fm4.ORF.at ORF.at login
StreamPodcastsMail an FM4
zurück zur TitelseiteSOUNDPARK - Your Place for Homegrown MusicSTATION - alles rund um den RadiosendernotesCHAT
Wien | 15.8.2008 | 18:04 
Innerlichkeiten. Äußerlichkeiten.

HansWu, Pfister

 
 
Nur Shirts.
  In allen Farben. Dazu Leggings, Pullover und Schlauchkleider aus Baumwolle. Der größte T-Shirt-Hersteller Amerikas eröffnet Samstag seine erste Filiale in Wien, Österreich.
 
 
 
Diese Woche, Mittwoch
  Nach allerbester "Die Welt ist meine Auster"-
Manier in den unfertigen Am-App-Shop stolziert.
Eine sehr nette, junge Dame, in violettem T-Shirt und schwarzen Glanzleggings der Hausmarke rief mir erst "Wir machen am Samstag auf!" zu und dann "Suchst du Arbeit?" - ich hatte meine dunkel gerahmte Brille auf, das muss es gewesen sein.

Diese Dame war die Visual Merchandiserin, extra aus München eingeflogen, und zwischen den roten und weißen Puppen und den weißen Gittern an den Wänden (CI, dass es kracht!) hat sie die Frauensachen links und die Männerware rechts aufgehängt.
 
 
 
  Vom Verkaufspersonal natürlich noch nichts zu sehen. Sind ja per Aufrufzettel in der Auslage und per Posting in diversen Sympathisanten-Blogs Mitarbeiterinnen gesucht worden. Also alles Wiener. Und wenn schon nicht viel Geld, kann ich mir doch vorstellen, dass das einen gewissen Coolheitsbonus bringt, dort zu arbeiten. "Gestern bin ich im Flex hinter dem Hupsi vom American Apparel gestanden" - "Ja? Echt? Org." So stell ich mir das vor.


 
 
24. Juli 2008
  Ja, natürlich beginnt die ganze Story mit ein bisschen Hysterie. Der Blog von Zapateria muss sich erst einmal ganz viel frische Luft zufächeln, als er Bauarbeiten in einem Laden auf der Mariahilferstraße bemerkt. American Apparel kommt nach Wien, japst es, und war Z. nicht eigentlich auch ein Laden, der einst auf eigene Faust die Hipsterhemdchen importierte? Andere Läden im siebten Bezirk folgten, und boten durch Bestickung leicht veränderte American Apparel Produkte an, vom Fashionvictimvolk so heiß ersehnt.
 
 
 
Anno 2005
  "OMG!!!11 dort ist ein American Apparel!", schrie Biba, als wir eines Tages durch Paris spazierten, und verfiel in Galopp in Richtung eines Ladens voll bunter Baumwollbekleidung. Auch Socken und Taschen gab es dort, und sogar einfache Baumwollstreifen wurden von Biba ehrfürchtig in den Korb gelegt: "Das sind die besten Schals der Welt!" LOL, dachte ich, und kaufte ein Shirt, um nicht aufzufallen. Ein kleiner Marketing-Shuriken steckte in meinem Rücken.

 
 
Samstag, Tag der Eröffnung
  Wenn Kollegin Matthews und ich über American Apparel reden, werden wir uns nicht einig. Matthews schwärmt von fairen Bedingungen für
die Näherinnen, größtenteils mexikanische Einwanderer in L.A.: Guter Lohn, Gesundheitsvorsorge, billige Kantine, Zuschüsse für Fahrkarten. Sweatshopfreie Ware, die gut sitzt. Seinen Durchbruch feierte American Apparel mit einem auf Figur geschnittenen Frauen-T-Shirt, damals, in den 90ern, Mangelware. Beinahe jedes Bandshirt aus den vergangenen Jahren trug das American Apparel-Märkchen im Kragen. Die Preisumrechnung $=E nimmt man zähneknirschend in Kauf bei Preisen um die zwanzig für ein Shirt.
 
 
 
Igitt, und natürlich Unschuldsvermutung
  Mir hingegen graust vor den Stories [1], [2], [3], die über American Apparel Boss Dov Charney erzählt werden. Fünf Mal wegen Belästigung am Arbeitsplatz angeklagt, viermal freigesprochen und einmal außergerichtlich geeinigt, soll Charney laut den Klägern und Klägerinnen für eine mehr als nur ungute Atmosphäre am Arbeitsplatz stehen.

In anderen Momenten betätigt sich Charneys Fotograf selbst gescouteter (Das wird immer verzweifelt betont. Ein toller Hecht, versteht ihr? Versteht ihr???), ja also selbst gescouteter Laienmodels in seiner Ware, zum Zwecke der Bewerbung selbiger. Ist mir schon klar, dass Frauenkörper so gut wie alles verkaufen, aber deshalb muss ich das doch auch nicht immer gut finden.

Unter der Devise "Beine breit für Baumwolle" kommt dann so etwas raus wie Terry Richardson für Arme,
gern auch begeitet von Sprüchen wie "Time to get Wet" (Bikini), "Stuff this" (Unterhose) und "Tight" (Strumpfhose),

Kotz.

Terry Richardson selbst ist schon wieder woanders: Er fotografiert Kunstschnee-Tussis für die Winterkampagne von Tally Weijl.

 
back
 Übersicht: Alle ORF-Angebote auf einen Blick