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Wien | 22.10.2003 | 01:06 
Videospiel-Kultur, essenzielle Elektronik und famoses Allerlei.

Burstup, Gerlinde, Grenzfurthner

 
 
A new kind of magazine
  Als ich 1992 erstmals eine Ausgabe der 'Powerplay' in meinen Kinderhänden hielt, war das ein einschneidendes Erlebnis. Auch wenn damals nach dem Lesen eines Artikels noch nicht besonders viel hängengeblieben ist, weil sowohl die Leseroutine
als auch diverses grundsätzliches (Fach)wissen gefehlt hat, war das doch der Grundstein für eine intensive Passion.

Vor einem halben Jahr hatte ich erneut so ein markantes Erlebnis. Und wieder war es beim erstmaligen Aufschlagen eines Spielemagazins, bloß war ich ein paar Jahre älter. Und das passt genau, denn diesmal war es nicht irgendein solides Spieleheft, das ich in meinen Händen hielt, sondern 'Edge', Ausgabe 123.
 
 
 
Issue #129
 
 
  'Edge' unterscheidet sich grundsätzlich von allem, was sich journalistisch mit dem Themenfeld Computer- und Videospiele auseinandersetzt. Es ist redaktionell kritisch und reflexiv, bietet persönliche Kolumnen namhafter externer Journalisten und Entwickler sowie präzise und gut recherchierte geschichtliche Aufarbeitungen und Reportagen. Worte wie 'Hype' oder 'Kult' werden von 'Edge' weder gedruckt noch gelebt, sondern ausschließlich negiert. Verklärte Auseinandersetzungen mit der Vergangenheit sucht man ebenfalls vergebens. Im schlimmsten Fall ist 'Edge' zynisch, aber selbst das kommt selten vor. Meistens ist alles einfach nur gut aufbearbeitet, von interessanten Blickwinkeln beleuchtet, informativ und witzig. Und auch ist das Layout brilliant: einfallsreich, übersichtlich, attraktiv und abwechslungsreich.

'Edge' ist ein sogenanntes Multi-Format Magazin - es behandelt die Spiele aller aktuellen Konsolen, Handhelds und Computer. Waren das bei der ersten Ausgabe vom 19. August 1993 noch Mega Drive, Super Nintendo, PC Engine oder Amiga sind es heute natürlich die üblichen Verdächtigen, von GameBoy Advance bis PC.
 
 
 
Die Rubrik 'Codeshop' (oben) bringt Neuigkeiten aus der Entwickler-Szene, sowohl der fanbasierten als auch kommerziellen. Unten: Eine Preview
 
 
Die 'Edge' Perspektive
  Bei der ersten Ausgabe ist ein spezieller redaktioneller Kniff beschlossen worden, der bis heute beibehalten wurde: Unter den Artikeln steht nicht der jeweilige Name des Redakteurs, sondern das 'Edge'-Logo - ein kleines, dreidimensionales 'E'. Und auch Meinungen, Gedanken, Vergleiche und Anekdoten innerhalb der Texte sind stets aus einer Gesamtperspektive geschrieben. "Edge thinks ...", "Edge asked the developer ...", etc.

Trotz dieser eigentlich dreisten Selbstinszenierung wirkt dieser Stil verwunderlicherweise nie störend, unprofessionell oder gar arrogant. Viel mehr bekommt man das Gefühl vermittelt, dass dieses Magazin tatsächlich für ihre Leser schreibt, mit ihnen scherzt und auf derselben Ebene agiert.
 
 
 
Die vier ganzseitigen Kolumnen sind einer der vielen 'must-reads' jeder Ausgabe
 
 
Im Notfall: Kaufen
  Wo durchschnittliche bis schlechte Spiele in prinzipiell nicht unangenehmen deutschsprachigen Spiele-Magazinen oft Wertungen von über 70% bekommen, bewertet 'Edge' nicht selten mit nur 3 oder 4 von maximal 10 Punkten. Ich selbst wundere mich oft bei manchen 'Digital Underground' Spieletests, welche teils enorm uninspirierten und spaßlosen Titel durchgehend ihre 75% Wertungen bekommen.

Die Industrie und in weiterer Folge die Anzeigenkunden haben mit solch idealistischen journalistischen Grundsätzen oft aber nicht viel am Hut. 'Edge' lässt sich zwar seit 10 Jahren in ihrer Rezensions-Politik nicht aus der Ruhe bringen, muss aber dafür auch manchmal in Kauf nehmen, den einen oder anderen Titel im Geschäft erstehen zu müssen, weil auf sonderbare Weise kein Testmuster eintrifft.
 
 
 
Oben: ein Spieletest, darunter: erste Seite einer Reportage
 
 
Erwachsenenbildung
  Das Redaktionsteam von 'Edge' besteht aus Endzwanzigern und Anfangdreißigern, die teils aus sehr unterschiedlichen Berufssparten kommen. Sie alle teilen ihren Enthusiuasmus für's Spielen und die meisten von ihnen bringen eine über 20-jährige Fach-Erfahrung mit. Wer also in der Spiele-Geschichte graben will, mehr über alte Geräte und deren Titel und nach Genre-Referenzen aus unterschiedlichen Zeitabschnitten sucht, wird mit jeder Ausgabe viel neues und wissenswertes finden.

Wer nicht viel von Print-Magazinen hält und glaubt, alles im Netz nachlesen zu können, wird enttäuscht. Die 'Edge'-Homepage ist sehr karg und erfährt kaum Updates. Durch die kleine Redaktion und die Fokussierung auf das Heft fristet die Homepage somit ein etwas stiefmütterliches Dasein. Doch auch die schickste Website kann das lustvolle Schmökern in 'Edge' nicht ersetzen. Issue #130, bald, bei jedem größeren, gut sortierten Zeitschriftenhändler.
 

 
audio
 
title: 10 Jahre Edge
artist: Homebase (21.10.03)
length: 4:49
MP3 (4.623MB) | WMA
   
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  edge-online.com
   
 
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