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Wien | 5.9.2008 | 20:18 
Innerlichkeiten. Äußerlichkeiten.

HansWu, Pfister

 
 
Ars Electronica
  Die "keine Fotos von mir selber in Webstories"-Policy hab ich außer Kraft gesetzt, aber dazu später. Erst einmal ein Spaziergang ins Linzer Architekturforum. Linz ist ja zum Glück nicht groß und die Ars-Attraktionen nicht weit auseinander. Quod erat demonstrandum:
 
 
 
 
 
  Nils Kreter, Studierender der Berliner UdK, findet Links oder gar Plakate viel zu aufdringlich und hat sich deshalb in Quick Response Codes verliebt. Genau, die quadratischen Enkelkinder des Strichcodes, die man per Handy fotografieren und entschlüsseln kann.

Analoge Links zur digitalen Welt. In Japan schon auf jeder Schokolade zu finden, oder in Museen, um vielleicht auch noch gleich einen Song runterzuladen ... Bis zu ein Gigabyte an Information können die kleinen Gescheckten vermitteln, Texte oder Links ... "Femme, je vous aime" steht auf dem Apfel, und links davon ein Kästchen, das man erst gießen muss, um die Botschaft zu erkennen. Dann drücken sprießende Pflänzchen das überflüssige Plastik weg.
 
 
 
 
 
  Nils erzählt, wie die ganze Welt von oben respektive von Google Earth aus mit QR Tags beschriftet zur Werbefläche werden könnte, und mir läuft ein kleiner kulturpessimistischer Schauder den Rücken runter. Wie war das nochmal mit "aufdringlich"? Keine Sorge, meint Nils, den letzten Schritt zur Entschlüsselung müsse man ja immer selbst tun.

Dann erzählt er mir von vollautomatischen Holzfäll-Maschinen, die man auf einen Wald loslassen könnte, um ihn in einen Quick Response Code zu verwandeln. Mittels Schablonenbrett und Kresse wird das hier vermittelt.
 
 
 
 
 
  "Samplingplong" ist im OK zu finden. Die Picknickdecke leuchtet, kleine Müllelemente rascheln, schnaufen, fauchen und klicken, und eine uncanny Servo-Hand lässt den einen Finger einringeln und den anderen drehen. Ergibt: Einen kleinen, minimalistischen Track, gern auch zum Selbersteuern. Erinnert irgendwie an die Videos von Notwist!
 
 
 
 
 
  Und jetzt: Meine Lieblinge!
Die Uni Tokyo zu Gast an der Linzer Kunstuni.

So auch mit "ephemeral melody", der Seifenblasenorgel. Kurbeln bedeutet Seifenblasen, Seifenblasen berühren Stäbe, Berührung bedeutet Ton. Ooooh!
 
 
 
 
 
  Wer ist hier der Roboter? Schwer zu sagen hier.
Öffnet man die kleine Tür, winkelt die sitzende Figur den Arm an. Auch das Einschalten der kleinen Lampe und ein sanfter Druck auf den kleinen Schemel bewirken Bewegungen. Tür, Schemel und Licht sind auch der Roboter. Polysemie nennt sich das, das Oszillieren zwischen "Bedienen" und "Bedient werden". Drei Jahre Entwicklung stecken in dem polstersanften Freund im Vordergrund.
 
 
 
 
 
  Kotaro, der Roboter, hat 100 Motörchen in sich, und insgesamt wohl 1.000 Teile. Mit seinen Kugelgelenken, den bronzefarbenen Motorenmuskeln und schicker, durchsichtiger Haut schaut er schon recht menschlich aus. Er hat Drucksensoren in den Fingern, Mikros in den Ohren und Kameras als Augen, und seine Spielgefährten sind immer mindestens 10 StudentInnen der Uni Tokyo. Die wackeln dann mit Äpfeln vor seinen Augen auf und ab, und er folgt ihnen mit seinem Gesicht und greift nach ihnen. Oder sie steuern ihn vom Rechner aus in einer LISP nicht unähnlichen Programmiersprache.

"Ein Paradigmenwechsel hat stattgefunden in Sachen Roboter," erläutert Yoshinao Sodeyama.
"Früher hat es geheißen: Simple is best. Und seit ein paar Jahren verfolgen wir eine andere Richtung: Complex is best. Das ist auch der Grund, warum Kotaro zum Beispiel Schulterblätter hat."
 
 
 
 
 
  Und wer ist hier der Roboter? Gut, es ist der dünne, schwarze ganz links im Bild. Aber er hat Hüften, Schultern und einen Hals! mit denen vollzieht er genau die Bewegungen der Person mit dem Kopfgeschirr, und zeigt ihr durch seine Kameraaugen die Welt. Zum Beispiel in Gestalt eines bunten Schaumgummiballs, der vor dem dünnen schwarzen auf und abgewedelt, oder ihm sogar an den Kopf geworfen wird.
 
 
 
 
 
  "Bitte nur mit Schuhen auf Log-Log steigen", sorgt sich Jung-Hyun Kim nicht ganz unberechtigt um die Hygiene. Für sie als Entwicklerin ist das natürlich auch mit hohen Absätzen kein Problem. Und jede Gewichtsverlagerung auf dem Balken bringt Verwirbelungen in den kleinen Bach aus animierten Strichen. Durch das dazu gespielt Bachrauschen und -plätschern eine der beruhigendsten, friedlichsten Projekte hier.
 
 
 
 
 
  Rechts bekomme ich auf dem Bildschirm Kugeln in mein leeres Plexiglaswürfelchen "gefüllt" - und ich kann sie spüren! Ich kann sie schütteln, und fühle sie hüpfen und rollen. "Do you want to sell this to Sony?", frage ich den anwesenden Entwickler, Kouta Minamizawa, und er grinst vielsagend. Ja, für Game-Controller könnte er sich das vorstellen, oder für, er malt so etwas wie Schultern in die Luft, "boyfriend, far away". Ich gebe zu, die Idee ist mir auch gekommen.

 
 
  Weiter: Das hier sind die Studentinnen eines Professors, der in Richtung "praktische Anwendung von Handies" forscht. Handy, zu japanisch "Keitai". Alles begann mit der Erinnerung an die Edo-Periode ("das alte Tokyo"), in der die JapanerInnen auch schon verdammt mobil waren und möglichst alles mit sich am Körper herumtrugen, umgebunden, in Taschen oder in ihren Sack-Ärmeln.
 
 
 
 
 
  Und nun wird mit dem Zeug, das man mit sich herumträgt, eine Wortkette gebildet. Ich zücke einen kleinen Anstecker in Form einer blauen Eistüte, (der Inhalt meiner Hosentaschen ist kein weniger, aber nicht toll genug) und dann bekomme ich eine Tafel zum Ablesen folgender Sätze vor der Kamera: "Das ist meine Anstecknadel. It's cute, but also dangerous." Ich steche mir kurz in den Unterarm, um das zu beweisen. Au. "Do YOU have something dangerous?" - Wer also etwas Gefährliches hat, um die Kette fortzusetzen: Ab in die Kunstuni!
 
 
 
 
 
  Ja, und das Publikum kann es nicht fassen. Ein Riesenschwein. Mit der "Plushie"-Software kann man 3D-Stofftiere modellieren und erhält gleich ein Schnittmuster dazu. Kann man selbst testen: Hier!
 
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