"Every day is exactly the same" singen Herr Reznor und seine Nine Inch Nails auf der Tonspur. Tatsächlich ist das Leben des jungen Angestellten Wesley (James McAvoy) eine eintönige Angelegenheit. Frustriert von seinem monotonen Job, gelangweilt von seiner Freundin, die ihn mit einem Bürokollegen betrügt, geplagt von regelmäßigen Panikattacken, quält er sich durch den Alltag.
Eines Tages wird Wesley aber mit Gewalt aus seiner existentiellen Endlosschleife katapultiert.
In einem Supermarkt spricht ihn eine Schönheit names Fox an (Angelina Jolie), die ihm erklärt, dass er der Sohn eines ermordeten Superkillers sei. Wesley soll sofort das Erbe des Herrn Papa antreten und Mitglied eines mächtigen Geheimbunds werden.
Bevor der junge Loser noch überlegen kann, wird er in einen Crashkurs in Sachen Mord & Totschlag hineingezogen. Denn die geheime Bruderschaft, erklärt deren Anführer (Morgan Freeman), tötet im Auftrag des Schicksals seit Jahrhunderten Menschen. Schlechte Menschen, versteht sich, die ordentlich Dreck am Stecken haben.
Der ängstliche Wesley mutiert bald zu einer Killermaschine, die übermenschliche Fähigkeiten entwickelt.
Natural Born Killer
Kugeln, die um die Ecke fliegen. Mordaufträge, die auf abstruse Weise mittels eines Webstuhls vom Schicksal diktiert werden. Absurde Stunts, die kaum ein Superheld überleben würde. 'Wanted', die Verfilmung eines Comics von Mark Millar und J.G. Jones, scheint genau das zu sein, was der Trailer verspricht: ein sinnfreier, aber anfangs durchaus packender Action-Unfug. Ein Film wie ein einziger überlauter Metalcore-Song.
Leider ist die Sache nicht so einfach.
Timur Bekmambetov, der seit 'Night Watch' und 'Day Watch' als russischer Blockbuster-Revolutionär gefeiert wird, möchte nämlich zwischen all den restlos überstylten Gewaltsequenzen auch noch eine Geschichte erzählen.
Es ist die alte Comicstory vom schmächtigen Nerd, der über den eigenen Schatten springt und ungeahnte Kräfte entwickelt. Wesley, durchaus überzeugend gespielt von Jungstar James McAvoy, ist aber kein Spider-Man, Hulk oder Iron Man, kein gespaltener und zweifelnder Held, der letztendlich für das Gute eintritt.
Er ist ein Natural Born Killer, ein minutiöser Terminator, eine Ikone der Ego-Shooter-Generation.
Asozialer CGI-Overkill
Wie ein trübseliger Verlierertyp durch körperliche Härte zum Gewinner wird, das hat uns bereits David Fincher überzeugend in 'Fight Club' erzählt. Ein Film, den Timur Bekmambetov zu seinen ganz großen Vorbildern zählt. Was der Russe aber vergisst, ist die entscheidende Pointe: 'Fight Club' entlarvt den Testosteronrausch seines Protagonisten in einer bitterbösen Pointe als schizophrene Wahnvorstellung.
'Wanted' dagegen feiert die Wunschfantasien von Wesley ungebrochen bis zum pathetischen Ende: ein Film, wie ein einziger feuchter Bubentraum.
Dazu passt dann auch die Rolle von Angelina Jolie, mit der die Produzenten an den Kinokassen punkten möchten. Gerade mal ein paar Sätze darf die UNICEF-Botschafterin murmeln, ansonsten schießt, kämpft und rast sie als sexy Aufputz durch die Szenerie. Lara Croft, bitteschön, war gegen den Todesengel Fox eine oscarreife Feministin.
Fazit: Wer 'The Dark Knight' nicht mochte, weil zuviel über Moral diskutiert wurde, weil die Kamera auch mal Ruhe gab und der Soundtrack nicht konstant böllerte, darf sich über die hundertprozentige filmische Antithese freuen.
Immerhin steht 'Wanted' als wahnwitziger, misanthroper und asozialer CGI-Overkill derzeit konkurrenzlos da. Das muss Timur Bekmambetov erst einmal wer nachmachen.