Diesem Film eilten unglaubliche Vorschusslorbeeren voraus. Was sich, wie so oft in solchen Fällen, als gröberes Problem erwies. Journalisten, die den neuen Streifen des Exil-Taiwanesen Ang Lee (Regisseur von u.a. "Sense & Sensibility" und des großartigen "Der Eissturm") bei Festivals gesehen hatten, sprachen und schrieben verzückt von der Zukunft des Kampfkunst-Kinos. Na ja. Zugegeben machen einen die unglaublichen Actionsequenzen (choreographiert von Yuen Wo-ping, der auch Keanu in "The Matrix" zum Schweben brachte) anfangs wirklich sprachlos. Kino als aberwitziges, schwereloses Spiel der Körper.
Leider ist aber die Story, die vor und nach dem Schwertergeklirre abläuft, umso konventioneller. Statt der versprochenen Erneuerung des etwas müde gewordenen Martial Arts-Genre knüpft Ang Lee an biedere Hollywood-Western und bisweilen auch an muffige Kung Fu-Epen aus der Volksrepublik China an. Vom Witz, Tempo und der Durchgeknalltheit der Hongkong-Meister Tsui Hark ("Once Upon A Time In China") oder Ching Siu Tung ("Chinese Ghost Story 1-3") hat "Crouching Tiger, Hidden Dragon" wenig bis gar nichts. Daran können leider auch hochsympathische Stars wie Chow Yun-fat oder Michelle Yeoh wenig ändern.
Weshalb ich mich bisweilen an die unzähligen Kung Fu-Filme meiner Kino-Kindheit erinnert fühlte, in denen ich - wie ein Pornokonsument, der auf die "Stellen" wartet - geduldig die Stories ertrug, um mich an den Kampfszenen zu berauschen.