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Wien | 12.5.2004 | 16:01 
Twilight Zone: Musik-, Film-, Comics & more aus den schummrigen Gebieten des Pop.

Rotifer, Blumenau

 
 
Vergissmeinnicht
  Wenn mich jemand schnell nach meinem Lieblingsgenre fragt, antworte ich reflexartig: Horrorfilme. Dabei verdanke ich meine nachhaltigsten Kinoerlebnisse der letzten Jahre einer ganz anderen Art von Streifen. Ich sage jetzt mal romantische Tragikomödien dazu. Und verweise wieder einmal auf so wunderbare Werke wie 'Punch Drunk Love' und natürlich 'Lost in Translation'. Ich nehme mir sogar die Freiheit heraus und zähle Vol.2 der 'Kill Bill'-Saga dazu, denn der hat mich auch gleichermaßen gerührt wie zum Lachen gebracht.

"Romantic Comedies" galten lange Zeit als Tabu-Genre, vor allem, was das amerikanische Kino betroffen hat. Harmlose Witzchen und ein schmalztriefendes Happy End, dazu die Visagen von wahlweise Tom Hanks, Meg Ryan oder Julia Roberts, das war nur was für Fadgas-Pärchen, die einen Grund zum Händchenhalten im dunklen Vorführsaal suchten.
 'Eternal Sunshine Of The Spotless Mind'
 
 
Absurder Humor
  Ein begnadeter Drehbuchautor hat das alles dann geändert. Mit 'Being John Malkovich', aus der Feder von Charlie Kaufman, bekam die Romantic Comedy ein anderes Gesicht. Ein unfassbar absurder Humor pulsierte durch diesen Film, gleichzeitig mit einem Gespür für Realismus, für Situationen, mit denen wir uns auch im echten Leben herumschlagen müssen (ich meine jetzt nicht den 7 1/2ten Stock). Mit Spike Jonze fand Kaufman den idealen Regisseur für seine bizarre, komplexe, traumwandlerische Weltsicht.

Mit dem zu Recht gefeierten 'Adaptation' arbeitete dasselbe Gespann ein weiteres Mal kongenial zusammen. Die Tragikomödie, die von den Problemen des Charlie Kaufman himself (und seinem Filmzwillingsbruder) handelte, zeigt auch, wie bestimmte Mainstream-Akteure zur Topform auflaufen können, wenn sie ein so irrwitziges Skript als Vorlage haben. Ich sage nur: Meryl Streep. Ein Wahnsinn.

 Mr. Charlie Kaufman
 
 
Gehirnzellen und Lachmuskeln
  Viel spärlicher beachtet, weil ohne Kino-Starttermin hierzulande, wurde ein anderer Streifen aus der Feder des einzigartigen Drehbuchschreibers. Bei 'Human Nature', einer sehr haarigen und wirklich köstlichen Lovestory, wirkt Spike Jonze nur als Produzent mit, Regie führt sein Kumpel und Clip-Veteran Michel Gondry. Der Franzose bewies unlängst auch mit einer DVD-Sammlung seiner famosen Musikvideos für Acts wie Björk oder The White Stripes sein Talent für groteske und zugleich einfühlsame Szenarien. Nun legt Gondry, gemeinsam mit Charlie K., einen Film vor, für den mir erstmal nur ein Wort einfällt: Meisterwerk!

'Eternal Sunshine of the Spotless Mind', wie 'Vergissmeinnicht' im Original viel poetischer betitelt ist, ist wieder so ein Streifen aus dieser raren Kategorie: Er stimuliert Gehirnzellen wie Lachmuskeln und wer am Ende nicht dem Heulen nahe ist, versteht das Chaos menschlicher Beziehungen nicht mal in Ansätzen. Und es ist auch ein Streifen, der umso besser funktioniert, je weniger du über ihn weißt.

 Joel (Jim Carrey) und Clementine (Kate Winslet)
 
 
Pfeile in Zuschauerherzen
  Nur soviel: Es geht um ein (Ex-)Paar, das direkt der Nachbarschaft (meiner zumindest) entsprungen sein könnte. Clementine (Kate Winslet) und Joel (Jim Carrey) haben gerade den Punkt in ihrem Zusammensein erreicht, wo Liebe in ständige Kompromisse und Zweifel und offene Aggression umschlägt. Die Frau mit den bunt gefärbten Haaren zieht einen Schlussstrich, vor dem sich der Mann noch drückt: Sie wendet sich an eine obskure Firma, die es möglich macht, sämtliche Erinnerungen an den Partner aus dem Gedächtnis zu löschen.

Mehr verrate ich wirklich nicht. Außer, dass in dieser emotionalen und visuellen Achterbahnfahrt der beste, der ungewöhnlichste (weil ernste) Jim Carrey ever auf die famose Kate Winslet trifft. Den beiden zuzusehen ist alleine ein Genuss. Dabei sind Kirsten Dunst, Mark Ruffalo und Elijah Wood in den Nebenrollen auch eine Wucht. Die Kamera von Ellen Kuras (die ansonsten gerne mit Spike Lee und Jim Jarmusch arbeitet) schafft genau die richtige Stimmung, die Musik von Jon Brion ('Punch Drunk Love', 'Magnolia') schießt Pfeile in Zuschauerherzen.

Ein durchgeknalltes Stück Surrealismus, das im selben Moment von unser aller Wirklichkeit erzählt: Auch so etwas ist in Hollywood noch möglich.

 Der beste Jim Carrey ever
 
 
FM4-Der Standard-Kinopremiere
  'Eternal Sunshine of the Spotless Mind' (Vergissmeinnicht), OmU, 108 min, 2004
Wann: Dienstag, 18.5.2004, um 20.00h
Wo: Artis International, Saal 3
Adresse: 1010 Wien, Schultergasse 5

 
 
Karten verlost
  Die 25x2 Karten sind bereits verlost, die GewinnerInnen wurden per Mail verständigt.
 
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  eternalsunshine.com
   
 
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