Es gibt Leute, für die ist Robin Williams schon immer der pure Horror gewesen. Ein betont familienfreundliches Schreckgespenst. Der Phil Collins von Hollywood. Für mich zum Beispiel. Ich frage mich allerdings, was Furcht erregender ist: die zuckersüß-klebrige Komik in Reißern wie "Bicentennial Man" (Der 200 Jahre Mann) und "Mrs. Doubtfire", die für mentale Karies beim Betrachter sorgt? Der schamlose Tränendrüsen-Angriff in Monstrositäten wie "What Dreams May Come" (Hinter dem Horizont), "Awakenings" (Zeit des Erwachens) und "Patch Adams"? Die gruseligen Interviews mit dem Schauspieler, bei denen er stets manisch die Rollen und Sprachen wechselt? Oder kommt der wahre Schrecken erst auf uns zu?
"I am not who you think I am", murmelt Williams im Trailer zum heiß erwarteten Remake "Insomnia". Ein vieldeutiger Satz. Zeigt der Schauspieler in dem Thriller von "Memento"-Regisseur Christopher Nolan doch endlich, was unter seiner Konsensfassade schlummert: ein sadistischer Kindermörder zum Beispiel. Schluss mit Lustig.
Trau keinem Clown: "Patch Adams"
Sinistres Understatement
"Insomnia" ist nicht der einzige Film, in dem Hollywoods rührseliger Clown in Abgründe blicken lässt. Noch vorher kommt "One Hour Photo" zu uns, ein subtiler Schocker des Videoclip-Starregisseurs Mark Romanek. In dem visuell herausragenden Streifen mimt Williams einen unauffälligen (Unter-)Durchschnittsbürger, der außer seinem Job als Fotoentwickler in einer Shoppingmall in einem sozialen Vakuum schwebt. Seine einzige Beziehung, zu einer jungen, scheinbar vor Glück strotzenden Familie, lebt er nur im Kopf und mittels obsessiv gesammelter Snapshots aus.
Beklemmend unauffällig: "One Hour Photo"
Man muss es einfach zugeben: Williams stattet Sy, den "quiet photoguy", mit beklemmend unauffälligen Zügen aus. Wenn der frustrierte Außenseiter am Ende erwartungsgemäß explodiert, geht das dafür unter die Haut wie der erste Leinwandauftritt seinerzeit von good old Hannibal Lecter. In "Insomania" scheint der Akteur, der ansonsten mit seinem überambitionierten Grimassenschneiden nervt, ebenfalls auf sinistres Understatement zu setzen, urteilen begeisterte Pressestimmen. Hat es sich ausgeschnulzt?
Killer (Patch Adams) und Cop (Al Pacino) im Zwiegespräch: "Insomnia"
Grimassen des Grauens
Ach ja, da ist auch noch die bitterböse Komödie "Death To Smoochy", die von einem gefeuerten Kindershow-Host handelt, der seinen Nachfolger im Hasenkostüm aus dem Weg schaffen will. Es mordet: Robin Williams. Er darf dabei auch wieder so richtige überkandidelte Fratzen schneiden, allerdings mit einer bedrohlichen Absicht dahinter. Soll bestens funktionieren, habe ich von Vertrauenspersonen gehört, die "Smoochy" schon gesehen haben.
Scheint, dass hier jemand seine wahre Berufung gefunden hat. Ich habe mich zwar vor Peter Pan und Patch Adams auch schon geängstigt. Aber in seinen aktuellen Rollen als Finsterling ist Robin Williams erstmals echt überzeugend. Außerdem sind Vorurteile ja quasi dazu da, überwunden zu werden. Vielleicht überrascht sogar Phil Collins demnächst mit einer spannenden Platte. Nein, diesen Satz nehme ich jetzt zurück.