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Wien | 5.6.2001 | 14:00 
Twilight Zone: Musik-, Film-, Comics & more aus den schummrigen Gebieten des Pop.

Rotifer, Blumenau

 
 
Hartgekochte Bilder: "Blood Simple"
  Am Anfang: Bilder von verdörrten Äckern und flimmernder Luft. "Blood Simple" kommt zur richtigen Jahreszeit wieder ins Kino. Denn hohe Außentemperaturen spielen eine nicht unwichtige Rolle in dem Film. Wie in vielen hartgekochten Noir-Romanen ist es die Hitze, die die Protagonisten nicht immer klar denken lässt und zu verworrenen Taten treibt. Eine Hitze, die unerbittlich auf ein kleines Kaff in Texas runterbrennt.

Dort lebt der zwielichtige Barbesitzer Marty (Dan Hedaya), den die Eifersucht auf seine junge Frau Abby zerfrisst. Zu Recht, erfahren wir bald, denn Abby hat eine Affaire mit dem jungen Angestellten Ray (John Getz). Während das verbotene Paar sich in einsamen Motels liebt, trifft sich der schlechtgelaunte Marty mit einem schmierigen Privatdetektiv, der einen mörderischen Auftrag bekommt.
 
 
No Happy End
  Langsam und beinahe tranceartig gleitet die Story dahin, denn die Hitze verlangsamt auch das Tempo der Ereignisse. Jeder verdächtigt jeden. Und bald kämpft auch jeder gegen jeden. Morde werden gefaket und vertuscht und verdrängt und irgendwann landen Menschen unter der Erde, die noch nicht wirklich tot sind...

"Blood Simple" fügt sich als Debüt perfekt ins Gesamtwerk von Joel & Ethan Coen. Da taumeln gebrochenen Charaktere herum, kleine Lebensversager und Durchschnitts-Loser, da kommen bizarre Brüche in der Handlung aus dem Nichts und niemand braucht Ansätze eines Hollywood-Happy Ends. Ebenfalls schon mit dabei: die große Frances McDormand, der Star aus "Fargo" oder zuletzt "Almost Famous", privat übrigens mit Joel Coen liiert.

 Ein fieser Ehemann (Dan Hedaya) und ein schmieriger Privatdetektiv (M. Emmet Walsh) hecken finstere Pläne aus...
 
 
Die Kraft der Bilder
  Ein dunkler, gewalttätiger und auch manchmal komischer Streifen. Diese Mischung kennt man ja von den seltsamen Brüdern Coen. Wobei "Blood Simple" das Lachen auf einige ausgewählte Momente beschränkt und somit nahe an düsteren Grotesken wie "Millers Crossing", "Fargo" oder "Barton Fink" dran ist. Den übertrieben abstrusen Humor von "Hudsucker Proxy" oder "O Brother, Where Art Thou?" sucht man hier vergeblich - und das ist gar nicht so schlecht.

Vielleicht das wichtigste an diesem Film: Mit "Blood Simple" kündigte sich 1984 endgültig ein ganz neues Kino an, in dem die Form mindestens ebenso wichtig ist wie der Inhalt. Ganze, lange Einstellungen kommen fast ohne Dialoge aus und vertrauen auf den Eindruck der sorgfältig stilisierten Bilder.

 Szene einer Ehe: Dan Hedaya und Frances McDormand in "Blood Simple"
 
 
Die Anfänge einer filmischen Meisterschaft
  Wo andere Regisseure diese Philosophie des Visuellen schnell trivialisierten, landeten Joel und Ethan Coen nie bei einer billigen Werbeästhestik. Sie verfeinerten ihr filmisches Gespür mehr und mehr. Wer die Anfänge dieser Meisterschaft sehen will, darf "Blood Simple" nicht versäumen.

 Joel und Ethan Coen
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  Mehr über "Blood Simple" und den Unterschied von Director's Cut und Original

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