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Wien | 24.11.2005 | 10:41 
Twilight Zone: Musik-, Film-, Comics & more aus den schummrigen Gebieten des Pop.

Rotifer, Blumenau

 
 
You can't take the sky from me
  Mögen manche vertrauenswürdige Kräfte noch so schwärmen, das Universum der Vampirjägerin 'Buffy' und des verwandten 'Angel' hat sich mir nie erschlossen. Allerdings verstehe ich seit kurzem die Verehrung für den Schöpfer dieser Figuren. Ich bin jetzt nämlich auch Joss Whedon-Fan.

Schuld daran ist eine andere Serie dieses Herren, die mich unlängst mit großer Verspätung in ihren Bann zog. Die Science-Fiction-Saga 'Firefly' lief in den USA bereits 2002 an, wurde jedoch wegen zu geringer Quoten vom Fox-Network mitten in der ersten Staffel gecancelt.
 
 
  Was danach passierte, hatte es aber seit den Urzeiten von 'Star Trek' nicht mehr gegeben. Die Fans reagierten auf die übereilte Absetzung mit einer unglaublichen Protestkampagne, bei der sogar Flugblätter verteilt und teure Anzeigen geschaltet wurden.

Letztendlich verdankt es sich dieser immensen Begeisterung, dass 'Firefly' nun in Form eines großartigen Kinofilms wiederaufersteht.
 
 
 
Outlaw-Idylle
  Willkommen an Bord des Raumschiffs Serenity. Der rostige Frachtenkreuzer gleitet durch ein Weltall, das im 26. Jahrhundert allmählich von Menschen erschlossen wird. Außerirdische gibt es scheinbar keine da draußen in der unendlichen Finsternis, dafür jede Menge unterentwickelter Planeten, auf denen Siedler ihr Glück versuchen.

In dieser Zukunft, die frappant der Ära des Wilden Westens ähnelt, regiert die so genannte Allianz, deren Propagandaorgane ein friedliches Zusammenleben aller Völker predigen. Captain Malcom "Mal" Reynolds (Nathan Fillion) glaubt davon aber kein Wort, kämpfte er doch einst in einem blutigen Bürgerkrieg gegen die Staatsmacht. Nun will der desillusionierte Kommandant aber nichts mehr von Politik hören, gemeinsam mit der kleinen Besatzung der Serenity schlägt er sich mit Schmuggeleien und Diebstählen durch.

 
 
  Die raue und dennoch herzliche Outlaw-Idylle von Mal und seiner Crew wird nicht nur von den Reavers immer wieder gestört, einer kannibalistischen Spezies am Rande der Galaxis. Es sind vor allem zwei Passagiere, die für gröbere Probleme sorgen. Die junge River befindet sich mit ihrem Bruder Simon auf der Flucht vor der Allianz. Das verstörte Mädchen (Summer Glau) scheint über Fähigkeiten zu verfügen, die den Mächtigen äußerst gefährlich werden könnten.

 
 
Die Punk-Version
  Joss Whedon leugnet gar nicht, dass bestimmte Elemente seiner Geschichte an die alte 'Star Wars'-Trilogie erinnern und auch an die noch viel älteren Abenteuer des Raumschiffs Enterprise. Gleichzeitig unterläuft er aber sämtliche Stereotypen, die mit diesen und anderen Vorbildern verbunden sind. "Es gab schon immer die Punk-Rebellion der Jungen gegen ihre Väter", meint Whedon.
 
 
 
  Da gibt es dann keine neunmalklugen Aliens, sprechenden Kuscheltiere oder ähnlichen Kinderkram. Keine streichelweichen Prinzessinen oder moralisch einwandfreien Weltraum-Ritter. Stattdessen werden Prostituierte hoch geehrt und Gegner in den Rücken geschossen und zwar mit einem Colt.

Die hochbegabte Chefingeneurin Kaylee (Jewel Staite) darf im Universum von Mr. Whedon ein verträumtes Hippiegirl sein, das den Maschinenraum mit Blumen verziert. Die ultratoughe Ex-Soldatin und Scharfschützin Zoe (Gina Torres) ist ausgerechnet mit dem Softie-Piloten Wash (Alan Tudyk) verheiratet. Und Mal Reynolds, dieser übercoole Hund von Captain, aus dessen Mund die schnoddrigen Oneliner im Maschinengewehrtempo kommen, hat zwar Ansätze von Han Solo und James T. Kirk. Gleichzeitig ist er aber auch ein schüchterner Anti-Frauenheld, ein naiver Cowboy, ein knallharter Killer.

 
 
Herz, Hirn, Humor
  Vielleicht war es genau dieser Verzicht auf eindimensionale Charaktere, der die Serenity bei ihrem TV-Jungfernflug abstürzen ließ. Möglicherweise sind nur die Zuseher von Kaufkanälen wie HBO ('Six Feet Under') reif für so vielfältige Figuren, nicht aber die normalen Network-Konsumenten. Oder es waren all die anderen Ideen von Joss Whedon, die den Durchschnittsamerikaner bei 'Firefly' verwirrten: die eingestreuten chinesischen Sprüche, die auf die größte Weltmacht der Zukunft verweisen, die Westernklamotten, Countrymusik statt futuristischer Klänge.

Ist ja auch egal, dank der Browncoats, wie sich die Serienanhänger nennen, gibt es jetzt im Kino ein Wiedersehen oder eben einen Erstkontakt mit der Serenity. Mit dem Bruchteil des Budgets großer Blockbuster schuf Autor und Regisseur Whedon nicht nur den Science-Fiction-Film des Jahres. Er gibt dem amerikanischen Genre-Mainstream auch zurück, was ihm seit geraumer Zeit schmerzlich abgeht: Herz, Hirn und Humor.

 
 
  Besorgt euch auf irgendeine Weise die 'Firefly'-DVD-Box. Seht euch danach 'Serenity' an. Und glaubt mir, euer Leben wird ein besseres sein. Es geht hier nicht um dämliche Spezialeffekte, sondern um Liebe. Ich verabschiede mich jetzt, I've got some captainy things to do.

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  serenitymovie.com
   
 
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