Gags, die um zerfetzte Armstümpfe und abgerissene Köpfe kreisen, um Heroinsucht oder schwere Behinderungen. Dialoge, die die ganze menschliche Tragikomödie umfassen, von ungesundem Ehrgeiz über Gier und Neid bis zu blindem Hass.
Willkommen zum lustigsten Film des Jahres.
Zumindest beinahe. Denn 'Tropic Thunder' ist wieder einmal eine jener Brachialkomödien aus dem amerikanischen Frat-Pack-Umfeld, an denen die deutsche Synchronisation in regelmäßigen Abständen hochgradig scheitert.
Mit absoluter Zielsicherheit werden da Sätze, die sich ohnehin ständig an der Kippe zwischen Gut, Böse und Jenseitig bewegen, so übersetzt, dass peinliche Berührtheit statt Lachkrämpfen zurückbleibt. Aber es gibt ja glücklicherweise Kinos, die auf Originalfassungen spezialisiert sind.
Nur im amerikanischen Original kommt man auch in den Genuss der großartigen Stimmen, mit denen die Darsteller in 'Tropic Thunder' ihre Figuren ausstatten. Alleine wie Ben Stiller, als einstiger Actionstar Tugg Speedman, der im Karrieretief feststeckt, immer wieder mit zärtlicher Infantilität den größten Unfug von sich gibt.
Oder die typischen Stakkatomonologe von the one and only Jack Black, der sich als Jeff Portnoy mit furzenden Auftritten in drittklassigen Klamaukfilmen durchschlägt und nebenbei in schweren Drogenproblemen versackt.
Und natürlich Robert Downey Jr., der als oscargekrönter Charakterdarsteller Kirk Lazarus unbedingt einen Afroamerikaner spielen möchte, sich dafür extra die Haut umfärben lässt und verbal die dämlichsten Ghettoslang-Klischees bedient.
Die drei abgehalfterten Schauspiel-Primadonnen stecken in Südostasien fest, bei den Dreharbeiten zum Antikriegs-Epos 'Tropic Thunder'. Der Vietnamschocker soll Kritik und Publikum gleichermaßen mitreißen und alle drei Akteure wieder zu Kassenmagneten machen. Aber sowohl der Regisseur (Steve Coogan) als auch der Produzent im fernen Hollywood sind am Explodieren. Denn mit den drei eitlen Gecken lässt sich nicht arbeiten, 'Tropic Thunder' droht ein Desaster zu werden.
Die rettende Idee liefert der Drehbuchberater (Nick Nolte), ein mürrischer Vietnam-Veteran: Warum nicht die verwöhnten Hauptdarsteller, zusammen mit einem schauspielernden Gangstarapper, einfach mitten im Dschungel absetzen und einen Film im echten, verwackelten Guerilla-Stil drehen?
Gesagt, getan. Nur blöd, dass die Crew ausgerechnet in einem Gebiet strandet, wo sich gefährliche Drogenhändler verstecken. Schon bald fliegen den Kino-Kriegern echte Kugeln um die Ohren.
Zugegeben, manche Witze in 'Tropic Thunder' zielen erst gar nicht auf irgendeine Gürtellinie. Und sensible Gemüter könnten eventuell das eine oder andere Problem bekommen, mit diesem Sperrfeuer aus Fäkaliengags, Blut-und-Beuschel-Scherzen und politisch unkorrekten Wortkaskaden.
Wer aber einen Sinn für konsequentes Hollywood-Bashing und durchgeknallten Sarkasmus hat und ein Herz für kindische Pointen, darf sich freuen.
Nach dem genialen Fashionklamauk 'Zoolander' führt Ben Stiller endlich wieder Regie, ganz nebenbei hat er auch am Drehbuch mitgeschrieben, produziert und spielt eine der Hauptrollen. Als gockelnder Method Actor und falscher Afroamerikaner hat Robert Downey aber die besten Auftritte in 'Tropic Thunder'. Wäre da nicht ausgerechnet Tom Cruise, der mit Glatze und Brusthaarperücke als schmieriger Produzent die Sau rauslässt.
Wie gesagt, wer eine Chance hat, die Originalfassung zu sehen, sollte sie nutzen, es lohnt sich.