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Wien | 21.2.2008 | 16:43 
Twilight Zone: Musik-, Film-, Comics & more aus den schummrigen Gebieten des Pop.

Rotifer, Blumenau

 
 
Die Hölle, das sind die anderen
  Einhundertundsechs Spielfilm- und Fernsehproduktionen zählt die Internet Movie Database im Zusammenhang mit dem Namen Stephen King. Dass gerade mal ein Dutzend dieser Filme wirklich sehenswert ist, darin dürften mir wohl die meisten beipflichten.

Es ist also eher als Drohung zu verstehen, wenn sich dieser Tage ein Horrorstreifen auf eine Vorlage von Herrn King beruft.

Als sich Frank Darabont aber die Rechte für die Story 'The Mist' sicherte, die der Vielschreiber aus Maine bereits 1980 veröffentlicht hatte, horchten Fans und Kritiker dennoch auf. Bereits zweimal wurde der US-Regisseur für seine ambitionierten Adaptionen von Stephen King-Romanen abgefeiert. 'The Shawshank Redemption' (Die Verurteilten) und 'The Green Mile', das waren Filme, wie sie die Oscar-Jurys lieben, voller emotionaler Dramatik und pathetischer Ergriffenheit. Nicht weit weg von Steven Spielberg erwies sich Frank Darabont als rührseliger Humanist des Genrekinos.

Damit ist jetzt Schluss.

'The Mist' zeigt eine ganz andere Seite des Regisseurs. In der neuesten Stephen King-Verfilmung von Frank Darabont fließt nicht das Schmalz. Sondern es spritzt jede Menge Schleim und hektoliterweise Blut. 'Der Nebel' ist aber noch viel mehr, nämlich ein durchaus erschütternder Abgesang auf die Conditio humana.
 
 
Ausweglose Situation
  Dabei beginnt alles ganz harmlos und, wie so oft bei Stephen King, mit einer Familienidylle. Der Illustrator David Drayton (Thomas Jane) lebt mit Frau und Sohn am Rand einer Kleinstadt im Nordosten Amerikas. Als ein Sturm im Garten schwere Verwüstungen anrichtet, bleiben die Draytons trotzdem gelassen. Während David und der kleine Billy in die Stadt fahren, um notwendige Sachen einzukaufen, zieht auf einmal ein seltsamer Nebel vom Meer herauf.

Im lokalen Supermarkt ist dann plötzlich Schluss mit lustig.

Ein Mann taumelt aus der dichten Nebelsuppe in das Einkaufszentrum. Da draußen ist etwas, schreit er blutverschmiert. Und tatsächlich, irgendetwas scheint da in der trüben Brühe zu lauern, irgendetwas Unheimliches. Die Türen werden verbarrikadiert, Hysterie macht sich breit unter den Eingeschlossenen.

Nur eine Handvoll Augenzeugen, darunter David Drayton, kommt zunächst beim Hinterausgang in Kontakt mit dem Grauen. Riesige Tentakel versuchen da durch einen Türspalt zu dringen. Deformierte Insekten, so groß wie ein Unterarm, knallen später gegen die Glastüren. Und das alles ist erst der Anfang. Die Ortsbewohner, die in dem Supermarkt um ihr Leben fürchten, sehen sich in einer ausweglosen Situation.

 
 
Keine rettende Zuflucht
  'Der Nebel' ist kein Film für Freunde des stilvollen, zurückhaltenden Gruselns. Es ist ein handfestes Monsterspektakel, voller schundiger CGI-Ungeheuer, die ihre Fangarme und Stachel genüsslich ins Fleisch der armen Opfer bohren. Und das ist erst einmal wunderbar, bleibt Regisseur Darabont doch damit der literarischen Vorlage treu, in der sich Stephen King vor trashigen B-Movies verbeugt.

Die zweite gute Nachricht könnte für unerschütterliche Optimisten auch eine schlechte sein. 'The Mist' ist, trotz absurder Comiceinlagen, letztlich ein stockdüsterer, hoffnungsloser Film.

Denn der Schrecken lauert nicht nur vor der Supermarkt-Tür.

In der Extremsituation verwandeln sich auch die meisten Eingeschlossenen zu Bestien. Religiöser Fanatismus und grenzenloser Egoismus regieren bald, die Masken der Zivilisation fallen, letztlich bietet aber auch die Vernunft keine rettende Zuflucht.

Frank Darabont ist jene erstaunliche Mischung gelungen, die der gehypte 'Cloverfield' nicht einlösen konnte: Irrwitzige und unterhaltende Monsteraction trifft auf eine beklemmende Sozialsatire, die an die bösesten Momente von George Romero erinnert.

Faszinierend, was derzeit geht in Hollywood: Mit 'There Will Be Blood', 'No Country For Old Men' und 'Sweeney Todd' treten gleich drei Leinwandepen bei den Oscars an, die den Glauben an das Gute und Edle im Menschen in Blut ertränken. 'The Mist' steht der pessimistischen Weltsicht dieser Streifen um nichts nach, macht aber trotzdem als Genrespektakel großen Spaß.

Ich wünsche viel Vergnügen bei der Apokalypse.

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