quotenhammer. Warum? Können wir uns mit den vier neurotischen Damen identifizieren? Nicht im Geringsten, sag ich mal. Ein Update von Reich und Schön, mit dem Special Feature Sex.
Baby Boom
Zu Sarah Jessica Parker fällt mir gleich der nächste Punkt ein: Kinder. Denn was die Presse dieses Jahr am meisten beschäftigt hat, war weder Sex noch Orgien, sondern der heilige Teil danach: Mutterschaft und wie man trotz der Geburtsschmerzen sexy bleibt. Sarah Jessica Parker hat's getan, Claudia Schiffer auch, genauso wie Kate Moss und Elle McPherson. Alle unsere Sexbomben haben Kinder gekriegt und endlich - ja, ich sage ENDLICH!- die Verbindung geschaffen von Hure und Heiliger. Oder stehen wir jetzt vor dem Problem der Superweiber, die alles können? Blödsinn - denn beim Sex geht's ja in erster Linie ums eigene Leben.
Nach sehr viel Sex kommen manchmal sehr viele Babys.
Cocooning
Deshalb gehen wir mal weg von den Brettern, die die Welt bedeuten, zu den Brettern, die das Bett bedeuten. "Cocooning" heißt eines dieser Schlagworte, genauso wie "Nesting", die seit den 90ern herumschwirren und auch im Jahr 2002 ihre Gültigkeit behalten haben. Was Cocooning und Nesting bedeuten? Rückzug ins kuschelige Heim. Nein, ich muss mir die Nacht nicht um die Ohren schlagen, ich hab ja einen Freund, eine Flasche Wein und die gemütlichste Couch der Welt.
Beim Sex ist es das selbe: Kein wildes Herumvögeln in der Weltgeschichte, sondern Partnerschaften von längerer Dauer sind das Ziel der 15-25-jährigen Menschen heutzutage.
Wo hingegen wieder einmal die Fetzen geflogen sind, war bei der Veröffentlichung der Sexbroschüre vom Bundesministerium. Die"Aufforderung zum tierischen Treiben" wollen manche zwischen den Zeilen herausgelesen haben. Ich selber hab auf den ganzen 90 Seiten kein einziges "Ficken", "Vögeln" oder "Bumsen" gefunden, geschweige denn einen Ausrutscher der härteren Gangart. Ganz sensibel wurde die Diskussion über Sexualität in der Broschüre angekurbelt - und hoffentlich auch zum Laufen gebracht.
Tierisches Treiben?
Was das homosexuelle Leben betrifft, gab's auch einige Neuerungen: Der Paragraph 209 würde umgearbeitet in den Paragraphen 207b. Jetzt ist es Auslegungssache, ob man reif genug ist für Sex oder nicht.
Ansonsten hatte das Jahr 2002 medial nichts Aufregendes in Bezug auf Sex zu bieten. Und das ist auch gut so. Sex ist zwar allgegenwärtig, verliert aber schön langsam die Aggressivität. Damit wir uns endlich wieder auf uns selber konzentrieren können...
rewind.2002«Mathiaz: Das Verschwinden Mach's gut und danke für den Fisch. Abschied zum Einstieg und Ausklang für das Jahr. Ein Blick auf die Zeitungskrise in Deutschland.
rewind.2002«Janis: Alltag' Nein, kein Report vom Rotlichtmilieu, sondern eine praktische mathematische Anwendung, um zu demonstrieren, wie sehr ein (FH-)Studium den Alltag umkrempeln kann.
rewind.2002«Blumenau: macht ja nichts. Keine Helden. Keine Sprache. Keine Waffe. Keine Themenführerschaft. Macht eigentlich ja auch nichts. Schadet nur enorm.
rewind.2002«Burstup: Deutscher HipHop Ist der deutsche HipHop noch am Leben? Krise, Katerstimmung nach dem Hype, oder eh alles roger? Ein kleiner Rückblick.
rewind.2002«Fuchs: Pop eats itself Mit Punk im Kopf, Rawk'n'Roll im Bauch, Electro in den Beinen und den Osbournes als Eltern durch ein Jahr der Krisen und Fluten. Nullzwei im Bastard-Pop-Mix.