Man merkt es an der aufgekratzten Stimmung bei der übervollen Pressevorführung: Der mittlere Medienhype der letzten Wochen hat funktioniert. Hier wird nicht irgendein durchschnittlicher österreichischer Streifen von der Journaille ignoriert, sondern so etwas wie ein Austro-Blockbuster mit offenen Armen empfangen.
Und das ist ja erst einmal nichts Schlechtes. Denn schaden können ein bisschen Hysterie und Trubel der langweiligen heimischen Kinolandschaft sicher nicht. Wenn der Film dann noch dazu keine kabarettistischen Trampelpfade beschreitet, sondern ein überzogenes Tribut an eine überzogene Popfigur verspricht, hört sich das noch besser an.
Aber leider, alles, was Falco verkörperte, die wunderbare Exaltiertheit und den bissigen Schmäh, die dekadenten Posen und den cleveren Zugang zum Pop, sucht man in diesem Film vergeblich.
Zugespitzte Schlüsselmomente
'Falco - Verdammt, wir leben noch!' wirkt wie ein biederes Fernsehspiel über einen Mann, dessen Songs knalliges Cinemascope-Format hatten.
Regisseur Thomas Roth, der vor allem für seine 'Trautmann'-TV-Krimis bekannt ist, zeigt zwar Kokainspuren auf Designertischen und gewalttätige Beziehungskrisen, er lässt seinen Titelhelden derbe Sprüche klopfen und die meisten Darstellerinnen nackt durchs Bild flitzen, aber das macht den Film um nichts weniger brav.
Viel zu lehrbuchgemäß folgt die Story dem üblichen Vorbild unzähliger Musikerfilme und verrennt sich in eine Abfolge klischeehaft zugespitzter Schlüsselmomente. Es ist die Lebensgeschichte eines großen Hans, so wie sich das der kleine Hansi vorstellt.
Filmisches Schema
Mir fällt mittendrin ein Interview ein, das ich mit US-Regisseur Todd Haynes vor einigen Monaten geführt habe. "Für mich ist es eine Schande, wenn man außergewöhnliche Charaktere nimmt, ob aus der Musik oder einem anderen künstlerischen Bereich, und sie in das immer gleiche filmische Schema presst", ereiferte sich der Amerikaner da. "Es nimmt diesen Künstlern letztlich alles, was sie kreativ eigentlich ausmacht."
Nun habe ich mir von 'Falco - Verdammt, wir leben noch!' natürlich keine Neuerfindung des dubiosen Biopic-Genres erwartet, wie sie Haynes mit seiner famosen Dylan-Hommage 'I'm Not There' liefert.
Aber irgendwie den ganz speziellen Spirit dieses grinsenden Hitparaden-Schlawiners zu spüren, der uns essentielle Lektionen über Ästhetik und Artifizielles, Kunstfiguren und Kommerzunterwanderungen beibrachte, das erhoffte ich mir schon.
Unfreiwillig komisch
Die Schauspieler schaffen es nicht, der konventionellen Machart entgegenzusteuern. Einige Nebenrollen, etwa Susi Stach als Falco-Mama, wirken solide besetzt, andere richtig grotesk: Sunnyi Melles als Wiener Hure ist unfreiwillig komisch, die geniale Disco-Ikone Grace Jones als Kellnerin zu verramschen, grenzt an einen schlechten Witz.
Und die Titelrolle? 'Mondscheiner'-Sänger Manuel Rubey gibt sich sehr viel Mühe - und bricht unter dem Doppelgewicht Falco und Hans Hölzel zusammen. Die Gesten stimmen, die Sonnenbrille sitzt, die Faszination von Falco flackert niemals auf.
Im Grunde wurde eine einmalige Chance vertan. Die knallige Wiener New-Wave-Szene der 80er-Jahre, mit ihrem erfolgreichsten Protagonisten im Zentrum, verpackt in adäquate Bilder, das wäre ein Stoff gewesen, aus dem die Kinoträume sind.
Falcos Nachricht Falcos Variation auf 'The Message' als wiederausgegrabenes Download-Goodie. [Trishes]
Hip Hop im original amerikanischen Sinn Falco starb am 6. Februar 1998 bei einem Autounfall in der Dominikanischen Republik. Werner Geier hat damals einen Nachruf verfasst.