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Wien | 27.9.2005 | 17:33 
Innerlichkeiten. Äußerlichkeiten.

HansWu, Pfister

 
 
Dong
  Wer zu Zeiten des Internets noch schwarzweiße von Hand kopierte Fanzines herausbringt, muss ein ziemlich starkes Anliegen haben.

Und das haben Nicole Hardt und Axl Jansen. Sie Stylistin, er Fotograf, beide fest ins Modesystem verstrickt und beide sind sie damit unzufrieden, was der Modezeitschriftenmarkt so hergibt.
Und weil sie nicht wie ihre Berliner Kollegen vom "Liebling"- Magazin noch ein "Wir fotografieren unsere Freunde auf Hochglanzpapier"-Heft als Gegenstrategie herausbringen wollten, haben sie sich fürs räudige, schwarzweiße und für das schon von jeher mit der absoluten Glaubwürdigkeit der Subkultur behaftete Medium Fanzine entschieden.
So entstand Dong, das Modemagazin.
 Parodierte Werbeeinschaltung
 
 
 
 
  Bei Dong wird spaßistisch protestiert. Im ersten Heft wurde eine ganze Modestrecke mit Secondhandgewand von Humana gestylt (siehe oben).

Anzeigen werden nachfotografiert ("Louis WeDong", "Dong + Gaggana", "Wau Wau" statt "Miu Miu") oder zum Wort "Dior" wird eine fette Spinne dazugemalt.

Nicole Hardt: "Der Grund, warum wir das gemacht haben, sind die Missstände in den Modemagazinen - dass die Editorials immer nur aus den Anzeigenkunden bestehen. Dass Stylisten so eingeschränkt werden und das gar nichts mehr mit sogenanntem freiem Schaffen zu tun hat. Was das Modebusiness immer so an die große Glocke hängt, aber eigentlich ist es doch nur Geldhinundherschieberei."
 
 
 
 
 
  Außer Zeichnungen, Gedichten, und nun ja, auch ganz normal aussehenden Modestrecken finden sich in Dong auch Chanellabels auf Aufbügelfolie und theoretische Texte wie Roland Barthes' "Die Sprache der Mode".

Nicole kann zwar den Namen des Philosophen nicht so ganz korrekt aussprechen (na und, vielleicht hat sie ihn ja immer nur gelesen?), aber sie wünscht sich: "Dass der Leute inspirieren kann, mal so ein modetheoretisches Buch zu lesen, oder einen Anstoß geben kann, andersrum über Mode zu denken ... dass es nicht darum geht, wie ist der Look der nächsten Saison. Dass Mode also vielleicht ein bisschen mehr ist."

 
 
 
 
 
  Dong Nummer 3 ist in Arbeit, die Frage ist nur: Wie lange wird das ehrgeizige kleine Dong dem schnöden Kommerz standhalten?

Axl Jansen: "Wir haben viele emails bekommen. Eins zum Beispiel von Wolfgang Joop, der sofort geschrieben hat, hallo Dong-Team, ich bin ab sofort zu jeder Kooperation bereit. Wir werden auch im nächsten Heft mit ihm zusammenarbeiten, mehr sei noch nicht verraten."

Abgesehen von solcher Fanmail: Wie sinnvoll ist es, im Interview den "Anzeigen kaufen - im Editorial vorkommen" Zusammenhang anzuprangern, oder zum Heft 2 wiederholt zu verkünden, man müsse "Jungdesignern" eine Plattform geben --- was aber nur in Verwendung von Klamotten der eigentlich schon wohlbekannten Wendy & Jim bzw. Fabrics Interseason resultiert und schließlich in einer Anzeige von Wendy & Jim?

Nichts gegen die beiden bezaubernden Modelabel, aber: Sorry, Dong, das klang wohl alles einfach zu gut, um wahr zu sein.
 
 
 
 
 
Eins noch:
  "Mehrmals hatten wir Gelegenheit, darauf hinzuweisen, wie sehr die starke Verbreitung der Modezeitschriften (...) das Phänomen der Mode verändert und dessen soziologischen Sinn verschoben hat.

Mit dem Übergang zur schriftlichen Kommunikation wird die Mode zu einem autonomen kulturellen Objekt mit eigener Struktur und wahrscheinlich auch neuer Zielsetzung;

die sozialen Funktionen, die der Kleidermode gewöhnlich beigelegt werden, werden durch andere ersetzt und ergänzt, die denen der Literatur insgesamt analog sind und die sich in wenigen Worten wiedergeben lassen:

Seitdem die Mode von der Sprache übernommen wurde, ist sie Erzählung."

Roland Barthes, Die Sprache der Mode, Kap. 20.: Die Ökonomie des Systems, Frankfurt/M. 1985, Übersetzung Horst Brühmann.
 
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Barthes, Die Sprache der Mode, Kap.18
   
 
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